Kommentar

Abschied vom Klischee

Wolfgang Klietz

Das Klischee vereint Romantik mit einem Gefühl von Sicherheit und Ordnung

Der Dorfpolizist marschiert beim Laternenumzug voran und macht den Weg frei. Er weist die Jugendlichen zurecht, die sich auf dem Sportplatz der Gemeinde zum Biertrinken treffen. Und wenn es in seinem Revier zu einem Verbrechen kommt, ermittelt er sogleich den Täter, weil er Land und Leute kennt. Vor Jahrzehnten war diese Vorstellung vom Dienst der Polizei auf dem Land möglicherweise noch zutreffend, heute taugt sie allenfalls noch für eine realitätsferne Fernsehserie im Vorabendprogramm.

Der Job ist ungemütlich geworden. Immer mehr Polizisten werden im Dienst attackiert - in der Stadt und auf dem Land. Einem Beamten zuzumuten, allein eine Schlägerei bei einem Feuerwehrfest zu beenden, wird sich kein Vorgesetzter mehr trauen.

Außerdem ist das Land dermaßen knapp bei Kasse, dass es sich die Mieten und Energiekosten für kleine Polizeiposten nicht mehr leisten sollte, die wegen Urlaub, Krankheit oder Fortbildung der Dorfsheriffs ohnehin nur unregelmäßig besetzt sind. Schnelle Hilfe für die Bürger kommt in den Dörfern schon jetzt häufig aus den zentralen Dienststellen der größeren Nachbarorte.

Zugegeben: Mit dem Dorfsheriff geht auch ein Stück Bürgernähe der Polizei verloren. Doch das ist der Preis, den ein verschuldeter Staat und eine zunehmend aggressive Gesellschaft zahlen müssen.

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