Norderstedt
Kommunalpolitik

Schüler werden für einen Tag zu Stadtvertretern

46 Jugendliche aus dem Profilfach WiPo vom Gymnasium Harksheide spielten Stadtvertreter

46 Jugendliche aus dem Profilfach WiPo vom Gymnasium Harksheide spielten Stadtvertreter

Foto: Michael Schick

Norderstedter Schüller stellten beim Planspiel Kommunalpolitik Anfragen und Anträge an die Verwaltung – ganz wie im echten politischen Leben.

Norderstedt.  „Die Anträge und Anfragen zeigen, dass sie sich mit dem Leben in Norderstedt beschäftigt haben, und das nicht nur mit jungen Themen, sondern mit vielen gesellschaftlichen Bereichen“, sagte Kathrin Oehme. Das Lob der Stadtpräsidentin galt 46 Jugendlichen, die so vor ihr saßen, wie sonst die erwachsenen Stadtvertreter. Die Harksheider Gymnasiasten spielten Stadtvertretung. Und das mindestens genauso gut vorbereitet und ernsthaft wie die ehrenamtlichen Kommunalpolitiker, die sonst über Steuergeld, Straßenbau oder Strompreise entscheiden.

Die Verwaltung hatte sich bemüht, das Planspiel möglichst authentisch zu gestalten. Daher tagten die Stadtvertreter auf Zeit natürlich im Plenarsaal des Norderstedter Rathauses – und der machte mit seiner hohen Decke und, verglichen mit einem Klassenraum, beachtlichen Größe durchaus Eindruck auf die Gäste aus der zehnten Klasse, die allesamt das Profilfach WiPo gewählt haben. Und auch vor ihren Augen spiegelte sich die Realität des politischen Alltags wider: Stadtpräsidentin Kathrin Oehme leitete die Sitzung, ihr zur Seite saßen ihre Stellvertreterinnen Sybille Hahn und Doris Vorpahl.

Der Rathaussprecher wurde zum Oberbürgermeister

Rathaussprecher Hauke Borchardt ersetzte Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote, sodass ihn die Stadtpräsidentin zum Tagesbürgermeister ernannte. Julia Major sprang für Sozialdezernentin Anette Reinders ein, die genau wie Baudezernent Thomas Bosse auswärtige Termine hatte. Wirklichkeitsgetreu war auch die Tagesordnung mit dem typischen gelben Deckblatt.

19 Punkte hatten die Gymnasiasten abzuarbeiten, alle mit Hilfe von Vertretern der Friedrich-Ebert-Stiftung vorbereitet – die Stiftung organisiert Planspiele zu unterschiedlichen politischen Themen, um junge Leute Politik aktiv erleben zu lassen und für politisches Handeln zu motivieren. Geholfen haben auch die Kommunalpolitiker. „Wir haben darauf hingewiesen, dass die Anträge für neue Projekte und Maßnahmen auch immer einen Finanzierungsvorschlag enthalten müssen“, sagte Doris Vorpahl.

„Ich war schon ziemlich nervös, als ich zum ersten Mal ans Mikro ging“, sagte Vivian Klein, 15. Wie die meisten ihrer Politikerkollegen las sie ihre Anfrage vor. Tagesbürgermeister Borchardt war ein viel gefragter Mann. Die Schüler wollten wissen, wie lange auf der Ulzburger Straße gebaut wird und was die Stadt gegen die Staus unternehmen will, die sich bilden würden, wenn in Teilbereichen Tempo 30 eingeführt wird. „Gebaut wird voraussichtlich bis Jahresende. Und durch den Ausbau der Straße wollen wir Staus ja gerade verhindern“, sagte Borchardt.

Ein größerer Strand und Schülertarife für das Bad

Wäre es möglich, den Strand des Bades im Stadtpark zu vergrößern, einen Sprungturm zu installieren und vergünstigte Tarife für Schüler einzuführen? Darauf wollte die Fraktion „LTSV“ Antworten: Die Strandfläche könne nicht vergrößert werden. Zwei Euro Eintritt seinen schon günstig, aber er wolle die Frage nach Halbjahres- oder Jahreskarten gern an den Stadtwerkeausschuss weitergeben und das Projekt Sprungturm an die Badleitung.

„Die Ullis“ forderten, zwei weitere Pavillons für den Stadtpark als Treffpunkte für Jugendliche. Die „Humane Demokratische Fraktion“ plädierte für flächendeckendes, kostenloses und leistungsstarkes WLan im gesamten Stadtgebiet, „um das Recht auf Bildung und freien Zugang zu Informationen zu gewährleisten“. Wie im richtigen politischen Leben gab es auch Kritik und den Vorschlag, das Thema an den zuständigen Ausschuss zu verweisen.

„Wir haben schon heute Probleme mit Vandalismus in den Parks und müssen nach jedem Wochenende extra Mitarbeiter abstellen, die Scherben und Müll beseitigen“, sagte Borchardt. Er verwies darauf, dass die Stadt zurzeit ein Konzept für die Norderstedter Parks erarbeitet und dabei auch Treffpunkte für Jugendliche berücksichtigt. Weiter ging es darum, dass die Busse der Linien 293 und 378 auch an Wochentagen nachts fahren und dass minderjährige Flüchtlinge bei Pflegefamilien unterkommen. Marlene Arndt, 16, beantragte, das Tiergehege im Stadtpark zu erweitern und dort vom Aussterben bedrohte heimische Tierarten unterzubringen. Auch hier gab es Gegenredner, aber Marlene setzte, im Unterschied zu ihren Mitschülern, nach und kämpfte für ihre Idee.

Einig waren sich alle, dass der Ausflug in die Kommunalpolitik Spaß gemacht hat. Auf die Frage, ob sich einige vorstellen könnten, später selbst politisch aktiv zu werden, gab es eifriges Nicken. Die Stadtpräsidentin wünscht sich, dass auch andere Norderstedter Schulen beim Planspiel Kommunalpolitik mitmachen.