Norderstedt

HTN kommt, Rastner muss gehen

Vorsitzende der Stammvereine besiegeln Gründung des Handball-Teams Norderstedt. Der neue Club plant jedoch nicht mehr mit dem Oberligatrainer

Norderstedt. Es ist der Moment, auf den die Macher bei HG Norderstedt und Norderstedter SV seit rund einem Jahr gewartet haben. Auf diesen Augenblick wurde zuerst im Stillen, seit Juni 2012 auch öffentlich, mit endlosen, teils festgefahrenen Gesprächen, letztlich aber mit viel Energie erfolgreich hingearbeitet. An diesem Tag soll die Gründung des Handball-Teams Norderstedt (HTN), in dem alle Herren- und Senioren-Handballer von HGN und NSV künftig unter einem Namen auflaufen, besiegelt werden.

In der Halle des Gymnasiums Harksheide, einer der Trainingsstätten der Handballer des NSV, haben sich die Vereinsvorsitzenden Ulrich Palm (HGN) und Thomas Strebel (NSV) eingefunden, um in Anwesenheit des neuen HTN-Spielwarts Steffen Liepold, von Kassenwart Uwe Wertz sowie der lokalen Presse die Gründungsvereinbarung zu unterzeichnen.

Aber einer der "Väter" des so mühsam geborenen Kindes fehlt an diesem Abend. Andreas Rastner, bundesligaerfahrener Trainer der HGN-Oberligamänner, hatte kurz nach seiner Amtsübernahme im vergangenen Frühjahr mit Steffen Liepold Gespräche über eine Zusammenarbeit begonnen. Bald waren die Vereinsvorsitzenden mit im Boot, und bereits zu dieser Spielzeit hatte es die Kooperation der ersten Männerteams beider Vereine gegeben.

Doch Rastner ist nun durch die von ihm selber angeschobene Entwicklung überholt worden. Der "formal notwendigen Kündigung", so Palm, zum Saisonende folgte am Mittwochabend die sofortige Freistellung bei der HGN.

"Die Grundlage für Andreas Rastners Beschäftigung bei der HGN ist weggefallen, vom 1. Mai an hat die HGN kein Männerteam mehr", sagte Ulrich Palm. "Dem habe ich per Brief widersprochen, dass ich einen gültigen Vertrag bis Mitte 2014 hätte und dass ich gerne meine Dienste weiter als Trainer der ersten Herren anbiete", entgegnete Rastner, "ich bedaure den aktuellen Schritt, da ich gerne die Saison mit dem Team abgeschlossen und mit einer jungen, starken Truppe den Wiederaufstieg angepeilt hätte."

Doch für diese Position haben die Köpfe des neuen Handball-Teams Norderstedt andere Pläne, die den ehemaligen HSV-Kreisläufer nicht mehr ins Kalkül ziehen. Es sei dahingestellt, ob nun wegen sportlichen Misserfolgs in der Oberliga oder wegen der, wie aus Spielerkreisen zu hören war, nicht mehr gegebenen Harmonie zwischen Coach und zumindest einigen Mannschaftsteilen.

"Wir wollen eine erste Herren-Mannschaft formieren, die aus jungen Norderstedter Spielern mit Potenzial besteht, mit denen sich die Handballfans der Stadt auch identifizieren können", sagte HTN-Spielwart Steffen Liepold, "in diese junge Truppe wollen wir dann noch zwei, drei 'Bonbon-Spieler', also alte Hasen, die ihren Zenit aber noch nicht überschritten haben, integrieren. So eine Mannschaft braucht und verdient Zeit. Insofern werden wir nicht den sofortigen Wiederaufstieg verlangen; es ist ein Konzept, das Geduld erfordert."

Und für dieses Konzept braucht es nach der Ansicht von Steffen Liepold und des neuen HTN-Vorsitzenden René Prignitz, der in Kürze sein Amt als zweiter Vorsitzender der HGN an Monika Andres abtritt und stattdessen dort Kassenwart wird, auch ein neues Gesicht an der Spitze des wichtigsten Männerteams.

"Wir suchen für die erste Mannschaft einen jungen, dynamischen Trainer mit B- oder A-Lizenz, der möglichst nicht aus dem Bereich des Hamburger Handball-Verbands kommen soll", sagte Liepold, der sich somit gleich aus dem Rennen um diese Position nimmt, "wir glauben, dass es Sinn macht, hierfür einen Coach zu finden, der in der Szene hier noch nicht verbraucht ist, der neue Ideen mitbringt, der etwas aufbauen will."

Während es schon zu mehreren Kandidaten Kontakt geben soll und eine Lösung in absehbarer Zeit greifbar erscheint, ist auch die Planung im Mannschaftsbereich fortgeschritten. "Der Kader steht eigentlich schon zu über drei Vierteln; ein wichtiger Teil soll aus den jetzigen A-Jugendlichen des NSV sowie Spielern des bisherigen Kaders, auf die unsere Beschreibung zutrifft, gebildet werden."

Somit ist klar, dass - zumindest im ersten Männerteam - mit manchem Stammspieler aus HGN-Oberligakader und NSV (Hamburg-Liga) nicht mehr geplant wird. "Das macht es mit der Motivation für die letzten vier Oberliga-Partien nicht einfach", sagt Thiago Santos. Der HGN-Kapitän leitet bis Saisonende das Training der ersten Männermannschaft, die als sportlicher Absteiger feststeht. "Immerhin sind unsere letzten zwei Gegner das Spitzenduo HSV und THW Kiel. Da können wir mit Spaß an die Sache rangehen und vielleicht Zünglein an der Waage spielen."