Initiative

Nachbarschaft in Norderstedt als Lebenshilfe

Initiative bringt Nachbarn zusammen und sucht Kümmerer, die Treffen, Ausflüge und andere Aktivitäten organisieren. Die ersten Kümmerer ziehen jetzt Bilanz.

Norderstedt. Die Nachbarschaft wird in Norderstedt neu entdeckt. Nachbarn für Nachbarn heißt die Initiative, die Bewohner derselben Quartiere zusammenbringen will und inzwischen erste Erfolge verzeichnet. 13 Organisationen haben sich zusammengeschlossen, um Nachbarschaftsnetze zu spinnen. Kümmerer heißen die Ehrenamtler, die die ersten Fäden des Netzwerks Norderstedt (NeNo) spinnen und die Nachbarn zusammenbringen. Die ersten Kümmerer ziehen jetzt Bilanz: "Die meisten Menschen suchen tatsächlich eine Möglichkeit zur Kommunikation. Sie sind bereit, schon recht bald auf einander zu zugehen und einander zu helfen, sich zum Beispiel gegenseitig abzuholen, um gemeinsam spazieren zu gehen", sagt Dr. Frank Sonntag - der Mediziner im Ruhestand und seine Frau Barbara zählen zu den Pionieren der Nachbarschaftshilfe.

Die Sonntags sind in Friedrichsgabe aktiv. "Mit acht Nachbarn haben wir den Stadtpark besucht", sagt Sonntag: "Warum soll jeder alleine den Park besuchen, wenn es in der Gruppe mehr Spaß macht?" Da klingt das Motiv der Sonntags durch: Sie engagieren sich, damit sich "in unserer Stadt niemand verlassen fühlen muss".

Ein Gefühl, das sich vor allem unter alten Menschen verbreitet. Sie sitzen einsam in ihren Wohnungen, haben kaum noch Kontakte, verstehen ihre Bankauszüge nicht mehr, geschweige denn die die digitale Welt, trauen sich nicht, allein zur Behörde oder zum Arzt zu gehen. "Eine solche Situation kann schnell in die Pflegebedürftigkeit führen und die Lust am Leben nehmen", hatte Ulrich Mildenberger von NeNo gesagt, als die Initiatoren das Nachbarschafts-Netzwerk vor mehr als einem Jahr vorgestellt haben. Dahinter steckt die Vision lebendiger Stadtteile und eines "menschenfreundlichen Norderstedts".

Früher fing der Familienverbund die Alten auf, funktionierte die Nachbarschaft besser als heute, haben die Initiatoren festgestellt. Es gebe zwar in Norderstedt schon viele Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Aber NeNo will die Hilfe möglichst kleinteilig organisieren, rein in die Viertel und die einzelnen Straßenzüge. Motoren sollen die Kümmerer sein, die die Gruppen ehrenamtlich organisieren.

Marlies Heyer und Angelika Fiedler-Böhme haben diese Aufgabe in Glashütte übernommen. Die beiden wollen wieder Schwung in das Leben im Norderstedter Stadtteil bringen und Hilfe zur Selbsthilfe geben. Die soll vor allem im Alltag greifen. Der eine hilft dem anderen, wenn eine Glühlampe ausgewechselt werden muss, wenn der Nachbar krank ist und nicht einkaufen kann, wenn der PC streikt, Formulare für Behörden ausgefüllt werden müssen, der Koffer vom Boden geholt werden muss, die Katze und die Blumen während des Urlaubs versorgt werden müssen.

Funktioniert die Nachbarschaft, bietet das auch Sicherheit und Orientierung, wenn Gartentipps über den Zaun ausgetauscht, die politische Lage oder das Wetter beim Grillen diskutiert werden. Und es geht um Geselligkeit, spielen, gemeinsam ins Kino gehen, zu einer Radtour starten.

"Anfangs lernten wir uns kennen und freuen uns jetzt, nette Menschen aus der Nachbarschaft zu treffen, die in unserer Nähe wohnen", sagt Angelika Fiedler-Böhme. Die NeNo-Gruppen in Glashütte und in Friedrichsgabe treffen sich monatlich, wer Zeit hat, kommt. "Inzwischen sind wir so vertraut, dass wir Adressen austauschen und uns im Alltag auch unterstützen können", sagt eine NeNo-Teilnehmerin in Friedrichsgabe. "Denn das kommt ja immer wieder vor: Eine alleinstehende Nachbarin wird plötzlich krank. Ich wurde informiert, konnte für sie einkaufen und sie kurzfristig zum Arzt fahren." Eine andere hat der Nachbarin beim Umzug geholfen.

Besonders ältere Menschen, deren Kinder oder Freunde weit entfernt wohnen, können Nachbarschaftshilfe gut brauchen. "Für mich liegt die Qualität der NeNo-Gruppe nicht in der Gruppengröße, sondern in der Tiefe", sagt Barbara Sonntag. Wichtig seien kurze Wege und persönlich bekannte Ansprechpartner, "die wir anrufen können, wenn wir schnell zum Arzt müssen oder etwas auf dem Herzen haben, das wir gerne mit jemandem besprechen wollen".

Nach dem erfolgreichen Start werden weitere Nachbarschaftsgruppen gegründet, eine in Norderstedt-Mitte, je eine in Glashütte und Harksheide-Süd. "Niemand im Quartier soll mit dem Gefühl leben, er sei isoliert", sagt Barbara Matthies, die NeNo organisiert. Deshalb wirbt das Netzwerk jetzt mit einem Faltblatt für mehr Nachbarschaft. Gesucht sind Kümmerer, Menschen im Ruhestand, die Zeit und Lust für neue Aufgaben haben, aber auch gern Jüngere. Das Info-Blatt liegt im Norderstedter Rathaus, in den Stadtbüchereien, im Freiwilligenforum, bei Kirchengemeinden, dem Deutschen Roten Kreuz und in einigen Apotheken und Arztpraxen aus.

Wer sich angesprochen fühlt, meldet sich bei NeNo-Koordinatorin Barbara Matthies per E-Mail unter matthies@neno-norderstedt.de.