Norderstedt

Helfer bekommen kein Geld mehr

Der Weiterbildungsverbund Segeberg ist ein Vorzeigeprojekt. Doch EU und Land wollen die Mittel kürzen

Norderstedt. Sie leisten exzellente Arbeit, die bundesweit als vorbildlich gilt, und stehen doch vor dem Aus: Die Mitarbeiter des Weiterbildungsverbundes (WBV) Segeberg, der von Norderstedt aus gesteuert wird und 28 Anbieter wie die Dekra-Akademie, die VHS, die Familienbildungsstätte, die Norderstedter Frauencomputerschule Adasoft oder die Wirtschaftsakademie unter seinem Dach vereint, fürchten um ihre Zukunft. Die EU und das Land Schleswig-Holstein, die den Verbund finanzieren, wollen die Mittel kürzen. "Es soll keine Beratung mehr geben", sagt Annerose Petersen. Das wäre ein Stich ins Herz der Einrichtung, denn gerade die persönliche und individuelle Hilfe für alle, die sich beruflich weiterqualifizieren wollen, steht im Mittelpunkt der Aktivitäten.

Wer als Arbeitsloser oder nach der Familienpause wieder zurück will in den Beruf oder sich weitere Kompetenzen aneignen und die Karriereleiter erklimmen will, findet sich in der Fülle der Qualifizierungsmöglichkeiten und Fördertöpfe ohne fremde Hilfe meist nicht zurecht.

Annerose Petersen nennt das Beispiel der Norderstedter Tagesmutter, die sich weiterbilden will und einen Abschluss anstrebt, um als staatlich anerkannte Erzieherin arbeiten zu können. Die Frau fragt bei der Familienbildung nach, weil sie dort Fordbildungen besucht hat. Leiterin Birgit Harpering, Mitglied im Weiterbildungsverbund, verweist sie an die Beratungsstelle. "Wir haben ihr mehrere Wege aufgezeigt, sie hat sich für die Weiterbildung Frühpädagogik bei der Volkshochschule entschieden und auf eine Prüfung zur Erzieherin als Externe in Neumünster verzichtet", sagt die Leiterin der Beratungsstelle. In jedem Fall bedeute die zusätzliche Qualifikation einen Gewinn, persönlich für die Norderstedterin, aber auch für die Stadt, die auf eine so händeringend gesuchte Erzieherin zurückgreifen könne.

1242 Männer und Frauen haben die Beratungsstelle 2012 aufgesucht

Gerade angesichts des Fachkräftemangels sei die Arbeit des WBV wichtig. "Wir sind die einzigen in Schleswig-Holstein, die Migranten bei der beruflichen Weiterbildung beraten, und wir helfen ihnen bei der Anerkennung ihrer Berufsabschlüsse", sagt Katja Zenk, die für diesen Bereich verantwortlich zeichnet. Im vorigen Jahr nahmen 547 Menschen mit Migrationshintergrund die Hilfe von Katja Zenk in Anspruch. Insgesamt waren es 1242 Männer und Frauen, die die Beratungsstelle aufgesucht haben, die meisten davon zwischen 26 und 45 Jahre alt und mit Realschulabschluss.

Seit 15 Jahren gibt es den WBV, Ende 2012 entschied das schleswig-holsteinische Wirtschaftsministerium, die Arbeit begutachten zu lassen. Der Segeberger Verbund hat sehr gut abgeschnitten, die Effektivität sei hoch. Als bundesweit einmalig bewertete das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung das Netzwerk der 28 Mitglieder. "Früher herrschte Konkurrenzdenken, niemand traute sich, seine Kursuspreise zu nennen. Inzwischen ist aus der Konkurrenz Kooperation geworden", sagt Elisabeth Hartojo von der Frauencomputerschule Adasoft.

Trotz der guten Noten will das Land die Mittel kürzen. "Es wäre fatal, wenn dieses gut funktionierende Netz zerschlagen wird", sagt Jochen Brems, Leiter der VHS Henstedt-Ulzburg. Der WBV hat inzwischen in Briefen an den Wirtschaftsminister und Segebergs Landrätin seine Sorge um die Zukunft zum Ausdruck gebracht. Das Kieler Kabinett entscheidet am 30. Juni.