Norderstedt

Einsatz gegen Zirkus von langer Hand vorbereitet

Behörden rechtfertigen den Großeinsatz gegen den Zirkus "Las Vegas" in Norderstedt. Zwei Tiger, zwei Löwen und ein Elefant sind beschlagnahmt worden.

Norderstedt. Nach der Beschlagnahme von zwei Tigern, zwei Löwen und einem Elefanten setzt die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen gegen den Zirkus "Las Vegas" fort. "Wir ermitteln gegen die Verantwortlichen des Zirkus", sagte Oberstaatsanwältin Birgit Heß. Den Betreibern des Zirkus, der in Norderstedt gastiert, werden Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vorgeworfen.

Wie berichtet, hatte die Polizei am Mittwoch die vier Raubtiere und den Elefanten beschlagnahmt. Die Tiger und Löwen werden jetzt an einem geheimen Ort untersucht. Ein Veterinärmediziner, der auf Raubkatzen spezialisiert ist, wird Behörden rechtfertigen den Großeinsatz gegen den Zirkus "Las Vegas" in Norderstedtrüfen, welche Schäden die Tiere möglicherweise durch nicht artgerechte Haltung und Quälerei erlitten haben. Der Ort wird geheim gehalten, um zu verhindern, dass sich Beschuldigte in dem Verfahren oder vermeintliche Tierfreunde den Raubkatzen nähern können. "Die Tiere werden an einem sicheren Ort begutachtet", sagte die Oberstaatsanwältin.

Der Elefant wird in einem Zirkus in Belgien betreut. 60 Polizisten waren im Einsatz, als er und die Raubtiere beschlagnahmt wurden. Die Polizei berichtete von Versuchen der Zirkusmitarbeiter, den Abtransport zu verhindern, allerdings ohne Erfolg. Die Versuche seien an der starken Polizeipräsenz gescheitert, hieß es. "Es gab keine Widerstandshandlungen", sagte Polizeisprecherin Sabine Zurlo.

Auch Besuchern des Zirkus war aufgefallen, dass sich die Tiere in einem schlechten Zustand befanden. Der Tiger sei unruhig in einem kleinen Käfig hin- und hergelaufen und konnte die Freilauffläche nicht nutzen. Der Elefant wirkte verstört und wiegte den Körper während des Fressens immer von links nach rechts.

Der Einsatz in Norderstedt kam für die Zirkusfamilie Köllner-Weisheit überraschend, er war jedoch von langer Hand vorbereitet. Schon seit Monaten sei der Zirkus "Las Vegas" von den Behörden beobachtet worden, teilte die Tierrechtsorganisation Peta mit . Das wird vom leitenden Kreisveterinär Dr. Kurt Warlies bestätigt: "Der Zirkus ist uns bekannt, es hat bereits Beanstandungen in anderen Kreisen gegeben." Ein Mitarbeiter des Kreisveterinäramtes sei bei dem Einsatz in Norderstedt unterstützend anwesend gewesen.

Das Großaufgebot an Polizeikräften war nach Angaben des Diplom-Zoologen Peter Höffken, der als Wildtierexperte für die Organisation Peta Deutschland tätig ist, nötig. Bei ähnlichen Einsätzen in anderen Orten seien die Zirkusmitarbeiter häufig mit Gewalt gegen die Behördenmitarbeiter vorgegangen. Etliche Einsätze hätten deshalb abgebrochen werden müssen.

Während die Zirkusfamilie Köllner-Weisheit von Behördenwillkür spricht und sich ungerechtfertigt behandelt fühlt, verteidigt Peta die Aktion. Einzelhaltung sei für Elefanten nicht artgerecht, sagt Peter Höffken. Menschlicher Kontakt könnte kein Ersatz für die Tierherde sein. In der Regel werde ein Zirkuselefant nur etwa halb so alt wie ein Elefant in freier Wildbahn oder im Zoo.

Derzeit gibt es nach seinen Angaben in deutschen Zirkussen noch 70 Elefanten, die letzte von Peta veranlasste "Elefantenbefreiung" habe es vor zehn Jahren gegeben. Die meisten der Elefanten seien einst als Jungtiere in Afrika gefangen, abgerichtet und dann nach Deutschland verkauft worden. Das Dressieren erfolge mit "Elefantenhaken" und sei ebenfalls nicht artgerecht. Der Einsatz des Segeberger Kreisveterinäramtes wird von dem Peta-Wildtierexperten ausdrücklich gelobt, andere Veterinärämter hätten nicht so gut mitgearbeitet.

Schon seit Jahren habe es immer wieder Beschwerden über die Tiger- und Löwenhaltung im Zirkus "Las Vegas" gegeben, sagt Peter Höffken. Peta habe all diese Beschwerden registriert, dennoch habe sich die Aktion in Norderstedt aus Peta-Sicht nur gegen den Elefanten gerichtet. Vom Raubkatzeneinsatz hat Höffken nach eigenen Angaben nichts gewusst.

Auch der Zirkus "Maximus", der 2008 in Norderstedt gastierte, bekam damals Besuch von der Polizei und dem Veterinäramt. Die Behörden beschlagnahmten sieben Ponys, vier Ziegen, ein Lama und ein Schaf. Der Vorwurf: Der Zirkus habe gegen Auflagen verstoßen, die das Kreisveterinäramt nach einem Besuch 2006 erteilt hatte. Eine Kreisveterinärin hatte Mängel bei der Pflege und sachgerechten Haltung festgestellt.