Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

Der große Blauwal ist nicht zu bändigen

Drachenfest Henstedt-Ulzburg

Foto: Wolfgang Klietz

Drachenfest Henstedt-Ulzburg

Die Henstedt-Ulzburger feierten mit vielen Gästen das Drachen- und Gemeindefest auf den Wiesen des Bauern Jakobs am Rugenvier.

Henstedt-Ulzburg.  Goofy hängt ein wenig schlapp in der Luft. Der Himmel über Henstedt-Ulzburg sorgt für nur wenig Auftrieb. Leicht in sich zusammengezogen schwebt die Disney-Figur über der Festwiese. Goofy kämpft mit der Flaute, die vielen Figuren beim Henstedt-Ulzburger Drachenfest zu schaffen macht. Der Wind will nicht richtig wehen. Und wenn doch, dann wechselt er unberechenbar die Richtung.

100 Stunden Arbeitszeit haben die Paderborner Meik Schlenger und Markus Münstermann in Goofy gesteckt. Zu Beginn ihres Hobbys haben die Drachenenthusiasten fertige Fluggeräte gekauft, danach stiegen sich auf Bausätze um. Jetzt kennen sich die Männer vom Drachenclub Paderborn so gut aus, dass sie selbst ihre fliegenden Freunde entwerfen und bauen.

"Wenn das Wetter schlecht ist, sitzen wir an der Nähmaschine und bauen Drachen", sagt Markus Münstermann und zieht an einem der Seile, um Goofy vor dem Absturz auf das Auto eines anderen Drachenfreundes zu bewahren. "Wir können neue Ideen entwickeln", sagt Münstermann. "Das ist der Reiz an dem Hobby." Außerdem macht es den Männern Spaß, bei den Drachenfesten Gleichgesinnte zu treffen, zu fachsimpeln und das Publikum für die fliegenden Comic-Figuren, Smileys und Rallyewagen zu begeistern, die sich in Henstedt-Ulzburg nur mit Mühe gen Himmel erheben wollen.

"Großes Kompliment an Henstedt-Ulzburg – das sieht man selten."

Flaute kennen die Männer schon. Zu laue Winde haben sie sogar im normalerweise umtosten St. Peter-Ording erlebt, das jedes Jahr zu einem Drachenfestival auf den weitläufigen Strand einlädt. An Henstedt-Ulzburg gefällt den Paderborner besonders die Kombination mit dem Gemeindefest. Vom Roten Kreuz bis zu Parteiortsverbänden stellten sich Organisationen vor. Für die Kinder drehen sich Karussells. Dazu gibt es Bratwurst und abends eine Schlagerparty. "Das ist nicht so kommerziell wie bei anderen Festen", sagt Meik Schlenger. "Großes Kompliment an Henstedt-Ulzburg – das sieht man selten."

"Do goht no was!" steht in feinstem Schwäbisch auf dem T-Shirt

Nebenan müht sich Meik Wohlrabe, seinen Blauwal in die Lüfte zu wuchten. Der Gigant, der in der Drachenversion nur 30 Kilo wiegt, kämpft mit dem bisschen Wind. Meistens hat er Grundberührung und muss vor Bodenankern geschützt werden, an denen fliegende Drachen bei steifer Brise festgezurrt werden.

"Do goht no was!" steht in feinstem Schwäbisch auf dem T-Shirt von Meik Wohlrabe, der aus Stuttgart zum Hen-stedt-Ulzburger Drachenfest angereist ist. Zum zweiten Mal hat er sich auf den weiten Weg gemacht. "Ein großes Fest, echt klasse", sagt er und kämpft weiter mit dem Wal, der außer Wind auch ein bisschen Hitze vertragen könnte. Hat sich der XXL-Säuger erst einmal mit Luft voll gepumpt, sorgt zunehmende Wärme für kräftigen Auftrieb wie bei einem Heißluftballon. Dann kann der Wal fliegen.

Andere Drachenfreunde packen mit an, um den Wal doch noch zum Abheben zu bewegen. "Normalerweise kann man den Wal allein bändigen", sagt Wohlrabe. "Aber nicht bei diesem Wind." Der Stuttgarter gehört zu den echten Drachenenthusiasten. Der Wal ist sein größtes Stück. Weitere 30 Drachen kann er steigen lassen – wenn der Wind weht.

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