Norderstedt
Schulübernahme führt zum Desaster

Bürgermeister: Die Grenzen der Solidarität sind erreicht

Die Verwaltungschefs der umliegenden Dörfer fürchten die großen finanziellen Belastungen, die auf sie zukommen.

Bad Bramstedt

Die Übernahme der Jürgen-Fuhlendorf-Schule (JFS) könnte für Bad Bramstedt mit einem finanziellen Desaster enden. Nachdem sich am Donnerstagabend im Schulverband die Umlandgemeinden geweigert haben, gemeinsam mit der bereits hoch verschuldeten Stadt die Trägerschaft zu übernehmen, müssen die Bramstedter vermutlich allein die Regie für das Gymnasium übernehmen. Enorme Kosten wären die Folgen. Die seit Jahren anstehenden Investitionen belaufen sich auf mehr als 2,5 Millionen - eine Summe, die die Stadt Bad Bramstedt kaum bewältigen kann.

Wehren können sich die Bramstedter gegen die Übernahme nicht. Bislang gehörte das Gymnasium zum Kreis Segeberg, der eine Änderung des Schulgesetzes nutzte und sich von der Schule trennte. Wenn der aus den Dörfern und der Stadt zusammen gesetzte Schulverband bei seiner Mehrheitsentscheidung bleibt, das Gymnasium nicht zu übernehmen, geht die Trägerschaft am 1. August allein auf die Stadt über. Vergeblich hatte Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach versucht, seine Kollegen aus den Dörfern umzustimmen. Die Folge: Wann die seit Jahren geforderte Mensa in dem Gymnasium gebaut wird, ist völlig offen. Auch auf die dringend benötigten neuen Fachräume werden Schüler und Lehrer noch lange warten müssen.

"Für meine Kollegen waren die Grenzen der Solidarität erreicht", sagt Kütbach. Die Dorf-Bürgermeister fürchten die großen finanziellen Belastungen, die auf sie zukommen. Noch vor Wochen hatten sie sich für eine Verbandslösung für die JFS ausgesprochen, doch der Rückzieher folgte, weil die erhofften Zuschüsse für die Investitionen voraussichtlich ausbleiben werden.

Kütbach macht keinen Hehl daraus, "stinkig" auf den Kreis zu sein. Im Kreistag und bei den Verhandlungen mit Landrätin Jutta Hartwieg war stets die Rede davon gewesen, umfangreiche Fördermittel zu beschaffen. Bei den ersten Gesprächen wurden Unterstützungen in Höhe von 75 Prozent in Aussicht gestellt.

Doch vor wenigen Tagen machten die Kreispolitiker alle Berechnungen zunichte. Sie entschieden, die zu verteilenden Fördermittel für Schulinvestitionen im Kreis Segeberg nach der Anzahl der Schüler in den Gemeinden zu berechnen, ohne dabei die besondere Situation in Bad Bramstedt zu berücksichtigen. Die Folge: In die Kurstadt fließen gerade mal 320 000 Euro, die nicht nur fürs Gymnasium gedacht sind, sondern auch für die Investitionen in die neue Gemeinschaftsschule auf dem Schäferberg. Dort will der Schulverband eine Millionen Euro für Besprechungsräume, Lehrerzimmer und Schulsekretariat ausgeben. Darauf konnte sich der Schulverband immerhin einigen.

Doch Kütbach ist nicht nur sauer auf die Kreistagspolitiker, die einen "bösen Brief" von ihm erhalten haben. "Auch das Land hat seine Hausaufgaben nicht gemacht", schimpft der Verwaltungschef. Bad Bramstedt müsse die gesetzlichen Bestimmungen des Landes beim Umbau der Schulen erfüllen, ohne dafür ausreichende finanzielle Hilfe zu erhalten.

Einziger Trost: Wenn die Stadt das Gymnasium übernimmt, entfallen die Zahlungen an den Kreis für den Schulbesuch Bramstedter Kinder. Außerdem bekommt die Stadt künftig von den Umlandgemeinden für jeden Schüler Geld, der die Jürgen-Fuhlendorf-Schule besucht.

"Damit bleibt der normale Betrieb gewährleistet", sagt Bürgermeister Kütbach. "Zumindest wird die Situation in der Schule nicht schlechter."