Norderstedt
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Mildes Urteil für benebelten Randalierer

Milde Strafe für Randalierer (Symbol) +++

Milde Strafe für Randalierer (Symbol) +++

Foto: Volker Hartmann / dpa

Er randalierte, machte sich über Polizisten lustig und beleidigte sie. Nun stand der 26-jährige Angeklagte vor gericht.

Norderstedt.  Auf der Anklagebank des Norderstedter Amtsgerichts sitzt Rene D., 26, aus Bad Bramstedt wie ein Häufchen Elend und wird während der Gerichtsverhandlung zeitweise von Schluchzern geschüttelt. Das passt so gar nicht zu dem Verhalten des jungen Mannes Ende Juli letzten Jahres, als er sich gegenüber der Polizei in höchstem Maße respektlos und dem Anschein nach äußerst selbstbewusst aufführte.

Der angetrunkene und von Drogen benebelte Angeklagte war am Bahnhof in Henstedt-Ulzburg zusammen mit drei anderen Männern, mit denen er dort randaliert hatte, von der Polizei festgenommen worden. Nach Aussage eines Polizisten tat sich der Angeklagte schon beim Eintreffen der Ordnungshüter mit der Bemerkung hervor: „Jetzt kommen die ganz Harten.“

In der Polizeiwache befanden sich die Festgenommenen in einem Warteraum hinter Glas und wurden von einem Beamten beobachtet. Der Angeklagte soll die Körperhaltung des Beamten imitiert und sich über ihn lustig gemacht haben. Als der Polizist ihn ermahnte, forderte der Angeklagte ihn nach Aussage des Beamten zum Zweikampf heraus und als dieser abgelehnt habe, seien Beleidigungen gefallen.

Da der Beamte auf diese Provokationen nicht einging, folgte nach seiner Aussage seitens des Angeklagten eine Geste, die ein „Kehledurchschneiden“ andeutete, also eine klare Bedrohung, die entsprechend angeklagt wurde. Der Angeklagte behauptet, er habe mit seinen Gesten lediglich zeigen wollen, dass er dringend auf die Toilette müsse. Die Polizisten hätten ihn ebenfalls beleidigt mit Worten wie „Penner“. „Wenn du hier so ein Kasperletheater abziehst, zeigen wir dir mal, wo es langgeht“, hätten ihm die Beamten gedroht, behauptet der weinerliche junge Mann. Es sei auch die Bemerkung gefallen: „Man sieht sich immer zweimal im Leben“, das habe er als Drohung aufgefasst, so der Angeklagte.

Polizist Christoph M., 26, aus Norderstedt gibt zu, dass er diese Bemerkung fallen ließ, aber er habe damit gemeint, dass gerade diese Menschen, die Polizisten so schlecht behandelten, möglicherweise einmal deren Hilfe benötigten. „Normalerweise hätte ich das dem Angeklagten erklärt, aber es war kein Gespräch möglich“, so der Zeuge.

Der Angeklagte entschuldigt sich im Gerichtssaal. Für ihn ist die Lage ernst; denn er hat in seinem bisherigen Leben eine Reihe von Vorstrafen und stand zur Tatzeit unter dreifacher Bewährung. Seine Eltern seien drogenabhängig gewesen und hätten ihn oft nicht zur Schule geschickt, berichtet der junge Mann, der nach der achten Hauptschulklasse im Alter von 18 Jahren die Schule ohne Abschluss verließ, zeitweise auf der Straße lebte und immer nur für kurze Zeiträume in Lohn und Brot stand. Nun wird der Bramstedter bald Vater und sucht mit seiner Lebensgefährtin eine Wohnung, nimmt an einem Drogensubstitutionsprogramm teil und verspricht, sein Leben ändern zu wollen.

Richter Jan Buchert lässt sich von den guten Vorsätzen des Angeklagten überzeugen und gibt ihm eine letzte Chance. Von einer verminderten Schuldfähigkeit zur Tatzeit sei auszugehen, so der Jurist, der den Bramstedter mit einer milden Geldstrafe von 250 Euro davonkommen lässt.