Norderstedt
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„Wir könnten deutlich mehr tun“

Die Helfer des THW Norderstedt weihen ihre Zentrale ein und wünschen mehr Einsatzzeit beim Schutz der Bevölkerung

Norderstedt. Stolz sind die Norderstedter Helfer vom Technischen Hilfswerk (THW) auf ihre neue Zentrale an der Tycho-Brahe-Kehre 6 im Frederikspark. 30 Jahre mussten sie sich mit einem immer wieder um- und ausgebauten Provisorium am Pilzhagen zufriedengeben. Am Sonnabend bekamen sie nun endlich ganz offiziell die Schlüssel für die neue schmucke Unterkunft überreicht. Gerd Friedsam, Vizepräsident der Bundesanstalt THW, betonte zur Eröffnung, wie wichtig das neue Gebäude und die technische Ausstattung für die Motivation und das Selbstverständnis der ehrenamtlichen Helfer sind. Beides scheint derzeit ein wenig angekratzt zu sein.

Denn die 68 einsatzbereiten Helfer des Norderstedter Ortsverbandes fühlen sich offenbar zu wenig eingebunden beim Schutz der Bevölkerung in Norderstedt. „Grundsätzlich sind wir zwar eine Organisation des Bundes. Aber das bedeutet nicht, dass wir vor Ort nicht jederzeit einsatzbereit wären. Da könnten wir deutlich mehr tun“, sagt Florian Gottschalk, Sprecher des Norderstedter THW.

Dennis Diederichs, der Norderstedter THW-Ortsbeauftragte, sieht seine Truppe als eine der schlagkräftigsten in ganz Norddeutschland. Die Spezialität der Norderstedter ist die Fachgruppe Beleuchtung. Bei großen Lagen, in Norderstedt zuletzt beim Brand auf dem Hof Nordpol, rücken die THWler mit ihren mächtigen Powermoons oder Flutlichtwerfern an und machen die Nacht zum Tag. „Aber wir haben auch jede Menge Bergungsgerät und fähige Leute dafür“, sagt Gottschalk. „Und trotzdem werden wir nicht gerufen. Bei Sturmeinsätzen etwa, wenn die Feuerwehr schon zehn Stunden im Einsatz ist, sitzen wir hier rum und drehen Däumchen. Dabei könnten wir die Kameraden ablösen. Wir könnten deutlich mehr tun.“ Joachim Seyferth, Norderstedter Amtsleiter für Feuerwehr, Rettungswesen und Katastrophenschutz, kennt diese Forderung gut: „Das kommt immer mal wieder aus den Reihen der Ehrenamtlichen.“ Doch für die Feuerwehr und die Stadt bedeute der Einsatz des THW Kosten. Das Gerät und die Leute müssten bezahlt werden. „Außerdem dürfen wir die Bundesanstalt THW nur bei ganz bestimmten Lagen alarmieren.“

Das mit den Kosten treffe zu, sagt Gottschalk. „Aber mit etwa drei Euro Verdienstausfall je THW-Mitarbeiter und Einsatzstunde sind wir ja eher günstig.“ Die Zurückhaltung beim Einsatz des THW in Norderstedt mag auch auf schlechten Erfahrungen fußen, die die Stadt vor Jahren mit einem THW-Ortsverband aus einem anderen Kreis machte. Beim Abpumpen des Wassers aus der damals gefluteten U-Bahn kamen die Helfer zum Einsatz. „Und hinterher haben die eine horrend hohe Rechnung gestellt, über die heute noch gestritten wird“, sagt Gottschalk.

Grundsätzlich versicherten aber alle Gäste der Eröffnung der neuen THW-Zentrale am Sonnabend die Unverzichtbarkeit des THW. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Gero Storjohann versprach, sich in den Haushaltsberatungen in Berlin für die Investition in die Infrastruktur des THW einsetzen zu wollen. Der stellvertretende Landrat Claus Peter Dieck zeigte sich beeindruckt von der Einsätzen der Norderstedter bei Katastrophen im In- und Ausland. Henstedt-Ulzburgs Bürgermeister Stefan Bauer sagte: „Wenn die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr am Limit sind, dann ist es gut zu wissen, dass es da noch jemanden wie die Helfer vom THW gibt. Wir sind dankbar, dass sie da sind.“ Norderstedts Wehrführer Norbert Berg bekundete ebenfalls seinen Respekt für die THW-Truppe und lobte das gute Zusammenspiel aller Rettungskräfte in der Stadt.

Irritierend für die THW-Helfer war die unerwartete Tatsache, dass sich von der Stadt Norderstedt trotz Einladung nicht ein einziger Würdenträger bei der Einweihung des neuen Dienstgebäudes sehen ließ. Weder Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote, noch Stadtpräsidentin Kathrin Oehme, eine ihrer Stellvertreterinnen oder der Erste Stadtrat und stellvertretende Bürgermeister Thomas Bosse. Einziger Vertreter der Norderstedter Kommunalpolitik war der SPD-Fraktionschef Jürgen Lange: „Ich weiß nicht, was da schiefgelaufen ist. Aber ein wenig peinlich ist das schon“, sagte er.