Debatte um Adoptionsrecht

Empörung nach Äußerung von Justizminister Busemann

Der niedersächsische Justizminister lehnt ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare ab. Er sorgt sich ums Kindeswohl.

Hannover. Die Äußerungen des niedersächsischen Justizministers Bernd Busemann (CDU) zu einem Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare empören Opposition und Verbände. Busemann hatte am Freitag ein von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) vorgeschlagenes generelles Adoptionsrecht mit Verweis auf das Kindeswohl abgelehnt. Die Linken und Jungen Liberalen warfen ihm daraufhin Diskriminierung vor. Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) nannte Busemanns Argumentation unverantwortlich.

Busemann betonte, das Wohl des Kindes müsse Vorrang vor dem Willen des Paares haben, da Kinder gleichgeschlechtlicher Paare Stigmatisierungen und Mobbing zu befürchten hätten. Darüber hinaus sei das Vorhandensein von Vater und Mutter für die „Erziehung und Persönlichkeitsentwicklung der Kinder von besonderer Bedeutung“. Er respektiere die Entscheidung von Menschen, „in anderen Formen der Partnerschaft ihren Lebensentwurf zu verwirklichen“. Eine „undifferenzierte Gleichstellung mit der Ehe zwischen Mann und Frau“ lehne er aber ab.

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„Busemanns Stammtisch-Einstellung ist empörend, er leistet damit einer weiteren Diskriminierung Vorschub“, sagte die Fraktionsvorsitzende der Linken, Kreszentia Flauger. Es sei falsch, aus der Diskriminierung homosexueller Paare eine Einschränkung des Kindeswohls zu konstruieren und so „die Logik der homophoben Täter zur Grundlage der Politik des Landes Niedersachsen“ zu machen.

Der Vorsitzender der Jungen Liberalen, Oliver Olpen, warf dem Minister ebenfalls vor, sich „zum Sprachrohr der Homophoben“ zu machen. Er sei schockiert, dass Busemann gleichgeschlechtliche Liebe als Abweichung von der Norm betrachte und nun selbst mit dem Finger auf diese Paare zeige.

Der LSVD mahnte, sich doch an die Fakten zu halten und verwies auf eine Studie des Bundesjustizministerium aus dem Jahr 2009. Laut dieser sei nicht die sexuelle Orientierung der Eltern, sondern die Beziehungsqualität und das Klima in der Familie entscheidend für die Kindesentwicklung. Busemanns Äußerungen seien eine „Herabwürdigung“ für gleichgeschlechtliche Paare, die bereits Kinder hätten. „Zu behaupten, Kindeswohl sei nur eine heterosexuelle Angelegenheit, ist einfach Blödsinn“, sagte LSVD-Sprecher Axel Blumenthal.