Norderstedt
So schmeckt der Norden

Sonntags gibt’s immer noch Kirchenschnaps

Inhaber Ralf Scheelke präsentiert ein Gericht

Inhaber Ralf Scheelke präsentiert ein Gericht

Foto: Michael Rauhe

Welche Gaumenfreuden eine Reise wert sind, erzählten wir in unsere Sommer-Serie. Heute: Hotel-Restaurant Scheelke in Henstedt.

Henstedt-Ulzburg.  Wenn am Sonntag gegen 11 Uhr die Glocken der Erlöserkirche das Ende des Gottesdienstes verkünden, dann gibt es bei Scheelke Schnaps. Das war schon immer so – und das bleibt auch so. Seit 1880, als das heutige Hotel-Restaurant Scheelke wie auch die Kirche in Henstedt gebaut wurden, ist der Kirchenschnaps eine gute Tradition. Damals spannten die Kirchgänger der umliegenden Dörfer ihre Pferdewagen aus, gingen in den Gottesdienst und ließen sich dann im Gasthaus Bier, die angebotenen Speisen und eben den Schnaps schmecken.

Standen die Gäste früher beim Kirchenschnaps in bis zu drei Reihen am Tresen im gemütlichen Gastraum des Hauses, sind es heute nicht mehr so viele, sagt Inhaber Ralf Scheelke. „Ich setze die Tradition aber fort, es kommen immer noch einige.“ Diese Tradition passt auch in die Umgebung. Denn der Ortsteil Henstedt der Großgemeinde ist zumindest teilweise ländlich geblieben, davon zeugen neben Kirche und Gasthof die großen Bauernhäuser, teilweise noch mit Reetdach.

Neben dem Gasthof gibt es den Bäcker vor Ort, auch der Schlachter ein paar Häuser weiter produziert noch selbst. Ralf Scheelke ist einer seiner Kunden. Sein ehemaliger Dorfkrug hat sich ansonsten grundlegend gewandelt.

Das Haus wird in vierter Generation geführt

Das fängt schon beim Namen an. Hieß das Haus früher noch Gasthaus, ist es jetzt das Hotel-Restaurant Scheelke. Ernst-Wilhelm Scheelke und seine Frau Margot, die Eltern des heutigen Inhabers, bauten in den Jahren 1972 und 1973 die ersten Hotelzimmer, die Ralf Scheelke vor seiner Übernahme des Betriebes im Jahr 2011 auf den neuesten Stand brachte.

Er selbst führt nun in vierter Generation das Haus, das 1880 vom Zimmermeister Hans-Heinrich Gülck gebaut worden war. Damals hatte der Krug einen großen und einen kleinen Saal, eine Durchfahrt mit Pferdeställen zum Ausspannen, einige Zimmer und eine offene Kegelbahn.

Die Familie Scheelke kam eher zufällig zum Gasthof. Genauer gesagt durch Spielschulden. Inhaber Gülck war dem Glückspiel zugetan, er musste den gasthof verkaufen. Ralf Scheelkes Urgroßvater Wilhelm erwarb den Betrieb, bis heute ist er im Besitz der Familie geblieben. Ralf Scheelke ist stolz auf diese Tradition, ruht sich aber nicht darauf aus. Er lernte in Bad Bramstedt den Beruf des Kochs, arbeitete in Hamburg im Ratskeller und im Hotel Vier Jahreszeiten.

Und schließlich stand er auch einige Zeit im Schwarzwald bei Deutschlands aktueller Nummer eins am Herd, dem vielfach ausgezeichneten Sternekoch Harald Wohlfahrt. „Da habe ich die Feinheiten der Gourmetküche kennen­gelernt“, sagt er und ergänzt: „Seit 16 Jahren bin ich wieder zu Hause.“ Mittlerweile ist der 47-Jährige alleine für den Betrieb verantwortlich, Vater Ernst-Wilhelm unterstützt ihn aber noch, wo er kann.

Heute gibt es auch eine Außenterrasse

Heute gibt es so neben den Plätzen in Gaststube und den anderen Räumlichkeiten des Hauses auch eine Außenterrasse, wo Scheelke nachmittags traditionell hergestelltes Eis von einer Eisdiele aus Henstedt-Rhen anbietet und gern auch mal zum Barbecue einlädt. Bei Scheelkes gibt es zudem etwa einmal im Monat ein Langschläferfrühstück mit allem was dazugehört. Weitere Aktionen, unter anderem der Tanztee, finden in unregelmäßigen Abständen statt. Die Termine stehen auf der Homepage des Hauses.

„Wir bieten eine gutbürgerliche Küche mit mediterranem Einfluss“, fasst Scheelke seinen Küchenstil zusammen. Ganz wichtig ist ihm auch, dass bislang noch jeder satt geworden sei. Wer nicht so viel auf einmal schafft, der kann von den Gerichten auch eine halbe Portion bekommen. Neben Fleischgerichten vom Hähnchenbrustfilet bis zum Rinderfilet gibt auch vegetarische Küche. Und wenn Allergiker kommen, dann kommt Scheelke auch einmal selbst aus der Küche und bespricht, was er anbieten kann.

Es gibt Kartoffeln aus Wackendorf II und Spargel aus Tangstedt

„Unsere Zutaten sind sehr auf die Region orientiert“, sagt Scheelke. So gibt es Kartoffeln aus Wakendorf II und Spargel aus Tangstedt. Das Fleisch liefert wenn möglich der Schlachter vor Ort, der für Scheelke auch eine besonders leckere Currywurst produziert. „Die kostet dann zwar mit Pommes 7,90 Euro, aber das schmeckt man auch.“ Er wolle für jeden Geldbeutel etwas anbieten, die Karte – bei Scheelke heißt sie „Empfehlungsbuch“ – ist umfangreich und enthält neben den Standardgerichten noch jeweils Mittagstisch, Wochen- und Saisonkarte.

Nach der Spargelzeit stehen aktuell noch jede Menge Matjes-Gerichte auf der Karte. Viele der zahlreichen Stammgäste freuen sich aber auch schon auf den Grünkohl, der bei Scheelke besonders gut schmeckt – mit Röstkartoffeln, die nach dem Abkühlen gepellt, paniert, ausgebacken und leicht gesalzen werden.

Das Hotel-Restaurant Scheelke ruht auf mehren Säulen. Neben dem Tagesgeschäft in Gaststube und Hotel wird auch die Kegelbahn häufig gebucht. Und es wird in den weit verzweigten Räumen des Hauses natürlich auch kräftig gefeiert. Bis zu 90 Personen mit oder 120 ohne Tanz finden im großen Saal Platz, für kleinere Gesellschaften gibt es kleinere Räume. Besonders wichtig ist ihm, dass auch bei einer großen Tafel alle gleichzeitig ihr Essen bekommen. Dabei hat sich die Kultur des Feierns grundlegend gewandelt, hat der Gastronom festgestellt. Waren die Gesellschaften früher größer, würde heute weniger eingeladen, die Ansprüche an die Speisen stiegen indes. Scheelke versucht mit seinen sieben Angestellten sich den Anforderungen anzupassen, sich weiter zu entwickeln und immer auf die Gäste einzugehen. Hohe Qualität ist dabei selbstverständlich, fertige Conveni­ence-Produkte kommen bei ihm nicht auf den Teller. „Ich muss mit meinem Namen dahinterstehen.“