Fall Antonia

Behindertes Kind gequält - drei Jahre Gefängnis

| Lesedauer: 3 Minuten
Joachim Mangler

Foto: dpa

Der Lebensgefährte von Antonias Mutter hat das Mädchen über Monate misshandelt. Er muss in Haft, die Mutter bekam eine Bewährungsstrafe.

Rostock. Für die Misshandlung der heute neunjährigen Antonia hat das Landgericht Rostock am Donnerstag den Lebensgefährten der Mutter des körperbehinderten Mädchens hart bestraft. Drei Jahre soll der 31-Jährige hinter Gitter, weil er nach Überzeugung des Gerichts das Kind zwischen September 2008 und Januar 2009 mehrfach gequält, geschlagen und getreten hat. Die 29-jährige Mutter, die nach Worten des Vorsitzenden Richters eklatant versagt hat, erhielt eine 14-monatige Bewährungsstrafe und muss 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. „Das, was hier passiert ist, hat mit Erziehung nichts, aber auch nicht das Allergeringste zu tun“, sagte der Richter scharf.

Gut 30 Minuten benötigte er, um die teils rohen Taten gegenüber diesem „sehr zierlichen, überaus freundlichen“ Mädchen aufzuzählen und zu bewerten. Dessen Arme wurden mit einem Klebeband zusammengebunden und es musste die Nacht auf dem Fußboden liegen. Damit wollten die Angeklagten verhindern, dass Antonia in die Windel griff, die sie wegen ihrer Behinderung benötigt.

Antonia wurde eiskalt geduscht, und um Schreie zu verhindern, bekam sie den Mund verklebt. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen wurde sie von dem 31-Jährigen, mit dem sie seit 2008 in einer Wohnung lebte und den sie „Papa“ nennt“, mit Handschellen an die Heizung gefesselt und musste ebenfalls eine Nacht so verbringen. „Die Mutter wäre verpflichtet gewesen, das sofort zu unterbinden“, sagte der Richter.

Die übrigen Taten gingen nach Ansicht des Gerichts ausschließlich zulasten des Angeklagten. So hatte er Antonia einen rohen Faustschlag ins Gesicht versetzt, so dass sich zwei Zähne lockerten. Er schlug das Mädchen mit einer Kelle auf den Rücken, bis das Küchengerät zerbrach. Auch hatte er Antonia mit dem Schuh ins Gesicht getreten.

Antonia hatte zu dieser Zeit oft in der Schule gefehlt. Herausgekommen seien die Taten, als Antonia bei einer Feier in „einem ganz desolaten Zustand“ erschienen war. Die alarmierte Sportlehrerin hatte Verletzungen bemerkt und das Jugendamt benachrichtigt.

An den Schilderungen Antonias gebe es keine Zweifel, führte der Richter aus. So habe das Mädchen bei einer Befragung durch das Gericht den Schuh gezeichnet und gesagt:„Damit hat der Papa zugetreten.“ Die Verteidiger hatten ein zweites Gutachten zur Glaubwürdigkeit des Mädchens angefordert, was vom Gericht abgelehnt wurde. Der 31-Jährige hatte die Taten teilweise gestanden und zeigte Reue. Er hatte aber dem Richter zufolge eine „auffallende Tendenz zum Beschönigen“. Die Mutter schwieg während des Prozesses zumeist.

Wegen der Behinderung müsse auf Antonia in besonders hohem Maße Rücksicht genommen werden, betonte der Richter. Wenn man gegenüber einem solchen Kind diese Taten begeht, sei das besonders verwerflich. Es handele sich auf keinen Fall um fehlgeleitete Erziehungsmethoden. Aus der Behinderung des Mädchens ergebe sich zwar eine gewisse Sondersituation, was zu einer Überforderung der Angeklagten führte. Antonias Rechtsanwältin hatte zuvor die Frage gestellt, warum die beiden keine Hilfe geholt hätten, als ihnen die Sache über den Kopf wuchs.

Bislang durfte die Mutter ihre Tochter einmal in der Woche in einem Kinderhaus besuchen, ihrem Lebensgefährten war der Umgang verboten. Das Jugendamt habe nun zu entscheiden, wie es künftig zwischen den Beteiligten weitergehen wird, sagte Antonias Anwältin.