Henstedt-Ulzburg

Der gesamte Vorstand des Kulturvereins dankt ab

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Heike Linde-Lembke

Das Forum für Kulturförderung Henstedt-Ulzburg sucht dringend Nachfolger, die den Verein leiten und Veranstaltungen konzipieren.

Henstedt-Ulzburg. Uwe Janssen hat Sorgen. Der Vorsitzende des Forums für Kulturförderung in Henstedt-Ulzburg legt im April 2014 den Vorsitz des ehrenamtlich tätigen Kulturvereins nieder. Und mit ihm der gesamte Vorstand. Nachfolger aber sind trotz intensiver Suche nicht in Sicht. Auch aus dem Kreis der Kunst- und Kulturwoche Henstedt-Ulzburg habe sich niemand gemeldet.

35 Jahre besteht das Forum in diesem Jahr. Mit zahlreichen Veranstaltungen haben die Kunst- und Kulturfreunde die Gemeinde belebt und der Kommune ein kulturell aktives Image gegeben. "Wir sind Laien, die die Kultur ins Dorf holen wollten, doch jetzt ist es Zeit für eine Rund-Erneuerung des Vereins", sagt Uwe Janssen. Der Vorstand mit Bärbel Hartz, Inge Brock, Hilde Berghorn, Christa Petersen, Uschi Rath, Horst Hempelmann und Gisela Chan habe den Rücktritt einstimmig beschlossen. "Wir wollen dem Verein die Chance geben, mit neuem Vorstand neue Ideen zu entwickeln", sagt der 72-jährige Forums-Vorsitzende.

Das Programm fürs Frühjahr 2014 hat der Vorstand noch konzipiert. "Aber für Herbst 2014 müssen jetzt Künstler angefragt und Verträge geschlossen werden", sagt Janssen. Der kommunale Kulturausschuss habe nur gelassen reagiert, als das Kultur-Forum auf die Dringlichkeit hinwies.

"Eine Chance sehe ich darin, dass die Gemeinde die Veranstaltungen koordiniert", sagt Janssen. Das aber würde das Forum als Verein nicht retten, und so hofft der Mann, der 35 Jahre lang den Vorstandsvorsitz wuppte, auf neue Leute mit neuen Impulsen. "Es muss doch Menschen geben, die den Mut haben, Kultur in die Gemeinde zu bringen", sagt der Buchhändler schon fast verzweifelt.

Am 13. Februar 1978 trafen sich Ulzburgs Kulturfreunde zur Gründungsversammlung: "Wir halten es für dringend geboten, das brach liegende kulturelle Leben in der Gemeinde zu fördern", heißt es im ersten Protokoll. Uwe Janssen ist seit September 1978 dabei. Heute hat der Verein 300 meist passive Mitglieder, die durch ihre Mitgliedsbeiträge aber einen Teil der Veranstaltungskosten finanzieren.

Von Jazz über Klassik bis zu Lesungen und Theater reicht das Kulturangebot

Was mit Töpferkursen und Literaturkreisen anfing, hat sich über drei Jahrzehnte zu einem Veranstaltungsforum mit gut durchdachtem Konzept und breitem Kulturangebot von Jazz über Klassik-Konzerte bis zu Lesungen und zum niederdeutschen Theater entwickelt.

Namhafte Künstlerinnen und Künstler standen und stehen im Programm, darunter Schauspieler Peter Striebeck, Entertainer Robert Kreis und Jazzer wie Peter Banjo Meyer, Bill Ramsey und Vibrafonist Wolfgang Schlüter mit Peter Rühmkorf und Michael Naura. Rock-Röhre Inga Rumpf kam vorbei, Loriot-Gefährtin Evelyn Hamann, Friesenbarde Knut Kiesewetter. Der unvergessliche Gabriel Laub gastierte ebenso in Henstedt-Ulzburg wie der stimmgewaltige Hans Paetsch, "Landarzt" Walther Plathe und der Geiger Michael Goldstein, Pianist Gottfried Böttger, Chansonsängerin Anna Haentjens und auch sie, die große Ida Ehre. Joja Wendt und dem Trio Fontenay hielt das Forum die ersten Sprossen zur Karriereleiter, Wendt spielt heute noch dankbar in der kleinen Kulturkate.

Doch nicht nur berühmte Namen holt das Forum, auch Künstler aus der Region werden eingeladen, die Pianistin Edda Blufarb beispielsweise, Autorin Christa Heise-Batt, Schauspielerin Imke Trommler, die Künstler Ute Läsecke-Maas, Ingrid Hartmann bis zu Albert Christoph Reck.

Zu Beginn sah der Verein darin eine Aufgabe, den Neubürgern der sich rasant entwickelnden Gemeinde einen Treffpunkt zu bieten, beispielsweise mit musikalischen Frühschoppen, klassischen Dämmerschoppen, mit Bußtagskonzerten und niederdeutschen Lesungen. 1970 entstand aus Götzberg, Henstedt und Ulzburg die Großgemeinde Henstedt-Ulzburg mit 10.645 Einwohnern, 1980 waren es 18.753 Einwohner, 2011 waren es 27.510 Bürger. Spielorte waren zu Beginn die Aula des Schulzentrums an der Maurespasstraße, der Astrapott und die Reumann-Kate neben der Kirche. Nachdem ein Brand in der Silvesternacht 1992 die reetgedeckte Kate verwüstete, bot das Wiking-Hotel dem Forum Asyl, bis der Verein in die von der Manke-Stiftung gebaute Kulturkate am Beckersbergsee ziehen konnte. Veranstaltungen für bis zu 400 Zuschauer finden im Bürgerhaus am Beckersberg statt, darunter das beliebte Jazz-Fest und das Neujahrskonzert mit den Hamburger Kammersolisten. Ein Vorstand dankt ab. Und muss seine Nachfolger selbst suchen.

Zu 26. Februar, 18 bis 20 Uhr, lädt das Forum zu einem Info-Abend in die Kulturkate am Beckersberg ein. Vorab-Infos gibt Uwe Janssen unter Telefon 04193/784 13.

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