Norderstedt
Serie Gartenzeit

Vom grünen aber pflegeleichten Gartenglück

Ein grünes Refugium hinterm Reihenhaus: Sigrid Wollny in ihrem Garten an der Großen Heide in Norderstedt-Mitte

Ein grünes Refugium hinterm Reihenhaus: Sigrid Wollny in ihrem Garten an der Großen Heide in Norderstedt-Mitte

Foto: Andreas Burgmayer / HA

Sigrid und Dietmar Wollny haben sich hinter ihrem Reihenhaus einen kleines Refugium geschaffen – ganz ohne lästigen Rasen.

Norderstedt.  Setzt man sich mitten rein in den kleinen Garten von Sigrid und Dietmar Wollny, am besten unter die Trauerbirke mit ihren lang nach unten reichenden Ästen, dann versinkt man gänzlich im Grünen. Und vergisst, dass man sich hier eigentlich in einem überschaubaren rechteckigen Reihenhaus-Garten befindet. Vielleicht noch ein wenig Gezwitscher von exotischen Vögeln vom Band – und die kleine grüne Dschungel-Illusion wäre perfekt.

Sigrid Wollny hat sich barfuß auf ein weißes Sitzkissen auf der kleinen Holzterrasse gesetzt, eingerahmt von der Trauerbirke, einer Korkenzieherhasel und einem Ilex mit feuerroten Beeren. Ein guter Platz für ein wenig Yoga, denkt man sich. „Ach was. Ich mach’ doch kein Yoga“, winkt Wollny ab und lacht. „Hier war früher unser Teich. Jetzt haben wir die Bretter drüber gebaut.“

Als die Wollnys vor 30 Jahren das Mittelreihenhaus kauften und einzogen, da war das 200 Quadratmeter große Gärtchen hinterm Haus eine blanke Rasenfläche mit einem Beet. Drumherum ein Zaun und hinten raus eine Gartenpforte. Dahinter nichts als die Weite des Landlebens und seiner Äcker. Norderstedt-Mitte war im Wachstum, die Siedlungen entstanden auf der grünen Wiese.

Die Wollnys entschieden sich zunächst für die klassische Gartengestaltung. Rasen, Beete mit Saisonblumen und ein hübscher Teich mit Seerosen und Goldfischen. Geplant und gebaut haben die beiden das alles selbst. Erfahrung brachte das Ehepaar aus ihrem früheren Leben in Braunschweig und in Hamburg mit. Dort pflegten sie jeweils einen Schrebergarten. Außerdem: Sigrid Wollny ist Schauwerbegestalterin. Sie hat ein Händchen und ein gutes Auge für den Raum und seine Gestaltung.

Ein Entwurf ganz ohne Rasen hatte es Sigrid Wollny angetan

Die Siedlung an der großen Heide wuchs, die Weite wich der dichten Bebauung rundherum, und die Wollnys bekamen zusehends das Bedürfnis, sichtgeschützt ihren Garten genießen zu können. „Dazu kam, dass der Teich undicht wurde und nur Probleme machte. Ständig waren die Fische weg. Und im Winter fror das Wasser bis zum Grund, obwohl der Teich 1,10 Meter hatte. All das machte zu viel Arbeit.“ Die Wollnys waren beruflich ziemlich eingespannt und in der Freizeit ständig mit dem Wohnmobil unterwegs – der Garten sollte sich nicht mehr zu einer Kette am Bein entwickeln. „Im Herold-Center sah ich damals eine Ausstellung von Gartenbau-Unternehmen. Ein Entwurf ganz ohne Rasen hatte es mir angetan. Da habe ich dann abgekuckt“, gesteht Sigrid Wollny.

Der Rasen nervte ungeheuerlich. Teuren Rollrasen für schattige Gärten hatten sich die Wollnys für viel Geld verlegen lassen. Doch wenn es eine Regel beim Rasen gibt, dann diese: Wo Schatten ist, wächst alles mögliche – aber kein Gras. Wollny: „Die ganze Fläche war mehr Moos als sonst was. Dann hat man ohne Ende vertikutiert und Geld in die Pflege gesteckt. Nichts half weiter. Also raus mit dem Rasen!“

Sigrid Wollny zeichnete sich ihren Plan vom kleinen grünen Refugium, das auch mit einem geringen Pensum an Pflege zurecht kommen würde.

Nun schlängelt sich von der glasüberdachten Terrasse hinter dem Wohnzimmerfenster ein gepflasterter Weg bis zu einem Gartenhäuschen, das die Grundstücksgrenze nach hinten markiert. Links und rechts schmiegen sich die Beete mit den Bäumchen und Büschen an, darunter Kirschlorbeer, Rhododendren, Buchsbäume und Koniferen, in den Nischen sorgt Sigrid Wollny mit Natursteinen, Metallskulpturen und ausrangierten Milchkannen für Akzente. Blumen gibt es bei Sigrid Wollny lediglich in Tontöpfen, die überall verteilt stehen. Ganz hinten in der Ecke, der Kompost, der den Humus produziert. Fertig ist das pflegleichte grüne Gartenglück.

„Viel Arbeit habe ich mit meinem Garten nicht mehr“, sagt Wollny. „Mein Mann fegt am liebsten den Weg.“ Ansonsten leben die beiden ausgiebig in ihrem Refugium. Auch zur Straße raus haben sie ein kleines Stückchen Idylle mit Sitzplätzen vor einem großen Rhododendron geschaffen. „Im Sommer sitzen wir morgens draußen vor der Tür und frühstücken. Für den Rest des Tages wandern wir mit der Sonne nach hinten in den Garten.“

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