Norderstedt
E.on Hanse: Im Streit mit Gaskunden schlägt der Energieversorger einen "schärferen Ton" an

Inkasso-Methoden gegen "Preisverweigerer"

Die Verbraucherzentrale Norderstedt nennt die Einschüchterungstaktik des Energieversorgers skandalös. Die E.on Hanse Vertrieb verteidigt ihr Vorgehen als branchenüblich.

Norderstedt. Der Energieversorger E.on Hanse geht jetzt mit harten Bandagen gegen Kunden vor, die ihre Zahlungen aus Protest gegen Preiserhöhungen eigenständig gekürzt hatten. Die "Hanseatische Inkasso-Treuhand GmbH" (HIT) wurde von der E.on Hanse Vertrieb mit dem Eintreiben der ausstehenden Beträge für Gas- und Stromlieferungen beauftragt.

Eine unbekannte Zahl von E.on-Kunden in Schleswig-Holstein und Hamburg haben im März und April Schreiben der HIT bekommen. In den Briefen wird der Adressat zunächst zur Zahlung des "Schuldsaldo" aufgefordert, verbunden mit der Androhung der Lohnpfändung oder Beugehaft. In einem zweiten Schreiben wird der "Besuch" eines Außendienstmitarbeiters angekündigt, dessen Einsatz mit 27,50 Euro berechnet wird. Zitat: "Sollten Sie unserem letztmaligen Versuch einer gütlichen Einigung ignorieren, müssen wir mit allen rechtsstaatlichen Mitteln gegen Sie vorgehen."

Juleka Schulte-Ostermann, Leiterin der Verbraucherzentrale Norderstedt, nennt das Vorgehen von E.on Hanse skandalös. "Es dreht sich bei all diesen E.on-Kunden doch nicht um Menschen, die nicht zahlen können, sondern um welche, die ganz bewusst bei undurchsichtigen Preiserhöhungen nicht mitmachen." Alle Empfänger der Schreiben hätten lediglich ihr Recht wahrgenommen, die Abschläge zu kürzen, so lange der Energieversorger nicht "die Billigkeit seiner veränderten Preise" nachweise, so Schulte-Ostermann.

Der Rechtsanwalt der Verbraucherzentrale, Arne Timmermann, hat schon etliche Klienten beraten, die mit E.on Hanse im Clinch liegen. "Es gibt keinen anderen Energieversorger, der so viel Beratungsbedarf bei seinen Kunden auslöst", sagt Timmermann. Dass E.on Hanse nun Inkassounternehmen gegen "Preisverweigerer" einsetzt, erstaunt aber selbst ihn. "Das ist ein unsinniges Vorgehen. Formal und rechtlich richtig wäre schlicht eine Klage gegen säumige Zahler", sagt der Anwalt. Der Einsatz des Inkassounternehmens wertet er als groben Einschüchterungsversuch. Das Unternehmen spekuliere auf den Droh-Effekt und dass ein Gutteil der Kunden deswegen einknicke und zahle.

"Wer so einen Brief bekommt, sollte sich nicht einschüchtern lassen und Mitarbeitern von E.on Hanse und HIT vorsorglich Hausverbot erteilen und bei Verstößen eine Strafanzeige in Aussicht stellen", sagt Timmermann. Als unzulässig bezeichnet es der Anwalt, dass E.on die Daten der Kunden an das Inkassounternehmen weitergibt. Timmermann: "Diese Kunden verweigern ja nicht einfach die Zahlung. Sie haben begründete Einwendungen gegen die Forderungen des Energieversorgers erhoben. Behandelt werden sie aber wie gewöhnliche Zahlungsunwillige." Gegen die Weitergabe der Daten sollen sich die Betroffenen mit einer Beschwerde an das Landeszentrum für Datenschutz wenden ( www.datenschutzzentrum.de ).

Die E.on Hanse Vertrieb GmbH verteidigt ihr Vorgehen, ein Inkassounternehmen mit dem Eintreiben der ausstehenden Zahlungen zu beauftragen. "Das ist ein in der Branche absolut übliches Mittel", sagt die Sprecherin Iris Franco-Frattini. Das Inkassounternehmen sei ausschließlich auf ehemalige Kunden angesetzt worden, die jetzt bei einem anderen Anbieter Energie beziehen und ihre Schlussrechnungen bei der E.on Hanse nicht beglichen hätten. "Die Situation ist ganz einfach: Wir haben Energie geliefert, der Kunde hat aber den Preis nicht akzeptiert und gezahlt, was er will", sagt Franco-Frattini. Die E.on habe in der schon seit Jahren schwelenden Auseinandersetzung mit den "Preisverweigerern" immer klar gemacht, dass sie auf ihren Forderungen beharre. "Wir haben Kunden, die sich wegen Preiserhöhungen beschwert haben, immer geraten, unter Vorbehalt den neuen Preis zu akzeptieren, um nach einer Klärung der rechtlichen Situation eine Rückzahlung einzufordern", sagt die Sprecherin. Mittlerweile, so Franco-Frattini, gebe es etliche Gerichtsurteile auf Bundesebene, die die Position der Energieversorger gestärkt hätten. Auf dieser rechtlichen Basis versuche die E.on nun eben, ihr Geld zu bekommen.

Wer es nun mit dem Inkassounternehmen aus Hamburg zu tun bekomme, habe teilweise seit Jahren einen verkürzten Abschlag gezahlt, Dutzende Mahnungen und auch einen Mahnbescheid bekommen und einen "Forderungsberg" angehäuft. Franco-Frattini bestätigt, dass E.on auf Einschüchterung setzt: "Natürlich müssen wir bei dieser kleinen Gruppe an ehemaligen Kunden jetzt einen schärferen Ton anschlagen. Das sind keine naiven Leute, die nicht wissen, was sie tun."