Angebliche Angriffe

Verwechselte ein Jäger den Fuchs mit einem Wolf?

Ein Wolf, aufgenommenim Wildpark Eekholt. Viel Menschen fühlen sich von Wölfen bedroht. Dabei passt der Mensch überhaupt nicht in das Beuteschema des wilden Tieres

Ein Wolf, aufgenommenim Wildpark Eekholt. Viel Menschen fühlen sich von Wölfen bedroht. Dabei passt der Mensch überhaupt nicht in das Beuteschema des wilden Tieres

Foto: Carsten Rehder / dpa

Horror-Geschichten aus Niedersachsen, nach denen Wölfe Menschen und Hunde attackiert haben sollen, wurden jetzt von Experten widerlegt.

Hannover. Die dramatischen Schilderungen eines Jägers, der Ostern von einem Wolf angegriffen worden sein will, haben sich als Fantasie erwiesen. Das hat die Antwort auf eine Anfrage der CDU-Fraktion im niedersächsischen Landtag ergeben. Darüber berichten die Tageszeitung taz und der NDR.

Im Interview mit dem Jägermagazin hatte Jäger Ralf K. im April von einem Wolf berichtet, der auf einem Acker nahe Göhrde in Niedersachsen „nur wenige Schritte entfernt“ auf ihn zugerast sei. „Hätte ich meine Kurzwaffe nicht dabei gehabt, wäre ich jetzt vielleicht tot“, erzählte er damals im Jägermagazin. „Er hatte den Fang leicht geöffnet, sein Rücken bildete mit der Rute eine grade Linie“. Weiter schildert das Magazin eine dramatische Szene: In letzter Sekunde riss er deshalb die Pistole aus der Tasche, entsicherte und schoss vor sich in den Boden. Mit einem kleinen Schlenker quittierte der Grauhund Schussknall und Mündungsfeuer und striff das Hosenbein von Ralf K., bevor er in der Dunkelheit verschwand.

Spuren von Rehen und Füchsen hat es gegeben

Die CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag wollte genau wissen, was damals in Boize passiert war und und stellte eine kleine schriftliche Anfrage. In der Antwort auf diese Anfrage wurde nun bekannt, dass ein Gutachten des Umweltministeriums zu folgendem Schluss kommt: Einen Wolfsangriff gab es in Boitze mit Sicherheit nicht. „Die Schilderungen des Jägers sind mit den durch Spuren nachvollziehbaren tatsächlichen Vorkommnissen nicht in Übereinstimmung zu bringen“, antwortet Niedersachsens grüner Umweltminister Stefan Wenzel auf die Anfrage. „In unmittelbarer Umgebung des Orts des geschilderten Geschehens fand sich keine Wolfsfährte.“

Um jeden möglichen Hinweis auf das tatsächliche Geschehen zu ergründen, wurde in unmittelbarer zeitlicher Folge ein Fachmann für Tierspuren mit der genauen Analyse der Spurenlage am Ort des Geschehens und dessen näherer Umgebung beauftragt. Diese Spurensuche erbrachte eine Vielzahl verschiedener und verschieden alter Tier- und Menschenspuren.

Im Bericht der Landesregierung steht auch: Unter den Spuren in unmittelbarer Umgebung des Orts des geschilderten Geschehens fand sich keine Wolfsfährte. Eine Canidenfährte fand sich dagegen in der weiteren Umgebung. Diese war sehr gut verfolgbar, ihr Verlauf wäre ohne Störung in einigem Abstand zum Hochsitz in gerader Linie an diesem vorbei gelaufen, wies aber eine deutliche Abweichung weg vom Hochsitz auf, der in einem ungefähren Halbkreis vom Caniden umschlagen wurde, bevor dieser seine vorher eingeschlagene Richtung wieder aufnahm.

Die von dem Jäger geschilderten Entfernungen konnten an keiner Stelle des Spurverlaufs bestätigt werden. Am Ort des Geschehens festgestellte Tierhaare wurden genetisch untersucht und konnten einem Fuchs zugeordnet werden.

Im Ergebnis muss festgestellt werden, dass die Schilderungen des Jägers mit den durch Spuren nachvollziehbaren tatsächlichen Vorkommnissen nicht in Übereinstimmung zu bringen sind, heißt es in der Antwort des Umweltministers

Hunde töteten den Chihuahua bei Celle

Ebenso hat sich die Befürchtung, Wölfe hätten hätten bei Celle einen kleinen Hund getötet, als unbegründet erwiesen: Anders als vom Hundebesitzer geschildert wurde der am 5. August tot aufgefundene Chihuahua-Rüde nicht von Wölfen attackiert.

Die Untersuchungen des Labors für Wildtiergenetik Senckenberg im Auftrag des NLWKN ergaben keinen Hinweis auf den „Canis lupus lupus“, den europäischen Wolf. Vielmehr wiesen die Speichelreste des Angreifers, die unter anderem am Geschirr des toten Hundes sichergestellt wurden, das genetische Profil eines Hundes mit Verdacht auf Wolfhund auf, teilte das NLWKN mit.

Über zwei Haare im Maul des Chihuahuas konnte ein weiterer Canide (hundeartiges Tier) nachgewiesen werden, der offenbar an der Attacke beteiligt war. „Die Qualität der Probe reichte zwar nicht für einen kompletten genetischen Fingerabdruck, die vorhandenen Spuren schließen aber einen europäischen Wolf aus und deuten auf einen Wolfhund hin“, erklärte Verena Harms vom Wolfsbüro des NLWKN.

Parallel ergab die pathologische Untersuchung des toten Hundes in der Tierärztlichen Hochschule in Hannover, dass dieser den Bissverletzungen erlegen war.

„Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit mindestens zwei Wolfhunde an der Attacke beteiligt waren“, ergänzte Harms.