Norderstedt

Auszubildende dringend gesucht

Bei der Jungen Messe in Norderstedt werben 70 Betriebe um den Nachwuchs. Nur das Handwerk ist nicht vertreten

Norderstedt. Anika Gräfenhain packt ihre Zukunft tatkräftig an. Die 21-Jährige aus Pasewalk suchte nicht wie viele Pasewalker Schulabgänger nur in der eigenen Stadt einen Ausbildungsplatz. 2010 bestand sie ihr Abitur, sah sich in ganz Deutschland nach einem Ausbildungsplatz um und fand in Norderstedt das Unternehmen, das ihr eine gute berufliche Perspektive öffnen konnte. Anika Gräfenhain absolviert im Warenhaus Famila in Norderstedt eine Ausbildung zur Handelsfachwirtin.

Freitag und Sonnabend, 13. und 14. September, präsentiert sich Famila auf der Jungen Messe in der „TriBühne“ am Norderstedter Rathaus mit seinen Ausbildungs-Angeboten ebenso wie die Stadt Norderstedt und fast 70 weitere Unternehmen. Ingesamt werden auf der Messe 128verschiedene Berufe und Studiengänge vorgestellt.

„Ich habe bereits an der Schule beim Projekt Schüler-Firma mitgearbeitet und erfahren, dass mir Organisation, der Umgang mit Menschen und Verantwortung tragen sehr viel Freude machen“, sagt Gräfenhain. Als erstes lernte sie Kauffrau im Einzelhandel. Jetzt macht sie eine zweijährige Fortbildung zur Fachhandelswirtin und übernimmt parallel im Famila-Markt in Norderstedt schon Verantwortung in einer Abteilung.

„Ich habe gemerkt, dass mir der Non-Food-Bereich am meisten liegt und würde mich freuen, wenn ich die Abteilungs-Aufsicht übernehmen kann, wenn ich Handelsfachwirtin bin“, sagt Gräfenhain. Warenhausleiter Thomas Schönfeldt macht ihr Hoffnung: „Wir besprechen die Ausbildung mit unseren Auszubildenden mit dem Ziel, den angestrebten Arbeitsplatz auch vergeben zu können.“ Auch bei Famila würde es zur Unternehmens-Philosophie gehören, den Auszubildenden im eigenen Haus einen Arbeitsplatz zu geben, schließlich würde in die Ausbildung auch viel Geld investiert. „Trotzdem haben wir einen Mangel an Auszubildenden in allen Bereichen“, sagt Schönfeldt. Die frühen Anfangszeiten und die teils harte körperliche Arbeit würden viele Schulabgänger abschrecken.

Die Ausbildung zur Handelsfachwirtin beinhaltet Organisation, Betriebswirtschaft und Marketing, Warenkunde, Personalführung, Kundendienst, Qualitätssicherung und Hygiene, Warenwirtschaft und -disposition. Zurzeit hat Famila deutschlandweit 405 Auszubildende.

Bastian Meyer lernt Bauzeichner bei der Stadtverwaltung Norderstedt

Bastian Meyn lernt Bauzeichner. Nicht etwa in einem Planungs- oder Architektenbüro, sondern in der Verwaltung der Stadt Norderstedt. Der 18-Jährige bewarb sich nach seinem Realschulabschluss, den er an der Stadtteilschule in Rahlstedt absolvierte, bei der Stadt, weil er neben dem Beruf als Bauzeichner auch eine kommunale Verwaltung kennenlernen wollte.

Meyn ist jetzt im dritten Lehrjahr, hat bereits interne Praktika in der Bauaufsicht, der Vermessungstechnik und dem Hochbau absolviert und arbeitet jetzt in der Stadtplanung. „Ich ging auf eine Schule mit technischem Profil, und das hat mein Interesse für diesen Beruf geweckt“, sagt Meyn.

Ausbildungsleiterin bei der Stadt Norderstedt ist Maike Raun. „In der Verwaltung haben wir fünf bis sechs Ausbildungs-Berufe, je nach Anforderung“, sagt Raun. Nicht alle Berufe würden jährlich ausgeschrieben, doch Auszubildende zum Bauzeichner und vor allem zur Verwaltungsfachangestellten würden jährlich gesucht.

Ganz neu hat die Stadt Norderstedt den Ausbildungsgang zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik installiert. „Der Aufgabenbereich geht von Bühnenbau, Technik und Ton und ist die Basis, um den Bühnenmeister zu machen“, sagt Raun. Die Bewerbungszeit läuft bereits, das erste Lehrjahr beginnt am 1.August 2014.

„Wir haben das Ziel, allen unseren Auszubildenden auch eine Festanstellung bieten zu können“, sagt die Diplom-Verwaltungswirtin. Auch bei der Stadt Norderstedt sei die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber rückläufig. Bei vielen Berufen würde ein guter Hauptschulabschluss oder ein Realschulabschluss genügen.

Nur das Handwerk ist auf der Jungen Messe nicht vertreten. „Zurzeit laufen einige Ausbildungsmessen, und wir haben einfach keine Kräfte, die den Stand betreuen können“, bedauert Thomas Kafvelström, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mittelholstein. Bei der Jungen Messe 2014 seien die Handwerker aber wieder dabei.