Träumen von einer besseren Welt

Foto: Martin Jäschke

Laiengruppe begeistert mit utopischen Gedanken im Theater Lüneburg

Lüneburg. Herr Krummschnösel will nach Utopia einwandern. Um seiner neuen Heimat finanziell nicht zur Last zu fallen, bringt der erfolgreiche Börsenmakler einen Koffer mit. Inhalt: eine Million Euro. Dafür habe er immerhin ein halbes Jahr gearbeitet. Doch die Mitarbeiterinnen der Einwanderungsbehörde in Utopia lachen Herrn Krummschnösel aus: In ihrem Land sei Geld leider gar nichts wert. Auch Überstunden gebe es keine, stattdessen arbeite jeder nur solange er Freude daran hat. Der Börsenmakler zeigt verdattert auf den Koffer und fragt: "Und was machen wir jetzt damit?" Die Antwort klingt utopisch - aber auch befreiend: "Da freuen sich die Kinder. Aus den Euronoten können sie schöne bunte Papierschiffchen basteln."

Aus vielen Kurzepisoden wie dieser hat die Theatergruppe des Projekts "Utopia! Wie wollen wir leben?" eine zugleich mitreißende und humorvolle wie nachdenklich stimmende Szenencollage zusammengebastelt. Das beachtliche Ergebnis der Truppe, die überwiegend aus Laien besteht, heißt "Utopie - or not to be" und war am Freitag und Sonnabend im T.NT im Theater Lüneburg zu sehen. Während die Premiere nahezu ausverkauft war, blieben am Sonnabend einige Reihen leer.

Dessen ungeachtet präsentierten die zehn Darsteller ihre ganz eigenen Utopie-Vorstellungen sehr engagiert. Phillippe Bulasch ist begeistert vom Utopia-Projekt, denn er will "nicht nur rumsitzen und mäkeln, sondern zusammen mit vielen Menschen, die die gleichen Interessen haben, etwas bewegen." Und seine Kollegin Uta Schlobohm-Sabin ergänzt: "Ein bisschen Weltverbessertum auf die Bühne zu bringen, ohne den ewigen erhobenen Zeigefinger, das macht einfach Spaß."

Das Publikum quittierte die meist sehr gute schauspielerische Qualität und die gesunde Selbstironie der Truppe mit spontanem Szenenapplaus. "Es gibt Zuschauer, die wollen, dass wir einmal pro Woche ein Stück aufführen", sagte Regisseurin Birgit Becker stolz. Sie initiierte und leitete das Projekt zusammen mit ihrem Schauspiel-Kollegen Raimund Wurzwallner. Eine Fortsetzung sei nicht ausgeschlossen.

Eine Vorstellung von "Utopie - or not to be" steht noch aus: Am Freitag, 22. Oktober, um 20 Uhr im T.NT-Studio im Theater Lüneburg.