Tierseuche

Landwirte fürchten Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest

Mastschweine in einem Stall in Lindern in Neidersachsen. Mit Hygienemaßnahmen auf den Höfen und Aufklärungskampagnen wollen Schweinehalter den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland verhindern.

Mastschweine in einem Stall in Lindern in Neidersachsen. Mit Hygienemaßnahmen auf den Höfen und Aufklärungskampagnen wollen Schweinehalter den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland verhindern.

Foto: Carmen Jaspersen / dpa/Carmen Jaspersen

In Osteuropa breitet sich die Seuche aus. In Deutschland sind noch keine Fälle bekannt. Laut Experten ist dies nur eine Frage der Zeit.

Hannover. Mit Sorge beobachten die Landwirte in Niedersachsen die Entwicklung der Afrikanischen Schweinepest in Osteuropa. Die Viruskrankheit ist bislang unter anderem in Polen, im Baltikum, Moldawien, Rumänien, Tschechien, Russland und im April auch in Ungarn ausgebrochen. Für Menschen ist sie ungefährlich, führt aber bei Haus- und Wildschweinen oft zum Tod. „Es ist recht wahrscheinlich, dass wir irgendwann auch positive Fälle zumindest bei Wildschweinen hier bei uns bekommen“, sagte der Präsident des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves), Eberhard Haunhorst. Eine Erkrankung in einem Nutzviehbestand hätte schlimme wirtschaftliche Folgen für die Branche.

Der Virus könnte in einen Nutzviehbestand über den direkten Kontakt mit einem Wildschwein gelangen, aber auch über Speisereste, sagte Haunhorst. In einem solchen Fall müsste der betroffene Schweinebestand getötet werden, und es müsste rings um den Bauernhof ein Sperr- und Beobachtungsgebiet eingerichtet werden. „Das größte Problem sind dann Handelsrestriktionen, dass unter Umständen in bestimmten Gebieten ein Handel mit Schweinefleisch eben nicht mehr möglich wäre“, sagte Haunhorst. Einige Länder würden gar kein Schweinefleisch mehr aus Deutschland beziehen wollen. „Das hätte weitreichende Folgen für die gesamte Schweinefleischproduktion.“

Behörde erhöht Vorsichtsmaßnahmen

Die Betriebe müssten sich schützen, Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen beachten. Bereits jetzt spiele das Laves zusammen mit der Landwirtschaft und der Fleischwirtschaft Szenarien durch. „Wir als Landesamt müssen wissen, wie viele Proben können wir im Zweifelsfall untersuchen, damit wir wissen, ob bestimmte Bestände frei von dem Virus sind.“ Mitarbeiter würden geschult, auch auf Krankheitssymptome zu achten. Die Vorsichtsmaßnahmen seien vergleichbar mit den Vorkehrungen, die die Geflügelhalter gegen die Vogelgrippe getroffen haben. „Es muss alles vermieden werden, dass von einem Wildschwein der Virus in die Bestände gerät.“

Sorge bereitet vor allem, dass achtlos weggeworfene Fleischabfälle aus Osteuropa von Wildschweinen gefressen werden könnten und sie sich so mit dem Virus infizieren. Aus diesem Grund hat das Landvolk in den vergangenen Tagen mehrsprachige Informationsflyer an Autobahnraststätten verteilt. Menschen, die nach Osteuropa reisen, sollten bei der Mitnahme von Lebensmitteln vorsichtig sein, sagte Haunhorst. Am besten sei es, gar keine Fleisch- und Wurstwaren aus Osteuropa mitzubringen.

Fußball-WM in Russland könnte Problem verschärfen

Schweinehalter Heinrich Jans-Wenstrup aus Neuenkirchen-Vörden (Kreis Vechta) sagte, er und seine Kollegen sicherten Höfe und Ställe bereits mit umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen. Er habe aber die Sorge, dass bereits ein einziges infiziertes Wildschwein in Deutschland den internationalen Markt für deutsches Schweinefleisch zusammenbrechen lasse. „Wir werden einen massiven Preiseinbruch erleben“, sagte er. „Da ist eine ganz große Angst da, weil man da relativ hilflos ist, da kann man sich nicht gegen wehren.“

Daher bereite ihm auch die Fußball-WM in Russland Sorge, wegen der Touristen aus dem Westen. Das Problem seien weniger Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten, denn die seien informiert und sich der Sicherheitsproblematik bewusst. Gefährlich sei es eher, wenn jemand aus Unwissenheit Wurst- und Fleischwaren aus Osteuropa mitbringt und diese hier wegwirft. „Man muss aufklären und die Öffentlichkeit über die Gefahren informieren“, sagte Jans-Wenstrup.