Mitmenschlichkeit

Auch die Hansestadt Wismar will nett zueinander sein

Machen mit: Sibylle Hofmann, Leiterin der Polizeiinspektion Wismar; Gerhard Raabe, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Wismar, Kerstin Weiss, Land­rätin des Kreises Nordwestmecklenburg, Wolfgang Eick, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung, Thomas Beyer, Bürgermeister von Wismar; Klaus-Dieter Sass, Schulleiter der Geschwister-Scholl-Stadtschule.

Machen mit: Sibylle Hofmann, Leiterin der Polizeiinspektion Wismar; Gerhard Raabe, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Wismar, Kerstin Weiss, Land­rätin des Kreises Nordwestmecklenburg, Wolfgang Eick, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung, Thomas Beyer, Bürgermeister von Wismar; Klaus-Dieter Sass, Schulleiter der Geschwister-Scholl-Stadtschule.

Foto: Eik Schäfer

Initiative der Bürgerstiftung nach dem Abendblatt-Vorbild. Bei der Präsentation der Aktion herrschte Einigkeit.

Wismar/Hamburg.  Eine gemeinnützige Idee macht Schule: Nach Modell des Hamburger Abendblatts stellt jetzt auch die Bürgerstiftung der Hansestadt Wismar eine Initiative für ein respektvolles Miteinander im Alltag auf die Beine. Das Motto ist Programm, hier wie da: „Seid nett zueinander“. In Anwesenheit des Bürgermeisters, der Landrätin und weiterer namhafter Persönlichkeiten wurden die Aktivitäten jüngst vorgestellt. In einer großformatigen Überschrift brachte die Ostseezeitung die Aktion so auf den Punkt: „Aktion für freundlichen Umgang“.

Äußeres Zeichen für die inhaltlichen Maßstäbe dieser Idee ist ein Aufkleber mit dem Leitsatz. Im Gegensatz zum Grün des Abendblatts und in Harmonie zu den Stadtfarben Wismars ist der runde „Botschafter“ an der Ostseeküste rot. „Bei uns ist die Sache äußerst positiv angelaufen“, berichtet Gerhard Raabe, Vorstandsvorsitzender der 1998 ins Leben gerufenen Bürgerstiftung. Sie ist die erste ihrer Art in den neuen Bundesländern. 84 Zustifter brachten damals umgerechnet 134.000 Euro Grundkapital auf. Seitdem förderte die gemeinnützige Institution 390 soziale, kulturelle, sportliche und gesellschaftliche Initiativen. Unter dem Strich stellte die Bürgerstiftung dafür rund 400.000 Euro zur Verfügung.

Auch wenn in der Hansestadt in Mecklenburg mit 45.000 und im Landkreis mit 180.000 Einwohnern weit weniger Menschen als im Großraum Hamburg leben, sind die alltäglichen Probleme ähnlich: Rücksichtsloses Verhalten und ein rüder Umgangston nehmen zu. „Auch mit kleinen Zeichen und Taten gilt es dagegenzuhalten“, sagt Gerhard Raabe im Namen der Bürgerstiftung. Der Aufkleber mit dem Aktionsmotto ist nur ein Beispiel

Der Umgangston ist deutlich rüder geworden

Bei der Präsentation der Aktion herrschte Einigkeit: Es muss etwas geschehen, um respektvolles Miteinander zu fördern. Es ist an der Zeit, Zeichen zu setzen. „Das Thema soll in das Bewusstsein der Menschen gebracht werden“, sagte Wismars Bürgermeister Thomas Beyer. Es sei schon heftig, was man bisweilen an Beschimpfungen höre. „Die Hemmschwelle ist in den vergangenen Jahren weitaus niedriger geworden“, ergänzte Kerstin Weiss als Landrätin von Nordwestmecklenburg. Um in den Behörden problemlösend eingreifen zu können, würden die Mitarbeiter seit geraumer Zeit geschult.

Zustimmung erhielt sie von Sibylle Hofmann, Leiterin der für den gesamten Kreis zuständigen Poizeiinspektion in Wismar: „Der Slogan auf den Aufklebern ist so simpel wie wahr.“ Auch bei der Polizei gehe es „leider nicht immer nett zu“. Sie wünsche sich mehr Respekt und einen Lerneffekt aus der Aktion. „Das freundliche Wort ist die Basis für ein gutes Miteinander“, weiß Klaus Sass als Sprecher der Schulen im Kreis. „Wenn wir als Lehrer den Schülern freundlich gegenüber auftreten, sind sie motivierter und verhalten sich dementsprechend.“ Nicht nur er hofft, dass der aktuelle Anstoß Schule macht.

Nach der enormen Resonanz in den Medien Mecklenburg-Vorpommerns und dem Widerhall auf die rasch vergriffenen Aufkleber sollen die Werbe- und Sympathieträger nachgedruckt werden. Neben dem Motto, nett zueinander sein zu wollen, ist das Wahrzeichen Wismars auf rotem Grund abgebildet: Das rund 420 Jahre alte, zwölfeckige Bauwerk Wasserkunst auf dem historischen Marktplatz der Hansestadt.

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„Eigentlich müsste diese Aktion bundesweit durchgeführt werden“, regt Bürgerstiftungschef Gerhard Raabe an. Die Initialzündung erhielt der 77-Jährige übrigens durch die Lektüre des Hamburger Abendblatts. Um die Rechte abzuklären, reichten eine Mail und ein Telefonat. In Börnsen vor den Toren Hamburgs aufgewachsen und in Bergedorf zur Schule gegangen, hat das Ehepaar Ulrike und Gerhard Raabe seine frühere Heimat nach wie vor im Herzen – auch als Abonnenten des Abendblatts.

„Ich mag Tradition“, sagt er hanseatisch schnörkellos. 1991, ein Jahr nach der Wiedervereinigung, ging er als Chef der Sparkasse Wismar ins benachbarte Bundesland. Gute Beziehungen sind geblieben.