Kommentar

Die neuen Mietnomaden

Der Grundeigentümer am Fasanenweg findet es unzumutbar, den Mietern zum Beispiel für eine 69-Quadratmeter-Wohnung eine monatliche Mieterhöhung von über 300 Euro aufgrund von Modernisierungsmaßnahmen aufzubrummen.

Löblich. Doch mutet es sarkastisch an, wenn er im gleichen Atemzug die Erhöhung um über 200 Euro ankündigt. Als ob das für die finanzschwachen Altmieter in der Wohnanlage einen entscheidenden Unterschied machen würde.

Wer jeden Monat bis hinter dem Komma rechnen muss, jeden Cent der Rente umdreht, wer nur noch beim Discounter kauft, weil es schon für Edeka nicht mehr reicht, für den ist alles über 50 Euro eine existenzielle Bedrohung. Am Fasanenweg sind viele Altmieter schon weg, andere schauen sich nach neuen Wohnungen um. Sie sind nicht allein in Deutschland. Flächendeckend wirkt das Prinzip Verdrängung durch Modernisierung. Auf einem immer gieriger werdenden Immobilienmarkt werden auch die Rentner zu den neuen Mietnomaden. Wer nicht beizeiten für Wohneigentum gesorgt hat, weil ihm das bescheidene Gehalt bei ständig steigenden monatlichen Fixkosten dazu gar nicht die Möglichkeit gab, der darf sich im Alter nicht darauf verlassen, als alter Baum nicht mehr verpflanzt zu werden. Vielmehr muss er sich darauf gefasst machen, sich mit den ganz jungen Bäumen, etwa den Studenten oder den gering verdienenden Berufseinsteigern um die letzten bezahlbaren Wohnungen zu balgen. Es wird höchste Zeit gegenzusteuern. Wenn es dazu nicht längst zu spät ist.