Kreis Segeberg

Die Polizei funkt digital

Wann Feuerwehr und Rettungsdienst mit der modernen Technik ausgerüstet werden, ist noch unklar

Kreis Segeberg. Für die Polizei im Kreis Segeberg hat ein neues technisches Zeitalter begonnen. Seit wenigen Tagen funken die Polizisten in den Wachen und Fahrzeugen digital. Die Einsatzleitstelle in Elmshorn, die für den Kreis Segeberg und drei weitere Kreise zuständig ist, hat den analogen Funkverkehr eingestellt. Wird nach einem 110-Notruf ein Streifenwagen zum Einsatzort geschickt, unterhalten sich die Beamten mithilfe der modernen Technik.

Der digitale Funk soll für mehr Effizienz beim Einsatz sorgen und damit die Sicherheit erhöhen. Gespräche sind nicht abhörbar, eine Verständigung in einwandfreier Klangqualität trotz großer Entfernungen ist möglich. Auch Gespräche in geschlossenen Gebäuden sollen erleichtert werden.

Ein weiterer Vorteil: Wird analog auf einer Frequenz gefunkt, ist sie für andere Teilnehmer blockiert. Digitalfunk ermöglicht hingegen eine Verständigung unter beliebig vielen Teilnehmern und ist für die Übertragung von Informationen aus Datenbanken sowie für die Anbindung ans Telefonnetz geeignet. Künftig kann die Polizei beispielsweise bei Fahndungen Fotos und andere Informationen direkt digital an die Streifenwagen übermitteln.

Wegen enormer technischer Probleme verläuft die Einführung des Digitalfunks in Schleswig-Holstein jedoch sehr schleppend. Ursprünglich sollte diese zur Fußballweltmeisterschaft 2006 abgeschlossen sein. Erst sieben Jahre später begannen erste Polizeidienststellen, auf der abhörsicheren Welle zu funken. Besonders in Städten kommt es immer wieder zu Ausfällen. In Lübeck musste der Probebetrieb sogar abgebrochen werden. Offenbar haben die Geräte Probleme, zwischen Stahlbetonwänden zu empfangen und zu senden.

Im Kreis Segeberg funktioniert die neue Technik reibungslos. „Bislang stellten wir keine nennenswerten Störungen, auch nicht während des Sturmtiefs ,Xaver’, fest“, sagt Jürgen Börner, Sprecher des Landespolizeiamtes in Kiel. Sicherheitshalber hält die Polizei jedoch die analoge Funktechnik bereit, um beim Versagen der neuen Anlagen zurückschalten zu können.

Die Umstellung auf Digitalfunk gilt nicht für Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz. Hier wird weiterhin auf den alten analogen Frequenzen gefunkt. Die Rettungsleitstelle in Norderstedt wickelt sämtliche 112-Notrufe aus dem Kreis Segeberg ab und investiert 300.000 Euro in die digitale Technik. Demnächst soll die Hardware installiert werden, doch wann sie programmiert wird und den Betrieb startet, ist völlig offen. Denn bislang weiß niemand, wann auch Feuerwehren und der Rettungsdienst über die technische Ausrüstung verfügen.

„Die Ausschreibung der Endgeräte sollte im August abgeschlossen sein“, sagt Leitstellenchef Joachim Seyferth. Doch bislang habe das Land, das die Sammelbeschaffung übernehme, noch nicht einmal den Ausschreibungstext veröffentlicht. Seyferth geht davon aus, dass die Funkgeräte für Personal und Fahrzeuge frühestens Ende 2014 zur Verfügung stehen.

Trotzdem ist die Leitstelle im Feuerwehrtechnischen Zentrum an der Stormarnstraße darauf angewiesen, auch digital funken zu können, wenn die Disponenten nicht irgendwann von Hamburg abgekoppelt werden sollen. Polizei und Feuerwehren in der Hansestadt stellen Schritt für Schritt auf das Digitalsystem um und werden in absehbarer Zeit die analoge Technik abschalten. „Dann hätten wir bei einer großen Lage ein Problem“, sagt Seyferth. Als Beispiel nennt er ein Unglück in der U-Bahn in Norderstedt oder einen Flugzeugabsturz am Flughafen. In so einem Fall wären die Helfer aus dem Kreis Segeberg zwingend auf Kommunikation mit den Kollegen aus Hamburg angewiesen, die zur Unterstützung ausrücken würden.

Vor einem weiteren Problem stehen die Polizisten aus der Leitstelle in Elmshorn, in der auch die 110-Notrufe aus dem Kreis Segeberg auflaufen. Seit Jahren leiden die Disponenten unter gravierenden baulichen Mängeln des Gebäudes, das 2001 errichtet und 2010 erweitert wurde. Der Investor, der den Bau im Rahmen eines öffentlich-privaten Partnerschaftsprojektes errichtete, ist für den Pfusch am Bau verantwortlich – und finanziell am Ende. Laut einem Gutachten ist ein Neubau deutlich günstiger als eine Sanierung des Gebäudes.

Die Liste der baulichen Mängel ist lang. Sie beginnt bei der Lüftung des Gebäudes, in die der Kreis als Pächter schon einmal auf eigene Faust eine halbe Million Euro investierte. Doch auch die erweiterte Anlage reicht für die Größe des Gebäudes nicht aus. Die Folge ist, dass die Polizei die sanitären Einrichtungen nicht nutzen kann und auf Toiletten und Duschen in einem Container vor dem Gebäude ausweichen muss. Außerdem gibt es Probleme beim Brand- und Schallschutz sowie der Sicherheit bei Angriffen mit Schusswaffen. Eine Entscheidung über einen Neubau soll im Mai 2014 fallen.