Ernährung

So geht gesund – ganz ohne erhobenen Zeigefinger

Die Lüneburgerin Lynn Hoefer erreicht mit ihrem Blog "Heavenlynn Healthy" bis zu 80.000 Menschen monatlich, jetzt bringt die 29-Jährige ein neues Buch mit gesunden Rezepten heraus.

Die Lüneburgerin Lynn Hoefer erreicht mit ihrem Blog "Heavenlynn Healthy" bis zu 80.000 Menschen monatlich, jetzt bringt die 29-Jährige ein neues Buch mit gesunden Rezepten heraus.

Foto: Andreas Laible

Mit dem Blog „Heavenlynn Healthy“ erreicht eine Lüneburgerin bis zu 90.000 Leser monatlich. Worin liegt ihr Geheimnis?

Lüneburg.  Nur noch wenige Tage, dann sei sie im „Club der Weisen“ angekommen, freut sich Lynn Hoefer. Dann werde sie endlich 30 Jahre alt. Wer das Älterwerden ersehnt, der hat wahrscheinlich ein „Forever young“-Rezept, oder im Falle von Lynn Hoefer sogar Tausende. Die Food-Bloggerin postet auf ihrem Blog „Heavenlynn Healthy“ seit acht Jahren Gesundheitstipps und viele Anleitungen, wie man ein gesundes Frühstück, Mittag- oder Abendessen hinbekommt – ohne teure Superfoods.

In ihren Rezepten verzichtet sie auf weißen Zucker, Gluten, Fleisch und verarbeitete Lebensmittel aller Art. Weil die Sachen – oh Wunder – dennoch super schmecken, lesen im Monat bis zu 90.000 Menschen ihre Blog-Beiträge. Jetzt am Anfang des Jahres gehen die Klickraten noch mal um bis zu 30 Prozent hoch. „Wenn ‚einfach‘ und ‚gesund‘ in den Rezeptbeschreibungen auftaucht, geht es richtig ab“, erklärt Hoefer lachend.

Blog „Heavenlynn Healthy“: So geht gesund

Ohne Mühe kommt dieser Erfolg nicht daher, teilweise arbeitet sie tagelang an einer Rezeptentwicklung daheim in ihrer Küche, was vor allem ihre Nachbarn in Lüneburg freut. Ein Prinzip der Norddeutschen liegt darin, nichts wegzuschmeißen, weshalb sie alle ihre Testportionen in ihrem Haus verteilt. Oder – sollten die mal nicht da sein – tatsächlich selbst aufessen muss.

Allein für das Waffelrezept in ihrem neuen Buch „Einfach himmlisch gesund“ buk sie haufenweise, bis sie endlich zufrieden war. Waffeln ohne Bindemittel wie Gluten oder Chiasamen so hinzubekommen, dass sie fluffig sind, scheint nämlich gar nicht so leicht. „Außerdem sollen sie ja noch köstlich schmecken. Es bringt nichts, wenn ich gesundes Essen mache, das alle ausspucken“, sagt die Bloggerin.

Nachhaltig einkaufen – ohne erhobenen Zeigefinger

Die Ansprüche an die Autorin seitens ihrer Leser im Netz sind in den letzten Jahren gestiegen. Produkte wie Chiasamen, die einen langen Transportweg von Südamerika haben, oder Akazienhonig aus Kanada verwendet sie kaum mehr, genauso wenig wie Kokosöl oder Avocados. „Avocados sind zum Sinnbild des Bösen geworden, da würde man einen Shitstorm ernten“, erklärt Hoefer.

Ihrer Ansicht nach habe der Klimawandel einen großen Anteil daran, dass viele Menschen sich inzwischen bewusster ernähren beziehungsweise zumindest verstehen, dass Ernährung und Klima in einem Zusammenhang stehen. „Man kann nicht alles richtig machen, und auch ich bin noch weit davon entfernt, ein nachhaltiges Leben zu führen, aber ich versuche, meinen ökologischen Fußabdruck kleinzuhalten“, sagt die Bloggerin. Sie kauft regional und saisonal auf dem Markt, so vermeidet sie Plastikmüll und erhält nebenbei Tipps von den Marktleuten, ihrer Ansicht nach die beste Quelle für neue Rezeptideen.

Erst 22 und schon den Blutdruck einer 90-Jährigen

Auf dem Goldbekmarkt lernte sie beispielsweise „Gurken-Günther“ kennen. Als sie ein Gericht mit dem von ihm hergestellten Kimchi (fermentiertes Gemüse) postete, wurde der gute Mann geradezu überrannt. Er musste sich zwei neue Gärfässer anschaffen, um die Nachfrage zu bedienen.

Hoefer freut sich darüber, Teil eines Wandels zu sein. „Mir ist klar, dass ich in einer Gesundheitsblase lebe. Es gibt immer noch Menschen, die von Greta nichts gehört haben, aber das Bewusstsein wächst.“ Lynn Hoefer dachte, als sie mit ihrem Blog begann, ihre vegetarische, gluten- und milchfreie Ernährungsweise würde lediglich eine Nische füllen. Zu der Zeit feierten alle den fettfrei-Trend. „Wer da noch einen Vollfett-Joghurt zu sich nahm, galt als crazy“, sagt Hoefer, die nie Kalorien zählt und nichts von erhobenen Zeigefingern hält.

Bloggerin rät Bio-Qualität für pestizidbelastete Produkte

Die ausgebildete Ernährungsberaterin will niemanden belehren, an Restriktionen glaubt sie nicht. Sie isst auch mal Tiefkühlpizza oder Kuchen, und ihrer Ansicht nach muss man keineswegs jedes Lebensmittel in Bio-Qualität erwerben. Ananas, Blumenkohl, Mango, Spargel, Süßkartoffeln und Zwiebeln könnten durchaus in einem normalen Supermarkt eingekauft werden.

Bei Produkten, die mit vielen Pestiziden belastet sind (etwa Äpfel, Erdbeeren, Grünkohl, Tomaten, Weintrauben und Gurken) empfiehlt sie jedoch Bio-Ware. Auch bei gemahlenen Gewürzen sei das ratsam, „da steckt sonst nur noch Müll drin“.

Rezepte gegen Bluthochdruck auf „Heavenlynn Healthy“-Blog

Den Startschuss für Hoefers Karriere als Gesundheits-Autorin war übrigens eine Diagnose im Jahr 2012. Bluthochdruck. Mit 22 Jahren. Zu der Zeit studierte die Norddeutsche, die in ihrer Jugend Leistungssport gemacht hatte, in North Carolina. „Silent Killer“ nennt man Bluthochdruck auch, weil man ihn kaum bemerkt, er aber nach und nach die Gefäße zerstört.

Das schlanke Mädchen mit dem Bluthochdruck einer 90-Jährigen rannte von Spezialist zu Spezialist, und alle sagten, sie müsse leider für den Rest ihres Lebens Tabletten nehmen. Damit wollte sich die Studentin nicht abfinden und stellte ihre Ernährungsweise um. Ihre ersten selbst gebackenen Kekse aus Bohnen und Samen schmeckten scheußlich.

Gemüse zum Frühstück und ein After-Hour-Isemarkt

Um ehrlich zu sein: Auch acht Jahre später ist der Bluthochdruck nicht ganz verschwunden. „Aber ich fühle mich viel fitter,“ sagt die Ernährungsexpertin, die auch ihren Mann, einen ehemaligen Spitzensportler, von der rein pflanzlichen Ernährung überzeugte. Was soll ich vor dem Training essen, was danach? Irgendwann fragten auch seine Teamkameraden nach Tipps. Leistungssteigerung durch Linsensuppe, Hummus und Quinoa – es funktionierte.

Während unseres Interviews im Ændrè in Eppendorf (rein vegane Karte, alles köstlich), wird Lynn erkannt: „Hallo!“ Große Freude. Anna Gliemer führt das Unternehmen „Gleem“ und stellt nicht süße Süßigkeiten wie zuckerfreie Schokolade, vegane Brownies oder Zucchini-Tiramisu her.

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Die Foodies untereinander kennen sich – und sie werden mehr. Am 14. Februar veranstalten sie von 15 bis 18 Uhr einen Pop-up After-Hour-Isemarkt in der Hobenköök im Oberhafen (Stockmeyerstraße 43). Dort werden sich viele frische Manufakturen vorstellen. Wer einen Einstieg in gesunde Ernährung wagen will, könnte dort vielleicht einmal vorbeigehen.

Drei Alltagstipps: Lies! Gemüse! Stilles Wasser!

Vorab gibt es von der Bäckerin drei Tipps für den Alltag: „1. Lies nach, was du ist! Wenn du nicht weißt, von welcher Pflanze es stammt, iss es nicht. 2. Starte deinen Tag mit Gemüse. Süßkartoffeln aus dem Ofen mit Gewürzen schmecken toll zum Frühstück und lassen sich einfach in 20 Minuten zubereiten. 3. Trink stilles Wasser, nicht zu kalt. Nur so füllt man seinen Wasserhaushalt auf. Tee wird anders verwertet vom Körper.“

Anna Gliemer und Lynn Hoefer bestellen nun beide Porridge. Haferbrei. Wie früher. Eigentlich sei das ja schon das ganze Geheimnis, meint Hoefer. „Wir müssten uns einfach so ernähren wie unsere Großeltern, bevor der ganze abgepackte Kram in die Supermärkte kam.“