Segelschiff der Marine

Schulschiff: Die Besatzung der Gorch Fock zeigt Solidarität

Foto: Gorch Fock

Erstmals meldet sich die Besatzung der "Gorch Fock" zu Wort - mit einer Solidaritätserklärung für den abgesetzten Kapitän Norbert Schatz.

Hamburg. Die meisten Männer und Frauen auf dem Foto schauen ernst. Herausfordernd blicken sie in die Kamera. Sie halten ein Transparent mit dem Schriftzug: "Ein Kommandant, eine Besatzung, ein Schiff." Das Bild wurde in diesen Tagen aufgenommen, auf der "Gorch Fock". Die Menschen, die zu sehen sind, bilden die Besatzung des Schiffs. Im Hintergrund sind schneebedeckte Berge Feuerlands zu sehen. "Ushuaia, Januar 2011", steht noch auf dem Transparent. Seit über einer Woche liegt das Ausbildungsschiff in dem südargentinischen Hafen vor Anker.

Vor einer Woche wurde der Kommandant Norbert Schatz von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg abgesetzt. Das Foto von der Besatzung, das über einen Vertrauten der Mannschaft an das Abendblatt gelangte, ist eine Solidaritätserklärung für Schatz. Der Entmachtete posiert ebenfalls für das Foto. Schatz trägt eine Uniform mit Kommandantenstern.

In der Nacht zum Freitag war ein Untersuchungsteam um den Marineamts-Chef Horst-Dieter Kolletschke an Bord gegangen. Es geht um die Vorfälle nach dem Tod der 25 Jahre alten Offiziersanwärterin Sarah Lena Seele, die im November aus der Takelage auf das Deck gestürzt war. Offiziersanwärter, die mit der Verunglückten an Bord waren, hatten berichtet, dass sie nach dem Tod in die Takelage gezwungen worden seien, dass Kommandant Norbert Schatz den Unfall verharmlosend dargestellt hätte und dass die Besatzung kurz nach dem Tod ihrer Kameradin fröhlich Karneval gefeiert hätte.

Dem Abendblatt liegt eine Erklärung der Besatzung vor. Darin beschreiben die Soldaten, wie sie sich fühlen. Und wie ihr Kommandant Schatz von ihnen Abschied genommen hat. "Ich war gerne Ihr Kommandant", soll der 53-Jährige den Angaben der Besatzung zufolge nach seiner Absetzung gesagt haben. Schatz verlasse die "Gorch Fock" "mit der bitteren Gewissheit, wohl nie wieder zur See zu fahren". Mit "Unverständnis, Wut, Fassungslosigkeit" habe die Besatzung auf die Absetzung reagiert. "Viele Besatzungsangehörige bekommen noch immer feuchte Augen."

Die Autoren der Erklärung gehen auch auf die in Deutschland entbrannte Diskussion über das Ausbildungsschiff ein. "Schweigend und hilflos" sehe sich die Besatzung den Vorwürfen ausgesetzt, "ohne sich rechtfertigen zu können". Die Besatzung kündigt an, die Vorwürfe "entkräften" zu wollen: "Denn wir haben nichts zu verbergen." Den Offiziersanwärtern, die Missstände angeprangert hatten, macht die Stammbesatzung schwere Vorwürfe. Die Mannschaft beklagt sich über eine "einseitige Berichterstattung, genährt von einer Handvoll unzufriedener junger Menschen, denen es möglich gemacht wurde, einen derartig großen irreversiblen Schaden anzurichten".

Auch an Verteidigungsminister zu Guttenberg hat die Stammbesatzung einen Brief mit ähnlichem Inhalt geschrieben. "Ich habe den Brief aufmerksam gelesen und kann die aufgewühlten Gefühle nachvollziehen", sagte zu Guttenberg "Spiegel-Online". Der Minister hatte vorher erklärt, er wolle eine Stilllegung des Segelschulschiffs möglichst vermeiden. "Es wäre wunderbar, wenn die ,Gorch Fock' weitersegeln könnte", sagte er. Der Marineinspekteur Axel Schimpf verteidigte im Interview mit der "Welt" die Absetzung des Kommandanten: "Aufgrund der massiven Anfeindungen, denen sich der Kommandant ausgesetzt sah, war es unsere Pflicht, ihn bis zum Abschluss der Ermittlungen von seinen Pflichten zu entbinden", sagte er.

Auf einer Pressekonferenz kündigte der Ermittlungsleiter Kolletschke am Freitag in Ushuaia an, die Ermittlungen in zwei Wochen abzuschließen. "Wir glauben dann, dass wir ein umfassendes Bild haben", sagte der Konteradmiral. Die Besatzungsmitglieder seien betroffen über die Vorwürfe, aber bereit, ihre Sicht der Dinge darzustellen. Niemand verweigere die Auskunft.

Die "Gorch Fock" soll jetzt Vorräte an Bord nehmen und die Rückreise nach Kiel antreten. Am Sonntag soll die Fahrt losgehen, sie kann bis Anfang Mai dauern. Die Reise in die Heimat findet ohne den abgesetzten Kommandanten statt: Norbert Schatz muss von Bord gehen. Er nimmt das Flugzeug für die Heimreise. Ohne seine Besatzung.