Norderstedt

Die Stadt will ihren Bürgern Beine machen

Breite, helle und sichere Wege, Sitzplätze und Überwege – das sieht das Fußverkehrskonzept vor. Baudezernent Thomas Bosse will den bisherigen Anteil des Fußverkehrs von 16 Prozent steigern.

Norderstedt. Die Stadt orientiert sich an einem großen Vorbild: Die britische Hauptstadt London will zur Fußgängermetropole Europas werden und den Fußverkehrsanteil um gleich zehn Prozent erhöhen. Norderstedts Baudezernent Thomas Bosse will den bisherigen Anteil des Fußverkehrs von 16 Prozent in jedem Fall in den nächsten Jahren steigern. „Andere deutsche Städte zeigen, dass durchaus Anteile von 30 Prozent und mehr erreicht werden können“, sagt Christine Werner, zuständige Fachplanerin im Norderstedter Rathaus.

Schwerin beispielsweise, auch eine Stadt mit weniger als 100.000 Einwohnern, bringe es auf 33 Prozent. Die Planerin stützt sich auch auf Zahlen der Erhebung „Mobilität in Deutschland“. Danach ist die Hälfte aller Wege, ob zum Einkauf, zur Schule oder zu Freunden und Verwandten, kürzer als zwei Kilometer – also zu Fuß gut zu schaffen.

Doch es geht nicht nur darum, umwelt- und gesundheitsfördernde Bewegung nach vorn zu bringen und den Autoverkehr einzudämmen. Auch die Aufenthaltsqualität soll steigen. Die Menschen sollen sich wohlfühlen im Freien, sich treffen und austauschen. Schließlich, so haben Untersuchungen ergeben, profitierten auch Gastronomie und Handel von attraktivem Fußverkehr. „Städte für Fußgänger sind attraktive Städte“, heißt es im Norderstedter Fußverkehrskonzept. Für Bosse ist ein gut ausgebautes Netz an Fußwegen ein wichtiger Baustein im Mobilitätskonzept der Stadt.

Wie das funktionieren soll, steht im Fußverkehrskonzept. Nachdem der Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr das Programm noch vor den Sommerferien beschlossen hatte, kann sich Stadtplanerin Christine Werner jetzt an die Arbeit machen.

Die Menschen auf die Beine zu bringen, funktioniere aber nur, wenn Wege, Freiflächen und Plätze überschaubar, barriere- und stolperfrei und komfortabel sind, sich die Passanten sicher fühlen, Bus- und Bahnstationen in der Nähe sind und es ausreichend Abstellmöglichkeiten für Kinderwagen, Rollatoren und Fahrräder gibt. Die Fußwege sollten 2,50 Meter breit, von Radwegen getrennt, gut ausgeleuchtet und einsehbar sein, durch verkehrsberuhigte Bereiche führen und nicht mit Autos zugeparkt werden. Lücken im Netz sollen geschlossen werden.

„Bisher gab es nur Maßnahmen für bestimmte Stadtbereiche, wir aber realisieren jetzt ein gesamtstädtisches Konzept“, sagt die Fachplanerin. Alle wichtigen Ziele wie Einzelhandelsstandorte, wichtige Bahn- und Bushaltepunkte, große Firmen und Schulzentren sowie der Stadtpark sollen bequem zu Fuß zu erreichen sein. Attraktiver werden sollen in den kommenden vier Jahren die Rathausallee, das Umfeld des Herold-Centers, der Bereich AKN-Haltestelle/Glockenheide/Waldbühnenweg in Friedrichsgabe, der ZOB in Glashütte und der Harksheider Markt.

Die Gesamtkosten für das Maßnahmenpaket belaufen sich nach jetzigem Stand auf rund 800.000 Euro. Das Fußverkehrskonzept fand bereits überregional Beachtung: In Kombination mit den Themenrundwegen und dem Solardorf Müllerstraße punktete Norderstedt in Kiel und wurde mit dem Nachhaltigkeitspreis des Landes Schleswig-Holstein ausgezeichnet.