Bad Bramstedt

Um Himmels willen! - Da kam etwas von oben

In der Maria-Magdalenen-Kirche in Bad Bramstedt ist der 300 Jahre alte und 250 Kilo schwere Kronleuchter abgestürzt

Bad Bramstedt. Ina Koppelin ist immer noch erleichtert. "Gott sei Dank ist niemandem etwas passiert", sagt sie. Als am Montag der große Kronleuchter in der Maria-Magdalenen-Kirche in Bad Bramstedt abstürzte, wurde niemand verletzt. Küster Hans-Joachim Gooden wollte das 313 Jahre alte Stück putzen, das normalerweise in der Mitte der Kirche hängt. Marc Haake, Gärtner und Vertreter Goodes, sollte ihn dafür herunterlassen, der Leuchter hängt an einem Stahlseil. Es riss, und der gut 250 Kilo schwere Leuchter aus Messing stürzte ab.

Nach dem Schreck hätten ihm die Knie ganz schön gezittert, sagt Goode. Pastor Rainer Rahlmeier, der wegen der Putzaktion wie abgesprochen in der Kirche vorbeischaute, traf Goode und Haake bleich auf Stühlen sitzend an. "Da war das Malheur bereits passiert", sagt Rahlmeier. Der Leuchter sei ein Herzensstück, das den Namen "Krone des Jürgen Fuhlendorf" trägt. Er verbinde die Kirchengemeinde in besonderer Weise mit der Fleckensgilde von 1677, so Rahlmeier.

Architekt Seidel leitete schon die Renovierung der Kirche 1989

Beim Absturz am Montag ist die untere große Kugel des Leuchters abgebrochen, einige andere kleine Teile gingen ebenso zu Bruch. Architekt Gunnar Seidel, der am gestrigen Mittwoch den Schaden begutachtete, sprach dennoch von Glück. Nicht nur dass niemand verletzt wurde, "es hätte eigentlich auch alles zerspringen können."

Nachdem Ina Koppelin Seidel am Montag benachrichtigt hatte, war klar, dass er so schnell wie möglich kommen musste. Schließlich liegt dem Architekten aus Kiel die Kirche in Bad Bramstedt besonders am Herzen. Er leitete die Renovierung in den Jahren 1989 und 1990.

Mit dabei war damals auch Gürtlermeister Eckhard Sellmann. Der 57-Jährige übt einen heute fast schon ausgestorbenen Beruf aus. Gürtler arbeiten mit Buntmetallen, bauen neben Leuchtern auch Türklinken, Kaminbesteck und Ähnliches.

Kirchen gehörten früher viel zu seinen Kunden, sagt Sellmann. Da aber mittlerweile das Geld fehle, sind die Aufträge heute seltener. Auch deshalb gibt es aktuell laut Sellmann nur noch vier Gürtlermeister in Schleswig-Holstein, einer befindet sich in Ausbildung. Er arbeitet eng mit Architekt Seidel zusammen, und so war klar, dass er sich den Schaden nicht nur anschauen, sondern ihn auch beheben soll. Einen abgestürzter Leuchter hat der Fachmann noch nicht erlebt: "Ich wollte das nicht glauben, das ist das erste Mal in 40 Jahren, dass mir so etwas untergekommen ist." Warum das Seil auf dem Dachboden den wertvollen Leuchter nicht mehr halten konnte, bleibt aber auch nach der gestrigen Begehung unklar.

Sellmann hat nun die beschädigten Teile des Kronleuchters mit nach Rathjensdorf bei Plön genommen, wo er seine Werkstatt hat. Er wird gemeinsam mit Kollegen die beschädigten Teile aufarbeiten und eng mit der Denkmalpflege des Landes zusammenarbeiten. Die Kugel braucht einen neuen Deckel, denn der bisherige Deckel wurde durch die Wucht des Aufpralls zerschlagen. Aufgrund des Alters des Leuchters ist das nicht so einfach, die Messing-Legierung ist porös, wie Sellmann nach dem ersten Augenschein feststellen musste. Schweißen gehe nicht, aber er hat bereits eine Lösung im Blick, bei der das denkmalgeschützte Stück bewahrt und sicherlich bald wieder aufgehängt werden kann.

Ende August sollen die Kerzen am Leuchter wieder angezündet werden

In diesem Sommer muss die Kirche in Bad Bramstedt nun zunächst einmal ohne ihren großen Leuchter auskommen. "In etwa zwei Monaten ist er fertig", sagt Sellmann. Wie viel das kostet, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Neben den großen abgebrochenen Stücken wird sich Sellmann dabei auch den kleineren Teilen widmen - es handelt sich um trompetende, gehelmte Meermänner und lanzentragende Gestalten in spanischer Hofkleidung. Sie waren am Montag wegen der Reinigung bereits abgenommen worden und stürzten somit nicht ab. Kleine Teile waren aber offenbar schon vorher abgebrochen.

Ina Koppelin hofft nun, dass bereits zum 100. Geburtstag des Gemeindehauses am Schlüskamp Ende August wieder die Kerzen am großen Leuchter angezündet werden können. Mit Architekt Seidel hat sie bereits Ideen zur besseren Sicherung besprochen, die die Arbeit auch für Küster Goode einfacher machen würde. So soll ein Gegengewicht auf dem Dachboden der Kirche dafür sorgen, dass der Leuchter ohne große Kraftanstrengung hoch und runter gelassen werden kann.