Norderstedt

Unten Leben, oben triste Leere

Foto: Frank Knittermeier

Henstedt-Ulzburgs Politiker entscheiden heute über das City Center Ulzburg. Das Ahrensburger CCA wird angenommen

Henstedt-Ulzburg. Thomas Hornemann hat sein Geschäft dort, wo alle Besucher vorbei laufen müssen - egal, ob sie aus der Tiefgarage kommen oder einen der beiden Eingänge nutzen. Er betreibt im City Center Ahrensburg (CCA) an der Klaus-Groth-Straße einen Zeitschriften- und Tabakladen mitten im Center. Der junge Geschäftsmann ist zufrieden. "Das Umsatz liegt deutlich über meinen Erwartungen." Gegenüber den ersten Monaten seit der Eröffnung im Sommer 2009 konnte er seinen Umsatz um 25 Prozent steigern.

Seine Einschätzung wird von anderen Geschäftsleuten geteilt. "CCA zieht erste Bilanz: Es geht aufwärts" lautete die Schlagzeile auf der Seite 1 der Stormarn-Ausgabe des Hamburger Abendblattes am 30. Dezember 2009.

So ähnlich wie das Ahrensburger Einkaufszentrum soll auch das City Center Ulzburg eines Tages aussehen - wenn es nach dem Willen von Peter Skrabs und Karl Will geht, die 32 Millionen Euro investieren wollen. Beide haben auch das CCA gebaut. Und auch in Ahrensburg gab es erhebliche Widerstände gegen dieses Projekt, das erst mit einer Vorlaufzeit von fast fünf Jahren realisiert wurde.

In den vier gastronomischen Betrieben sind die meisten Plätze besetzt

Tatsächlich ist der Besucherstrom am frühen Nachmittag dieses verregneten Montags auffällig. Die meisten Kunden des Centers gehen direkt in den Sky-Supermarkt im Erdgeschoss. Vor allem dort herrscht reger Betrieb. Aber auch in den vier gastronomischen Betrieben, die alle ebenfalls im Erdgeschoss liegen, sind die meisten Plätze besetzt. Die Konditorei, der asiatische Imbiss, das kleine italienische Restaurant und das Fischrestaurant sind belegt. "Wir sind hier sehr zufrieden", sagt Wolfgang Able, Angestellter bei Fisch Schloh, der hier mit einem Fischhandel nebst angegliedertem Restaurant vertreten ist.

Von außen wirkt das CCA in der engen Straße wie ein Fremdkörper

Direkt im Eingangsbereich steht ein Eisstand der Kette Giovanni L., C & A, Bonita, Aldi und der Drogeriemarkt Müller sind die weiteren Geschäfte. Hier herrscht insgesamt ein reger Betrieb. Ernüchternder ist der Blick in das erste Obergeschoss: Gähnende Leere und triste Atmosphäre. Vertreten sind oben das Schuhhaus Deichmann sowie wieder C & A und die Drogerie Müller mit der Spielwarenabteilung. Ein großer Bereich steht leer, weil die Kette House of Fashion ihre Läden in Hamburg und Umgebung insgesamt aufgegeben hat. Hier wird demnächst eine Takko-Filiale eröffnen. "Die wird für Leben sorgen", glaubt Tabak- und Zeitschriftenhändler Thomas Hornemann.

Auf der tristen Freifläche im ersten Obergeschoss steht ein einsamer Tannenbaum mit dem Hinweis, dass hier demnächst ein Weihnachtsmarkt eröffnet wird. Das zweite Obergeschoss ist einer Tanzschule, der öffentlichen Toilette und Büroräumen vorbehalten. Von außen wirkt das CCA in der engen Straße, die von der Stadt Ahrensburg derzeit umgebaut wird, klotzig und wie ein Fremdkörper in der Straße. Die Fassade ist auf der Westseite schlicht und uninteressant. Auf der Ostseite erinnert nur der Eingang an ein Einkaufszentrum. Ansonsten sieht der Komplex von hinten wie ein großes Wohnhaus aus. Die Tiefgarage ist unübersichtlich.

Bei den Ahrensburgern ist das CCA auch über ein Jahr nach der Eröffnung noch umstritten. Weil die Klaus-Groth-Straße so schmal und das Gebäude klotzig ist, sprechen viele vom "Canyon". "Das CCA ist kein sehr geliebtes Kind", sagt Martina Tabel, Redakteurin der Stormarn-Ausgabe des Hamburger Abendblattes.

Trotz aller Vorbehalte gegen die Architektur mitten in der City, scheint die Mehrzahl der Ahrensburger das Einkaufszentrum aber inzwischen anzunehmen. "Wir hatten hier am Wochenende ein Oktoberfest, bei dem es rappelvoll war", sagt Thomas Hornemann. "Das war eine tolle Stimmung."

Im Umwelt- und Planungsausschuss fällt heute eine Vorentscheidung

Henstedt-Ulzburgs Gemeindepolitiker treffen heute Abend eine Vorentscheidung. Im Umwelt- und Planungsausschuss beschäftigen sie sich mit der zweiten und entscheidenden Änderung des Bebauungsplanes "Ulzburg-Mitte". Sollte die Änderung durchgewunken werden, können Skrabs und Will so bauen, wie sie es vorhaben. Derzeit sieht es so aus, dass CDU und SPD die Pläne befürworten, wenn geklärt ist, dass die Anlieferung über die Bahnhofstraße erfolgt. Die WHU stimmt vermutlich gegen die vorliegenden Pläne. Die FDP schweigt, hat aber auch keinen ordentlichen Sitz im Ausschuss. Die Ausschussmitglieder müssen über rund 60 Einwände gegen die Planung entscheiden. Die Sitzung beginnt um 18.30 Uhr im Bürgerhaus.