Norderstedt
So schmeckt der Norden

Frischer Fisch aus dem eigenen Teich

Ein echter Familienbetrieb: Die Grosseltern Lisa und Hans Molt (hinten v.l.) mit den Kindern Hans und Ulrike (vorn v.l.) und den Azubis Sarah Siedler und Angelique Mellies

Ein echter Familienbetrieb: Die Grosseltern Lisa und Hans Molt (hinten v.l.) mit den Kindern Hans und Ulrike (vorn v.l.) und den Azubis Sarah Siedler und Angelique Mellies

Foto: Andreas Laible

In unserer Sommerserie stellen wir Landgasthöfe vor, zu denen sich ein Ausflug lohnt. Heute: Die Strenglinger Mühle in Pronstorf.

Pronstorf.  Eine Windmühle sucht der Besucher in Strenglin vergeblich. Sie verschwand in den 1930er-Jahren. Der Bach, der bis 1957 die Wassermühle antrieb, vor fünf. Mittlerweile plätschert das Wasser auf der anderen Seite der Straße. Der Landgasthof Strengliner Mühle indes ist immer noch da, und er läuft sehr gut. Drei neue Auszubildende sind gerade eingestellt worden, und auch die Familie Molt hat bereits für Nachwuchs gesorgt. Sie führt die Strengliner Mühle seit 1745. Damals schloss ein gewisser Paul Molt einen Erbpachtvertrag mit der Herrin des nahen Gutes Pronstorf. Neben der 1614 erstmals erwähnten Wassermühle baute er kurz darauf eine Windmühle, um nicht allein auf Wasserkraft angewiesen zu sein. Später kam ein Backhaus dazu, die Schankerlaubnis wurde 1906 erteilt. Ulrike und Henning Molt wirtschaften bereits in der elften Generation im kleinen Dorf Strenglin ganz im Osten des Kreises Segeberg.

Die hügelige Landschaft der Holsteinischen Schweiz mit ihren fruchtbaren Böden sorgte einst für eine reichhaltige Getreideernte. Die Bauern brachten den Ertrag nach Strenglin, ließen das Korn dort mahlen und kehrten unterdessen bei den Molts ein. Im Laufe der Zeit nahm der Anteil der Mühle immer mehr ab, der des Gasthofs zu. So wurden der Getreidespeicher zum Gästehaus und der Mühlenraum zum Saal umgebaut. Vor 30 Jahren entstand ein weiteres Gästehaus mit kleinem Schwimmbad; und so ist von der einstigen Mühle heute nur der Name erhalten geblieben. Und natürlich die Besitzerfamilie.

Die Landschaft mit dem idyllischen Wardersee und der Trave sowie den Hügeln mit weitem Ausblick für eifrige Wanderer ist jedoch immer noch wichtig für die Betreiber. Sie, aber auch die nahe Ostsee und der kurze Weg nach Lübeck, lockt reichlich Urlauber an, die zum Entspannen nach Strenglin kommen. Sie übernachten im Hotel, das Ulrike Molt führt, und lassen sich im Restaurant von der regionalen Küche Henning Molts verwöhnen. Wegen der Hotelgäste hat das Restaurant täglich geöffnet, aber natürlich können auch Auswärtige hier jeden Tag die Küche genießen.

„Wir sind ein typischer Familienbetrieb“, sagt Henning Molt. Neben ihm und seiner Schwester sind die Eltern dabei, Schwager, Onkel und Tante sind für den Gasthof aktiv, und selbst die Großmutter hat mit ihren 95 Jahren Anfang des Jahres noch jeden Morgen einen Eimer Kartoffeln geschält. Mittlerweile macht sich das Alter bemerkbar, die alte Dame hat sich aus dem Geschäft zurückgezogen. „Alle wohnen um die Mühle herum“, sagt Henning Molt, der selbst mit Frau und zwei Kindern über dem Gastraum im Haupthaus wohnt. Einmal am Tag findet in der Strengliner Mühle so etwas wie die Betriebsbesprechung statt.

Denn die Molts bewirtschaften neben der Gastronomie und Hotellerie immer noch auf 40 Hektar Land Ackerbau. Angebaut werden Raps, Gerste und Weizen. Und zumindest vom Weizen wandert ein Teil des Ertrags als Fischfutter in die eigene Teichwirtschaft. Denn wenn auch die Mühlenräder in Strenglin mittlerweile nur noch als Dekoration zwischen den Häusern stehen, die alten Mühlenteiche werden immer noch bewirtschaftet. Nutzte der Müller sie einst, um Wasser aufzustauen und bei Bedarf den Bach rauschen und das Mühlrad klappern zu lassen, züchtet Henning Molt hier nun seine Fische.

Zum Beispiel Karpfen. „Bei uns sammeln sich in der Karpfensaison die Karpfenesser“, sagt Henning Molt. Es werde nur das gefangen, was selbst verbraucht werden kann. Und das stellt den Chefkoch zuweilen vor Probleme. „Es ist nicht immer planbar, was man aus dem Teich holt.“ So manchen „Exot“ aus den heimischen Gewässern muss er den Gästen dann erst schmackhaft machen. Wenn am Freitag dann mal wieder Fischtag ist, die Kühl-Vitrine im Gastraum steht, dann kann sich der Gast den eigenen Fisch aussuchen, der für ihn gebraten wird. So wanderte auch eine Kiste Barsche auf die Teller. „Nur auf die Karte schreiben geht nicht, das muss man auch visualisieren“, sagt er. Zwar hat er viele Fische im Teich, aber er kauft auch zu. Die meisten Fische stammen aus den Seen der Umgebung oder aus der Ostsee.

Ein Selbstläufer ist dabei die traditionelle Vorspeise des Hauses, der Strengliner Räucheraal. Der Fisch kommt aus dem eigenen Teich, Henning Molt räuchert ihn selbst in seinen alten „Altonaer Öfen“ auf der anderen Straßenseite. Ebenfalls sehr beliebt sind die klassischen Holsteiner Gerichte, die bei den Molts auf Platt (für Auswärtige natürlich auch mit Übersetzung) auf der Karte stehen. „Suerfleesch vun’n Swiennacken, dorto Bratkatüffeln“, ist da zum Beispiel zu lesen. „Das macht meine Mutter“, sagt Henning Molt, „da braucht sie nichts abzuwiegen, und es schmeckt noch so wie vor 50 Jahren. Das Gericht ist unser Fels in der Brandung.“

Henning Molt weiß, dass den Gästen heute das besonders gut schmeckt, was bereits früher auf den Tisch kam – insbesondere dann, wenn es hand- und hausgemacht ist. Er fügt zuweilen ein paar modernere Variationen hinzu.

Die Rezepte sind hingegen so sehr Familientradition wie das ganze Haus, berichtet die 71-jährige Lisa Molt: „Ich habe sie von meiner Mutter übernommen und alle im Kopf gespeichert.“ Ihr mache die Arbeit immer noch Spaß, sie wolle ihren Sohn in der Küche unterstützen, so lange es geht. Und die alten Rezepte beizeiten aufschreiben, damit sie weiteren Generationen der Familie Molt erhalten bleiben.

Das Empfiehlt Chefkoch Henning Molt: Zweierlei aus der Rehkeule

Zutaten für vier Personen: Eine Rehkeule mit Knochen (ca. 1,5 – 2 kg), Salz, Pfeffer, 1,5 Liter Wildfond (selbst gemacht oder aus dem Glas, alternativ Rinderfond aus dem Glas), eine Vanilleschote, einige Wacholderbeeren, 100 ml Rotwein, Mehl, 70 ml Balsamico, fünf Schalotten, eine Karotte, ein Stück durchwachsenen Speck, 100 Gramm frische Pilze nach Saison.

Zubereitung: Die Rehkeule zerlegen oder vom Jäger zerlegen lassen (Oberschale, Hüfte, Nuss und Unterschale) und sauber parieren. Die Oberschale und die Hüfte beiseitelegen. Den Rest in mittelgroße Stücke von etwa 50 bis 70 Gramm schneiden. Aus den Knochen kann ein Fond hergestellt werden. Das gewürfelte Rehfleisch in etwas Öl gleichmäßig anbraten. In der Zwischenzeit die Schalotten pellen und die Karotte schälen, beides in grobe Stücke schneiden. Das Gemüse zum Fleisch geben und kurz mit anbraten. Mit Mehl (etwa zwei bis drei Esslöffel) abstäuben und den Flüssigkeiten (Fond, Balsamico und Rotwein) ablöschen.

Die Vanilleschote einmal brechen und zusammen mit dem Speck (im Stück) und den Wacholderbeeren in den Ansatz geben. Das Ganze bei etwa 180 Grad für anderthalb bis zwei Stunden abgedeckt im Backofen garen. Nach Ende der Garzeit mit einer Gabel das Fleisch aus dem Bratenfond entnehmen, den Fond durch ein Sieb geben und ggf. noch etwas abbinden. Das gegarte Fleisch wieder zurückgeben und einige Minuten ziehen lassen.

Die Oberschale und die Hüfte vom Reh von allen Seiten anbraten und bei 150 Grad für etwa 15 Minuten in den Ofen geben. Zwischenzeitlich die Pilze säubern in Scheiben oder Stücke schneiden und in einer Pfanne nach Geschmack zubereiten. Das Rehragout in eine Schale geben, die Pilze darauf verteilen und anschließend das rosa gebratene Fleisch in Scheiben auf die Pilze geben. Dazu passen Klöße, Kartoffelmus oder Spätzle.

Alle Folgen unserer Serie finden Sie unter www.abendblatt.de/landgasthoefe