Wakendorf II

Wildschwein attackiert Jäger

Dramatischer Einsatz in Wakendorf II: Verletzte Bache geht auf Mann los und wird schließlich erschossen

Wakendorf II. Das war knapp: Die Jäger des Hegerings VII kennen sich mit Wildtieren und mit deren Verhaltensmustern sehr gut aus. Doch was Hans-Dieter Busack, Michael Kröger und ihre Kollegen am Montag in der Gemeinde Wakendorf II erlebten, das war auch für die Jäger eine ganz neue Erfahrung. Ein aufgeschrecktes, durch einen Verkehrsunfall verwundetes weibliches Wildschwein hatte sie in einem Waldstück angefallen. Einer der Jäger zog sich erhebliche Verletzungen zu; für das Wildschwein endete die Begegnung tödlich.

Am frühen Abend hatte Hans-Dieter Busack die Meldung aus der Polizeileitstelle Elmshorn erreicht. Mitten in Wakendorf II war ein VW Passat auf der Naher Straße mit einem Wildschwein zusammengeprallt. "Das Tier ist aus einem Vorgarten gekommen und nach dem Unfall quer über die Straße geflüchtet."

Busack und sein Vizsla-Rüde Champ nahmen die Fährte auf und folgten den Trittabdrücken der Bache. Schnell wurde ihm klar, dass er für die Nachsuche Unterstützung aus seinem Hegering brauchen würde, um das kleine Waldstück, 500 Meter entfernt von der Straße, zu umstellen.

Unklar war zu diesem Zeitpunkt, wie stark sich das Wildschein verletzt hatte. Drei Jäger umstellten das Gehölz, während zwei hindurchgingen. "Auf einmal ist das Schwein hochgeschreckt und hat meinen Kollegen Michael Kröger umgelaufen. Es war eine erfahrene, mehrjährige, relativ schwere Bache", sagt Busack. Der 48 Jahre alte Michael Kröger ist kräftig gebaut und versucht, die Bache mit seinen Füßen abzuwehren - er wird aber weiter von ihr attackiert.

Die Situation war dramatisch, das bestätigen alle Beteiligten. Hans-Dieter Busack wusste, dass er das Schwein erschießen musste, um Michael Kröger vor schlimmen Verletzungen zu bewahren. Doch gleichzeitig durfte er natürlich nicht daneben zielen. "Ich habe einen Augenblick abgewartet, bis Michael seine Füße unten hatte und das Wildschwein dann mit einem Kopfschuss erledigt", so Busack.

Das mag grausam klingen, doch der erfahrene Jäger hatte keine Wahl. "In 30, 40 Metern Entfernung befinden sich Wohnhäuser, dort wohnen Familien mit Kindern, die im Gehölz auch spielen könnten." Normalerweise herrscht im April Schonzeit. "Aber uns blieb nichts anderes übrig. Es war Notwehr, alles lief ordnungsgemäß ab", so Hans-Dieter Busack.

Allerdings ist es tragisch, weil die verletzte Bache tragend war mit sieben Frischlingen und in knapp zwei Wochen geworfen hätte. Wahrscheinlich hatte sie deshalb in dem Gehölz bereits ihr Lager - genannt Einstand - gefunden und reagierte auf die Eindringlinge mit einem Verteidigungsreflex. Ebenfalls möglich ist, dass sie durch Landwirte gestört wurde und deshalb erst in die Wohngegend gewandert war.

Michael Kröger muss mindestens bis Donnerstag in der Paracelsus-Klinik bleiben. Er hat Stoßverletzungen und Abschürfungen erlitten, aber Glück gehabt - und er konnte sich auf seine Freunde verlassen, sagt er. Die Erinnerung an den Kampf ist noch sehr präsent. "Das war dramatisch, ich habe mich mit Händen und Füßen gewehrt."

Für ihn - Kröger ist seit 1992 geprüfter Jäger - war die Situation etwas Neues. "In der Ausbildung haben wir darüber diskutiert. Aber nun weiß ich, dass man sich nicht theoretisch darauf vorbereiten kann."

Nachdem zuletzt bereits im benachbarten Henstedt-Ulzburg Wildschweine beobachtet wurden, warnt Michael Kröger noch einmal Passanten und Hundebesitzer. "Frischlinge sehen niedlich aus, aber man sollte um sie einen großen Bogen machen." Schließlich sei die Bache in der Regel nicht weit. Außerdem dürfen Hunde auf keinen Fall von der Leine gelassen werden.