Norderstedt
Jubiläum

Von der „Drill-Anstalt“ zur modernen Schule

Foto: Coppernicus-Gymnasium

Das „Copp“ wird 50 – Norderstedts ältestes Gymnasium feiert den runden Geburtstag mit einem dreitägigen Fest, Musik und bunten Luftballons.

Norderstedt.  Von der „Drill-Anstalt“ zur modernen Schule – so lässt sich die Geschichte des ältesten Norderstedter Gymnasiums überschreiben. 1965 in die Eigenständigkeit entlassen, feiert das Coppernicus-Gymnasium am Freitag, 24. April, mit dem offiziellen Festakt seinen 50. Geburtstag. Schon am Mittwoch, 22. April, steigen um 20 Uhr Luftballons in den Landesfarben von Deutschland, Frankreich und Polen in den Abendhimmel. Das Copp, wie das Gymnasium nur genannt wird, ist seit Langem partnerschaftlich verbunden mit Schulen im polnischen Tczew und im französischen Maromme – die Stadt in der Normandie ist auch Norderstedts Partnerstadt.

Der Namensgeber verpflichtet zum naturwissenschaftlichen Schwerpunkt

Seit 2004 ist das Copp offizielle Europaschule. Ziel ist, die Kontakte unter Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft zu fördern und Vorurteile abzubauen. Weiterer Schwerpunkt sind die Naturwissenschaften – dazu verpflicht schon der Namensgeber: Nikolaus Kopernikus, einer der bedeutendsten Astronomen der Neuzeit. Den Namen so zu schreiben, ist gängig, doch die Coppernicaner haben sich für die lateinische Schreibweise entschieden.

Am 18. April 1963 wurde die Zweigstelle Garstedt der Johannes-Brahms-Schule Pinneberg offiziell eröffnet, mit zwei fünften und einer sechsten Klasse in der Realschule Garstedt. Am 28. Oktober 1964 wird der Grundstein für das heutige Schulgebäude gelegt, am 13. April 1965 wird das Gymnasium in die Eigenständigkeit entlassen, Dr. Wilhelm Rasche wird als erster Schulleiter offiziell in sein Amt eingeführt.

Damals gab es noch Aufnahmeprüfungen, die so mancher Garstedter als zu schwer empfand. Schon früh begann, was bis heute anhält: Garstedter Schüler wanderten nach Hamburg ab. Dort, so heißt es, sind die Anforderungen niedriger, gibt es leichter bessere Noten.

Wie Pädagogik vor 50 Jahren war, zeigen Auszüge aus Schulkonferenzen: Eine körperliche Züchtigung sollte nur in seltenen Fällen vorgenommen werden, zum Beispiel in Fällen von Rohheit gegenüber Mitschülern. Die Sextaner sollen bei Regenwetter im Uhrzeigersinn um die Pfeilergruppe in der Pausenhalle herumgehen. Die Schüler sollen in Schule und Öffentlichkeit die Lehrkräfte sowie die Besucher der Schule höflich grüßen.

Die „wilden 70er-Jahre“ machten auch vor dem Copp nicht Halt

Und dann kamen die „wilden 70er-Jahre“. Die Gymnasiasten begehrten auf, die Lehrer reagierten mit Strafen. Im Februar 1974 übergaben Schülersprecher eine Resolution zum „Strafenboom“ an Lehrer und Eltern. Das Thema erreicht die Öffentlichkeit, der NDR berichtet über eine öffentliche Schülerversammlung im Gemeindesaal der Christuskirche. Die Schulleitung bestreitet die Vorwürfe, es gebe weder Leistungsdruck noch sei das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern zerrüttet. In dieser Zeit hatte die Schule auch ihren größten Zulauf. 1973 lernten 900 Schüler am Copp, bis heute Rekord. Aktuell steuern 727 Jugendliche aufs Abitur zu.

Ruhe herrschte schon wieder, als der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt der Schule das Porträt des Astronomen von Thorn (Kopernikus) überlässt, ein polnisches Gastgeschenk an die Bundesregierung. Schul-Pionier Rasche verabschiedete sich Ende 1981 in den Ruhestand.

Schule soll wieder Spaß machen, die Schüler sollen gern ins Copp gehen – unter diesem Motto nahm Nachfolger Hartmut Forbrich den Dienst auf und musste sieben Jahre später einen Notstand bewältigen: Ein Brand zerstörte fast alle Fachräume für Physik und Chemie. Kunst- und Werkräume sowie eine Bücherei wurden durch Löschwasser beschädigt. Ein halbes Jahr später waren die Räume saniert.

Ein anderes Bauprojekt beschäftigte nicht nur die Schulleitung, sondern auch die Politiker in der Stadt und auf Kreisebene mehr als ein Jahrzehnt: der Bau einer weiteren Sporthalle in Garstedt: Großsporthalle oder kleine Lösung am Gymnasium? Das war die Frage, die im Sommer 1997 mit der Einweihung der dritten Schulsporthalle ein Ende fand.

Direktor Hartmut Forbrich erkrankte 1991 schwer und starb mit nur 54 Jahren im August 1992. Ihm folgten Wolfgang Fuhrmann, Sieglinde Huszak und die aktuelle Chefin Heike Schlesselmann.

1994 stand plötzlich ein ausrangierter weißer Trabi im Innenhof – ein überraschender wie gelungener Abi-Streich und ein Beispiel für viele Aktivitäten, mit dem das Lernen die Klassenzimmer verließ. Dazu zählt auch das Junior-Projekt, Schüler gründen ein Unternehmen und versuchen, in einem Jahr mit ihren Produkten möglichst erfolgreich zu sein. Der Wechsel in die Wirtschaft, den die Jungunternehmer mit Hilfe von Lehrer Norbert Neumann freiwillig neben dem Unterricht gestalten, gelang am Copp besonders erfolgreich. Die Teilnehmer des Nachwuchswettbewerbs siegten sogar auf europäischer Ebene.

Für knapp drei Millionen Euro spendierte die Stadt einen neuen Südflügel mit vier Klassenräumen, einer Mensa mit 200 Plätzen, zwei Gruppenräumen, Lernwerkstatt, Lehrerarbeitsplatz, Musikraum und Bibliothek auf zwei Etagen, hell, modern, großzügig, mit interaktiven Activ Boards statt herkömmlicher Tafeln. Aktuell wird der Außenbereich neu gestaltet, doch Schüler und Lehrer würden auch innen gern noch mehr erneuern.

Die Chronik fasst die Geschichte der Jubiläumsschule so zusammen: weg von der konservativen „pädagogischen Provinz mit pädagogischem Urgestein“ – hin zu einer modernen, weltoffenen Schule mit dem Einsatz neuzeitlicher Medien und einem sehr guten kollegialen Klima.