Städtische Toiletten

Wer in Norderstedt mal muss, hat ein Problem

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Andreas Burgmayer

Ungepflegt, geschlossen, verwüstet: Die städtischen Toiletten in Norderstedt sind ein Ärgernis. "Doch eine Patentlösung, wie wir den Vandalismus verhindern könnten, haben wir auch nicht.“

Norderstedt. Sie kommen immer am Wochenende, meistens sonnabends oder in der Nacht zu Sonntag. Wenn sie in Norderstedt-Mitte aus der U-Bahn oder dem Bus steigen, dann steuern sie das öffentliche WC an. Und lassen ihrer Zerstörungswut freien Lauf. "Wahrscheinlich sind die angetrunken, auf dem Rückweg von der Disco in Hamburg oder so", mutmaßt Holger Rickers vom Amt für Gebäudewirtschaft in der Stadtverwaltung.

Letztes Wochenende haben die Unbekannten eine Kunststoffklobrille aus der Verankerung gerissen. Sie zündeten das Teil an. "Am Ende war die Brille nur noch ein schwarzer Klumpen." Zum Repertoire der Täter gehöre es auch, Kabinentüren einzutreten, die Thermostate der Heizungen anzuzünden oder Fäkalien an den Wänden zu verschmieren. Rickers: "Norderstedt-Mitte ist ein Brennpunkt. Und wir wissen nicht, wie wir dagegen ankommen sollen."

Probleme mit den öffentlichen Toiletten gibt es in Norderstedt nicht nur am Busbahnhof in Norderstedt-Mitte. Das Abendblatt hat sich an einem Werktag aufgemacht und alle von der Stadt betriebenen WCs geprüft. Das Fazit: mangelhaft bis ungenügend.

Norderstedt-Mitte ist derzeit defekt und geschlossen. Nun wird vermehrt passieren, was sowieso schon Usus ist: Die Treppenabgänge zu den Tiefgaragen unter dem ZOB werden zu Pissoirs. Jeder, der hier schon mal geparkt hat, kennt den beißenden Gestank auf den Treppen. Heiko Bartsch vom Immobilien Service Norderstedt, der im Auftrag der Stadt in den Garagen für Ordnung sorgt: "Das Problem bekämpfen wir jeden Tag mit einer Reinigungsfirma. Zusätzlich versprühen wir eine duftende Chemikalie gegen den Geruch."

Am Busbahnhof in Garstedt steht die Tür zum Bezahl-WC (50 Cent) auf der Insel zwischen den Bushaltestellen einfach offen. Jemand hat den Schließriegel herausgedreht. Drinnen ist es düster (kein Licht) und unsauber. Es riecht, Seife fehlt im Spender beim Waschbecken. Alles ist aus zerstörungssicherem Edelstahl. "Wahrscheinlich besorgen sich die Taxi-Fahrer illegal die Schlüssel zur Tür und lassen sie dann offen. Die Busfahrer haben einen Schlüssel. Da gibt es eine Abmachung mit uns", sagt Holger Rickers. Auch in Garstedt komme es regelmäßig zu ekelhaftem Vandalismus, sagt Rickers.

Die Herren- und die Behinderten-Toilette am Busbahnhof Glashütte ist versperrt. Nur das Damen-WC ist geöffnet - und völlig ungepflegt. Seifenspender aus der Wand gerissen, zum Abtrocknen gibt es eine Rolle Klopapier. Die Toilette auf dem Harksheider Markt (50 Cent) gleicht der in Garstedt. Stahleinrichtung, kein Licht, keine Seife - und die Tür steht offen. Der WC-Container auf dem Parkplatz am Schmuggelstieg sieht schlimm aus. Innen aber ist alles recht gepflegt, wenn auch in die Jahre gekommen. Es riecht nicht, Seife und Papier sind keine Mangelware.

Ganz neu ist die öffentliche Toilette neben dem Bauernhof im Stadtpark. Der Container ist luftig, die Einrichtung noch neu. Doch auch hier fehlt schon der Seifenspender auf der Herren-Toilette. Es riecht nach Urin.

Für die fünf WC-Anlagen (ohne Stadtpark) gibt die Stadt jährlich 56.000 Euro für die regelmäßige Reinigung und die Sonderreinigung aus. Weitere 16.000 Euro musste die Stadt 2012 ausgeben für den Unterhalt der Toilettengebäude, davon 10.000 Euro für die Beseitigung von Vandalismusschäden.

Um den "Brennpunkt" Norderstedt-Mitte zu entschärfen, müsste die Stadt abermals tief in die Kasse greifen. Das Gebäudewirtschaftsamt hat errechnet, dass es 110.000 Euro im Jahr kosten würde, wenn man mit Personaleinsatz ein bewachtes WC aus der Toilette machen würde. Zusätzlich müssten deckenhohe Drehkreuze an den Eingängen montiert werden. "Damit nicht mehr einer 50 Cent zahlt und mit sechs Mann rein läuft und Randale macht", sagt Rickers. Die Alternative wäre der komplette Umbau des WCs im Stil der Toiletten in Garstedt oder in Harksheide und die Installation von Drehkreuzen - insgesamt eine Investition von einmalig etwa 90.000 Euro.

"Doch eine Patentlösung, wie wir den Vandalismus verhindern könnten, haben wir auch nicht. Wir sind dankbar für jede bezahlbare Idee", sagt Rickers. Die Initiative "Nette Toilette", die Öffnung von WCs in Lokalen für die Allgemeinheit gegen eine Kostenbeteiligung durch die Stadt scheiterte unlängst an der mangelnden Bereitschaft der Gastronomie in Norderstedt. Ob die Stadt rechtlich verpflichtet ist, öffentliche WCs überhaupt zu betreiben, darüber ist sich Rickers nicht sicher. "Aber die Stadt sollte die WCs allein schon deshalb betreiben, damit das Wildpinkeln nicht noch schlimmer wird."

Wie finden Sie die öffentlichen WCs in Norderstedt? Schreiben Sie an norderstedt@abendblatt.de

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