Norderstedt

Kripo warnt vor Einbrechern

Foto: Wolfgang Klietz

Dramatischer Anstieg der Taten seit Oktober. Die Norderstedter Familie Schimmel gehört zu den Opfern

Norderstedt. Die Täter sind jeden Tag unterwegs. Sie nutzen die frühe Dämmerung oder den Abend, um in Wohnhäuser einzubrechen, Wertsachen zu stehlen und möglichst schnell wieder zu verschwinden. "Wir haben einen enormen Anstieg dieser Taten zu verzeichnen", sagt Hauptkommissar Michael Dröse von der Norderstedter Kripo. Im Durchschnitt steigen die Täter jeden Tag in drei Wohnungen in Norderstedt ein. Dröse kennt das Phänomen, das sich jedes Jahr ab Oktober wiederholt; Die Zahl der Einbrüche steigt deutlich an. "In diesem Jahr sogar besonders stark", sagt der Kriminalist. Die Einbruchexperten der Kripo vermuten, dass die Serien auf das Konto osteuropäischer und südosteuropäischer Banden gehen. Das Problem: Die Einbrecher sind gut organisiert und kaum zu fassen. Die Aufklärungsquote liegt in Norderstedt bei gerade einmal bei 4,9 Prozent.

Der Kriminalbeamte hat festgestellt, dass die Opfer dieser Straftaten meistens mehr unter den seelischen als unter den materiellen Folgen eines Einbruchdiebstahls leiden. "Nicht selten bleibt ein Gefühl der Unsicherheit und Angst zurück", sagt Dröse über die Fälle, wenn Fremde mit Gewalt in die Privatsphäre eines Menschen eingedrungen sind und Schränke und Schubladen durchwühlt haben. Dröse: "In einigen Fällen ist eine fachärztliche Behandlung erforderlich, um dem psychischen Druck wieder gewachsen zu sein."

Eine Stunde später taucht der Unbekannte erneut auf

Die Familie Schimmel aus Norderstedt hat erlebt, was es bedeutet, wenn ein Einbrecher in die eigenen vier Wände eindringt. Als Chef einer international tätigen Firma ist Ralf Schimmel viel unterwegs, kennt unsichere Länder in Afrika und Asien, und war stets froh, sich zu Hause im Ortsteil Garstedt sicher fühlen zu können. "Meine Basis", nennt er das Reihenhaus, in dem er mit seiner Frau, dem 18-jährigen Sohn Robin und der 13 Jahre alten Mischlings-Hundedame Biene lebt. Obwohl er Angst vor Kriminellen in Norderstedt bis zum 17. Oktober nicht kannte, hatte der Geschäftsmann für alle Fälle Videokameras rund ums Haus installiert.

In der Nacht zum 17. Oktober ist Schimmel auf Dienstreise in Nigeria. Seine Frau schläft allein im Obergeschoss. Der Sohn übernachtet bei Freunden. Gegen 3 Uhr zeichnen die Kameras den Täter zum ersten Mal auf. Auf den Aufnahmen ist ein etwa 1,80 Meter großer junger Mann mit Mütze zu sehen, der mit einer Taschenlampe ins Erdgeschoss leuchtet. Zwei Minuten lang umrundet er das Haus, dann verschwindet der Unbekannte. Auch Biene hat ihn nicht bemerkt.

Eine Stunde später taucht derselbe Mann erneut an dem Haus auf. Mit einem langen Schraubendreher hebelt er die Terrassentür auf und schleicht ins Erdgeschoss. Schimmels Frau schläft weiter, bis Biene plötzlich Alarm schlägt. Als sich der Täter im Flur ein Portemonnaie aus der Handtasche holt und zehn Euro herausfingert, zeigt der Hund, was er trotz seiner Alters noch kann. Wütend schießt Biene auf den Täter zu und bellt derart respekteinflößend, dass der Unbekannte über die Terrasse in die Dunkelheit flieht. Auf dem Rasen verliert er vor Schreck die Hälfte seiner Beute.

Auf seinem Notebook kann Ralf Schimmel sehen, wie der Einbrecher vorgegangen ist. Die Aufnahmen zeigen, wie sich der Unbekannte in aller Ruhe ums Haus bewegt und schließlich die Terrassentür mit wenigen Handgriffen öffnet. Nur eines ist kaum zu erkennen: Das Gesicht des Einbrechers. Daran wären Dröse und seine Kollegen besonders interessiert, denn der Täter ist immer noch auf der Flucht.

"Das ist ein mentales Thema", sagt Schimmel über den Einbruch. "Ein Zugriff auf das Innerste." Zwar habe er immer wieder über Einbrüche in der Zeitung gelesen, doch wie man sich nach einer Tat fühlt, versteht der Geschäftsmann erst jetzt. In den ersten Tagen nach dem Einbruch war die Furcht so groß, dass die Familie nachts auch die Türen in der Wohnung verschlossen hat. Auf Schimmels Nachttisch stehen seitdem eine Dose mit Reizgas und das Telefon.

Außerdem will Schimmel jetzt aufrüsten. Er plant, neue Kameras zu installieren, die die Gesichter eines Fremden besser darstellen. Mit Kameras kennt sich der Norderstedter aus: Er ist Chef eines Unternehmens, das weltweit Fernseh- und Radiostudios baut. Außerdem sollen neue Außenjalousien verhindern, dass Einbrecher ins Haus eindringen können.

Eine ungesicherte Terrassentür mit einem langen Schraubendreher zu öffnen, sei keine "große Kunst", sagt Dröse. "Wenn einer Übung hat, sieht man danach nur ein bis zwei Hebelspuren." In fast allen Fällen könne man davon ausgehen, dass der Täter um jeden Preis eine Konfrontation mit den Hausbesitzern vermeiden möchte. Dem Einbrecher gehe es in der Regel darum, schnell im Erdgeschoss Geld, Schmuck oder ein Notebook mitgehen zu lassen und zu verschwinden. Dröse: "Der Einbrecher will einen kurzen Aufenthalt."

Anders als im Fall Schimmel steigen in dieser Jahreszeit die meisten Einbrecher tagsüber in Häuser und Wohnungen ein. Sie versuchen sicherzugehen, dass sich bei einem Einbruch niemand in der Wohnung aufhält.