Abwrackprämie

Betrug mit Abwrackprämie: Das sagt Kiesow

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Frank Knittermeier

Firmenchef Tim Kiesow glaubt, dass die schwarzen Schafe der Branche nur im Hamburger Hafen von der Polizei erwischt werden können.

Norderstedt. Betriebskontrollen gab es in seiner Firma bisher noch nicht. Werden von Deutschland aus zehntausende von Altfahrzeugen, die offiziell als verschrottet gelten, illegal ins Ausland weiterverkauft? Dieses Problem beschäftigt den Bund Deutscher Kriminalbeamter seit einigen Tagen. Beim Norderstedter Autoverwerter Kiesow sind bisher noch keine Ermittler aufgetaucht - sie würden allerdings auch nicht fündig werden: "Wir können für jedes einzelne Fahrzeug nachweisen, wohin es gekommen ist", sagt Geschäftsführer Tim Kiesow.

Nicht zum ersten Mal ist der Verdacht aufgekommen, dass Fahrzeuge, die eigentlich abgewrackt werden sollen, damit der ehemalige Besitzer seine Abwrackprämie beziehen kann, um ein Neufahrzeug zu finanzieren, illegal ins Ausland verkauft werden. Schon zu Beginn der Prämienregelung gab es entsprechende Meldungen, dass aus der unübersichtlichen Flut der Abwrackautos etliche in Afrika oder in osteuropäischen Ländern wieder auftauchen. Jetzt scheint sich der Verdacht zu konkretisieren. Die Firma Kiesow, einer der größten Autoverwerter in Deutschland, kann lückenlos nachweisen, was mit den bis zu 60 Fahrzeugen, die hier täglich angeliefert werden, geschieht: Halter und Shredderbetrieb bekommen je einen Verwendungsnachweis, ein Formular bleibt bei Kiesow. "Damit kann der Weg eines jeden Autos nachvollzogen werden", sagt Tim Kiesow, der sich allerdings vorstellen kann, dass Menschen mit krimineller Energie Wege finden können, um Vorschriften zu umgehen. Ihm selbst seien bisher namentlich aber noch keine Fälle dieser Art bekannt geworden. "Ein Autoverwerter, der diesen illegalen Weg sucht, riskiert seine Zulassung."

Der Geschäftsführer des Norderstedter Abwrackunternehmens hält Kontrollen auf dem Gelände von Abwrackern für wenig sinnvoll. Besser wäre es seiner Ansicht nach, direkt dort zu suchen, von wo die Fahrzeuge verschifft werden sollen - im Hamburger Hafen zum Beispiel. Anhand von Papieren könne schnell festgestellt werden, warum und auf welchem Weg die Fahrzeuge im Hafen gelandet seien. Kiesow: "Nur dort können die schwarzen Schafe erwischt werden."

Der Großverwerter Kiesow ist mit rund 45 weiteren größeren Autoverwertern in Deutschland vernetzt, damit Daten, Informationen und bei Bedarf auch Material ausgetauscht werden kann. Daneben gibt es aber eine Fülle von weiteren Betrieben, in denen alte Autos gelagert und ausgeschlachtet werden. Tim Kiesow selbst kennt in Hamburg eine Reihe von kleineren Autoverwertern, in ganz Deutschland gibt es nach seinen Schätzungen "Hunderte, wenn nicht gar tausende" von kleineren Betrieben, auf deren Gelände Schrottautos landen.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter geht davon aus, dass einige Unternehmer mit krimineller Energie ein Nebengeschäft mit dem Verkauf der Abwrackautos aufziehen.

Weil es zu Beginn der Prämienregelung ebenfalls zu Unregelmäßigkeiten gekommen war, müssen Autoverkäufer seit März beim Antrag auf die Umweltprämie den entwerteten Fahrzeugbrief im Original einreichen, vorher hatte eine Kopie gereicht. Weil die Polizei in Hamburg aber schon 43 Abwrackbetrügereien nachgewiesen hat, wird davon ausgegangen, dass entwertete Fahrzeugbriefe gefälscht worden sind.

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