DAK Gesundheitseport

Höchster Krankenstand in Niedersachsen seit 16 Jahren

Eine angehende Ärztin hält  ein Stethoskop in der Hand (Symbolfoto)

Eine angehende Ärztin hält ein Stethoskop in der Hand (Symbolfoto)

Foto: Arno Burgi / dpa

Der Deutsche Gewerkschaftsbund glaubt, dass die zunehmende Verdichtung der Arbeit, Stress und prekäre Jobs die Ursachen sind.

Hannover. Die Menschen in Niedersachsen melden sich immer häufiger krank. Der Krankenstand erreichte nach einer Studie der Krankenkasse DAK im vergangenen Jahr mit 4,1 Prozent den höchsten Wert seit 16 Jahren.

Die meisten Krankheitstage fielen mit einem Anteil von 22,5 Prozent wegen Rückenleiden oder anderer Muskel-Skelett-Erkrankungen an, wie der am Donnerstag in Hannover veröffentlichte DAK-Gesundheitsreport ergab.

An zweiter Stelle standen psychische Erkrankungen mit 17 Prozent. Frauen hatten 15 Prozent mehr Fehlzeiten als Männer. Männer litten häufiger als Frauen unter Herz-Kreislauf-Problemen; Frauen hatten fast zweimal so viele Fehltage wegen Krebserkrankungen. In Bremen standen bei den Frauen psychische Leiden an erster Stelle.

Im Bundesvergleich sei der Krankenstand in Niedersachsen durchschnittlich, hieß es. In Ostdeutschland und im Saarland lagen die Krankenstände deutlich über den Durchschnitt. Den niedrigsten Krankenstand hatte Baden-Württemberg mit einem Wert von 3,5 Prozent. In Brandenburg war er der DAK-Statistik zufolge mit 5,2 Prozent am höchsten.

Eine Erklärung für den Unterschied der Fehltage sehen die Autoren der Studie im unterschiedlichen Umgang mit Erkrankungen. Männer gingen seltener zum Arzt, sie besuchten im Durchschnitt vier Mal im Jahr einen Mediziner. Berufstätige Frauen seien im Schnitt sieben Mal im Jahr beim Arzt. „Selbst wenn man Vorsorgeuntersuchungen und schwangerschaftsbedingte Behandlungen nicht einrechnet, sind Männer weitaus seltener beim Arzt“, sagte DAK-Landeschefin Regina Schulz.

Dafür gehen mehr Frauen als Männer auch krank zur Arbeit. 70 Prozent der Frauen gaben an, mindestens einmal im Jahr krank im Job erschienen zu sein. Bei den Männern waren es 50 Prozent. Als Hauptgründe gaben sie an, ihre Kollegen nicht hängen lassen zu wollen (84,1 Prozent) und ihre Arbeit fertig kriegen zu müssen (70,5 Prozent). Das betriebliche Gesundheitsmanagement müsse auf die Unterschiede bei den Geschlechtern eingehen, sagte Schulz.

Auch die Techniker Krankenkasse (TK) meldet steigende Fehlzeiten ihrer Versicherten. Beim DAK-Wettbewerber lag der Krankenstand in Niedersachsen bei 4,4 Prozent, was einer Fehlzeit von 16 Tagen entspricht. Spitzenreiter sind auch bei der TK Muskel-Skelett-Krankheiten, die psychisch bedingten Krankheitstage nahmen auch bei der TK zu.

Aus Sicht des Deutschen Gewerkschaft-Bundes sei es ein lange zu beobachtender Trend, dass die psychischen Belastungen der Arbeit zunehmen. Grund sei eine spürbare Verdichtung der Arbeit und damit das oft vorherrschende Gefühl, gehetzt zu sein, sagte die Sprecherin des DGB in Niedersachsen, Tina Kolbeck-Landau.

„Der andere Aspekt ist, dass wir in Niedersachsen sehr viel prekäre Beschäftigung haben.“ 41,6 Prozent der Beschäftigten in Niedersachsen arbeiteten in unsicheren Jobs, auf befristeten Arbeitsstellen, in der Leiharbeit oder in Minijobs. „Spitzenreiter sind die Landkreise Delmenhorst und Osterholz, da liegt die Quote bei über 50 Prozent.“

Stress und unsichere Beschäftigungsverhältnisse sind aus Sicht der Gewerkschaften eine der Hauptursachen für Erkrankungen. Arbeitgeber müssten bei der Gefährdungsbeurteilung von Arbeitsplätzen auch die psychischen Belastungen berücksichtigen, forderte Kolbeck-Landau.