Norderstedt
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Hier wird schon seit 100 Jahren unterrichtet

Schüler der Grundschule beim Schulfest

Schüler der Grundschule beim Schulfest

Foto: Heike Linde-Lembke

Die Grundschule Harksheide-Nord feierte ihr Jubiläum mit Projekten in Schulgeschichte, Festakt und buntem Schulfest.

Norderstedt.  „Ja! Wir sind alle da!“, riefen die Kinder und schlugen mit Plastikbechern den Becher-Rap auf das Schulhofpflaster der Norderstedter Grundschule Harksheide-Nord. Es war ein Jubiläumsständchen der besonderen Art, denn die Schule der sechs- bis zehnjährigen Knirpse feierte ihren 100. Geburtstag mit einem Festakt und einem bunten Schulfest, bei dem 330 Kinder Fähnchen schwenkend durch Harksheide-Nord zogen, angeführt von einer Trommlergruppe der Formation Fogo do Samba.

Das Schulgelände war geschmückt mit Girlanden, Fahnen und Bändern, überall waren Spielfelder eingerichtet, allerdings der alten Art, beispielsweise Hinkepott, Seilhüpfen oder Kibbelkabbel. In einer Projektwoche vor dem Schulfest hatten sich die Kinder intensiv mit der Schulgeschichte befasst.

„Wir sind ins Schulmuseum nach Elmshorn gefahren, haben in den Klassen geübt, wie sich die Schulkinder vor 100 Jahren benommen haben. Sie saßen alle brav in ihren Bänken“, freute sich Schulleiterin Marianne Lilje. Sie ist auch begeistert von den Eltern und Kollegen, die das Schulfest realisiert haben.

Die Schule spiegelt im kleinen Format die deutsche Geschichte wider. Die Grundsteinlegung fand wegen Ausbruchs des Ersten Weltkriegs im August 1914 nicht statt. Dafür wurde am 3. Dezember 1914 ein Richtfest gefeiert, und am 25. Juni 1915 konnte das Schulgebäude eingeweiht werden. 75 Schüler wurden in zwei Klassen von Lehrer Kunau unterrichtet. Doch der Unterricht fiel häufig aus. Die Gründe: Kriegswirren, Kohlemangel, die Kinder mussten Torf stechen – statt das Lesen und Schreiben zu lernen.

1919 tummelten sich mehr als 100 Schülerinnen und Schüler in dem Gebäude am heutigen Weg am Denkmal, und mit Ernst Kleingeist unterrichtete ein zweiter Lehrer alle Fächer. Die Eltern gründeten 1920 den ersten Beirat.

Die Armut ging um in Harksheide-Nord und Friedrichsgabe und milderte sich erst, als das Kalksandsteinwerk Potenberg an der Ulzburger Straße 1925 vielen Menschen Arbeit und Lohn gab. Die Einwohnerzahl stieg, sodass am 19. Juni 1934 ein Richtfest für einen Schulanbau gefeiert werden konnte. Insgesamt waren in dem Gebäude eine Halle, vier Klassenräume, Lehrer- und Lehrmittelzimmer und zwei Lehrerwohnungen untergebracht.

Zwei Jahre später lernten bereits 220 Kinder in der Schule das Abc, 1937 waren es 236, und mit Alfred Stecker kam nach dem Selbstmord des Lehrers Peter Frantzen ein neuer Kollege an die Grundschule.

Das NS-Regime zog die Lehrer zu Wehrmachtsübungen heran, 1939 wurden die Lehrer Heinrich Pöhlsen und Stecker zur Wehrmacht einberufen. Hitler überfiel Polen und löste damit den Zweiten Weltkrieg aus. Die Schule baute Luftschutzräume.

In den Kriegsjahren fiel der Unterricht mangels Heizmaterial aus, es herrschten bis zu 15 Grad Minus in den Klassenräumen. Die furchtbaren Hamburger Bombennächte brachten den Dörfern Harksheide und Friedrichsgabe eine Flüchtlingsschwemme, die Klassenräume wurden zu Strohlagern, in denen bis zu 1500 Menschen schliefen. Unterricht fand nur noch sporadisch statt.

Mit viel Einfallsreichtum überbrückten Schüler, Lehrer und Eltern die Not der Nachkriegszeit, doch erst die Währungsreform am 20. Juni 1948 brachte auch die Schule wieder einen Aufwärtstrend. Im April 1955 konnte der Westflügel eingeweiht werden, 1958 folgte die Turnhalle, trotzdem blieb Raumnot ein ständiger Begleiter der Schule.

1980 übernahm Günther Nicolai die Schulleitung und blieb bis Juli 2010, seine Nachfolgerin ist Marianne Lilje. „Ich wünsche mir für die Zukunft der Schule eine gute Lehrerversorgung, eine stabile Schülerzahl, vollen Ersatz bei Krankheitsausfall, um auch die Flüchtlingskinder gut unterrichten zu können, die Realisierung als Ganztagsschule, und dass meine Stelle am 1. August 2016 wieder besetzt wird“, sagt Lilje, die in einem Jahr in Pension geht. Die Begeisterung der Lehrkräfte für das Schulleiteramt sei sehr rückläufig, denn alle Kolleginnen und Kollegen würden „voll am Limit arbeiten“. Auch in einer so beschaulichen Schule wie Harksheide-Nord.