Niedersachsen

Der Büchermacher - Gerhard Steidl wird 65 Jahre alt

Verleger Gerhard Steidl hält im Steidl-Verlag in Göttingen einen Druckbogen mit Fotografien vom südafrikanischen Fotografen Santu Mofokeng. Am 22.11.2015 wird der Verleger 65 Jahre alt.

Verleger Gerhard Steidl hält im Steidl-Verlag in Göttingen einen Druckbogen mit Fotografien vom südafrikanischen Fotografen Santu Mofokeng. Am 22.11.2015 wird der Verleger 65 Jahre alt.

Foto: Swen Pförtner / dpa

Fotografen aus aller Welt kommen nach Göttingen, um mit Gerhard Steidl ihre Fotobücher als Kunstwerke zu gestalten und zu drucken.

Göttingen.  Für Gerhard Steidl soll jedes Buch, das er druckt, ein Kunstwerk sein: „Ich mache Bücher für die Ewigkeit“. Schon viele Jahre ist er mit seinem Göttinger Verlag Partner bedeutender Fotografen wie Berenice Abbott, Robert Frank oder William Eggleston. Sie schätzen seine großen Qualitäten als Meister des Siebdrucks, er stellt keine Massenware her.

In Deutschland ist Steidl, der am 22. November 65 Jahre alt wird, erst als Verleger von Günter Grass auch einem größeren Publikum bekanntgeworden - vor allem durch „Vonne Endlichkeit“, dem letzten Buch des Nobelpreisträgers. Es erschien im Sommer 2015 kurz nach dem Tod des Dichters. Steidl besitzt seit 1993 weltweit die Rechte an allen Veröffentlichungen von Grass, mit dem er auch eng befreundet war.

Steidl gründete seinen Verlag mit 18 Jahren

Geboren wurde der Verleger 1950 in Göttingen. Er hat seiner Heimatstadt immer die Treue gehalten. Hier sind Verlag und Druckerei angesiedelt und auch das Grass-Archiv, das am 12. Juni 2015 eröffnet wurde.

Steidl hat mit 17 Jahren Abitur gemacht und schon ein Jahr später seinen Verlag gegründet. Als Drucker begann der Autodidakt mit Druckgrafik und Plakaten. Er arbeitete mit Klaus Staeck zusammen, der mit seinen politisch oft frechen Plakaten bekannt wurde. Zu einem Glücksfall wurde auch Steidls Kontakt zu Joseph Beuys, für den er Druckgrafik produzierte.

Mit der Zeit konzentrierte Steidl sich immer mehr auf die Fotografie, seine Druckkunst sprach sich herum. Sorgfältig sucht er nach den genau richtigen Papieren, verbessert seine Druckverfahren, druckt nur analog, nicht digital. In einem Katalog schrieb er: „Bücher sind im Grunde wie du und ich: Sie wollen gesehen, berührt, gerochen, kurz: mit allen Sinnen erfahren und gewürdigt werden.“ Ähnlich würdigt Steidl auch die auf Papier gedruckte Zeitung, sie habe eine ganz andere Aura als journalistische Berichte im Internet.

Steidl holte Robert Frank vom Sofa

Große Fotografen vertrauten ihm ihr Lebenswerk an, allen voran Robert Frank, der seit Jahrzehnten in den USA und Kanada lebende fotografische Chronist des amerikanischen Lebens. Geplant sind 40 Bände. Dem Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ erzählte Steidl einmal, was Franks Frau ihm gesagt hatte: Bevor die Edition bei Steidl begann, habe ihr Mann auf dem Sofa gelegen und sich gelangweilt. Seit in Göttingen seine Fotografien gedruckt würden, sei der inzwischen 90-Jährige aktiv geworden, bereite ein Buch nach dem anderen vor.

Steidl druckt aber auch Bücher von berühmten Lichtbildnern wie René Burri, Henri Cartier-Bresson oder Walker Evans. Und er organisiert Ausstellungen, zum Beispiel mit Karl Lagerfeld, mit dem er seit 1993 auch den eigenen Imprint-Verlag Edition 71 betreibt.

„Vonne Endlichkeit“, das letzte Buch von Günter Grass, kam in die Bestsellerliste des „Spiegel“: Gedichte, Geschichten, Gedanken und viele Bleistiftzeichnungen. Grass nimmt geradezu zärtlich von der Welt und dem Leben Abschied. Das letzte Buch wird aber nicht das letzte bleiben - Dichter und Verleger hatten beizeiten noch einige Veröffentlichungen aus dem Nachlass verabredet.