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Gefährlicher Aufstieg in eisiger Höhe

Arved Fuchs ist mit seiner Crew am Freitag zu einer neuen Expedition aufgebrochen

Bad Bramstedt/Flensburg. Wenn Arved Fuchs mit seiner Crew zu einer Expedition aufbricht, erinnert der Abschied an ein Familienfest. Freunde und Verwandte kommen an Bord seines Expeditionsschiffs „Dagmar Aaen“. Abschiedsgeschenke werden überreicht. Und zum Schluss wird kräftig gewinkt, bis sich Gastgeber und Gäste aus den Augen verlieren. Genauso ging es am Freitag zu, als der Expeditionsspezialist sich im Museumshafen von Flensburg verabschiedete. Das Schiff war überfüllt, bis Fuchs das Signal zum Aufbruch gab. Im Hafen blieben die winkenden Gäste zurück, die „Dagmar Aaen“ nahm Kurs auf Ost-Grönland.

„Riesenfroh“ sei er, wenn es endlich losgeht, hatte der Bramstedter Fuchs kurz vor dem Start gesagt. „Im Moment habe ich noch gar nicht den Kopf frei.“ Er freue sich auf die Reise und sei so neugierig „wie früher“, sagte Fuchs, der seit Jahrzehnten in den polaren Regionen unterwegs ist. Einige Crewmitglieder waren schon ein paar Tage früher auf den Haikutter „Dagmar Aaen“ gegangen, berichtet der 61-Jährige. „Ich bin dann der Letzte, der an Bord geht.“

Pittarak hat Fuchs die Expedition genannt. So heißen auf Grönland die häufig auftretenden und gefürchteten Fallwinde, mit denen auch der 61-Jährige und seine Begleiter kämpfen werden. Höhepunkt der Reise wird die Besteigung des Gunnbjørn Fjelds sein. Mit 3694 Metern ist er nicht nur der höchste Berg auf der Insel, sondern zugleich auch der höchste nördlich des Polarkreises. Drei Crewmitglieder werden die „Dagmar Aaen“ verlassen, um sich in die eisige Höhe zu wagen.

Schon der Weg entlang der schwer zugänglichen Ostküste Grönlands zum Gunnbjørn Fjeld gilt als extrem schwierig. Die meisten Expeditionen ließen sich einfliegen. Lediglich dreimal wagten Polarexperten bisher, den kraftraubenden und gefährlichen Weg von der Küste über die Gletscher zu gehen.

Ein ZDF-Filmteam wird in Grönland an Bord gehen und die Reise entlang der längsten und eisreichsten Fjorde der Arktis dokumentieren. Da die Fjorde in dieser entlegenen Region nur mit einem Schiff erreichbar sind, erwarten Crew und Filmteam spannende Tage an Bord.

Außerdem wird an Bord geforscht. Die Meeresbiologin Stephanie Borchert wird während der gesamten Reise die Qualität des Wassers untersuchen und auswerten. Informationen wie der Gehalt an CO2 und Salz sowie Algen, Schwebstoffe oder meteorologische Daten werden komplett automatisch erfasst. „Das gemeinsame Ziel des Projekts ist die effiziente Versorgung der Wissenschaft mit tragfähigen Klimadaten, Aussagen über die Algenverbreitung und Wasserqualität“, sagte Arne Steenbock, Sprecher des Expeditionsteams.

Die „Dagmar Aaen“ biete sich als kleines Schiff für die Messungen an, da sie in Gewässern operieren könne, aus denen noch keine Daten vorliegen. Das Projekt des Kieler Unternehmens SubCtech wird vom Bundeswissenschaftsministerium gefördert.