Elbschloss-Festival vor dem Umbruch

Foto: Elbschloss Bleckede

Einstampfen oder kürzen - der dramatische Rückgang der Besucherzahlen zum Mittsommer in Bleckede fordert weitreichende Veränderungen

Bleckede. Das Elbschloss-Festival steckt in der Krise. Obwohl von hohem künstlerischen Niveau und gelobt von überregionalen Feuilletons, wurden in diesem Sommer nur noch 707 Besucher in Bleckede gezählt. Im Vorjahr waren es immerhin 770 gewesen.

So wurde denn der dramatische Gäste-Schwund des siebentägigen Mittsommer-Musikfestivals Thema im Ausschuss für Partnerschaft und Kultur des Landkreises. Die Berichtsvorlage für die Ausschussmitglieder ließ keinen Zweifel an der dramatischen Lage: "Im Beirat des Elbschloss-Festivals ist Einigkeit darüber erzielt worden, dass das Festival deutliche Veränderungen erfahren muss. Dies sowohl im Hinblick auf den Verlauf als auch auf das Programm."

Seit der Erstauflage 2008 sind die Besucherzahlen rückläufig. Dabei durfte die Veranstaltung auf drei Jahrzehnte Festival-Erfahrung mit dem "Musikalischen Frühling Schloss Bleckede" bauen. Der musikalische Frühling galt noch als erfolgreicher Selbstgänger. Ernste Musik und gehobene Unterhaltungsmusik zogen Zuhörer von nah und fern an. Mit dem neuen Konzept stiegen jedoch die Ansprüche. Ziel war es, sich von anderen Festspielen abzuheben und neue Besuchergruppen anzusprechen. Vor allem durch die enge Einbindung von Musikhochschulen: Es sollten talentierte Künstler von morgen, aber auch zeitgemäße und innovative Aufführungs- und Vermittlungsformen präsentiert werden.

"Vielleicht ist das Niveau zu hoch und die sogenannte ernste Musik nicht mehr angesagt", sagt Florian Fichtner, künstlerischer Leiter des diesjährigen Sommer-Festivals. Klar ist auf jeden Fall auch ihm: So geht es nicht mehr weiter. Dabei kann er sich keinen schöneren Ort für ein derartiges Event vorstellen als den Bleckeder Schlosshof. "Die Konzertbesucher sind von Natur umgeben und hören das Zwitschern der Vögel. Das ist einmalig schön und unser Joker", dachte sich der Bleckeder Komponist und Pianist.

Um das Festival zu retten, gibt es bereits konkrete Überlegungen: Mit der zeitlichen Begrenzung auf ein Wochenendes könnten auch erhebliche Kosten eingespart werden.

Bis zum vergangenen Sommer gab es noch etliche Zuschüsse: 15 500 Euro vom Landkreis, 14 500 Euro von der Metropolregion Hamburg, 11 000 Euro durch Eigenleistungen der Stadt Bleckede, 20 999 Euro aus Regional- und Eigenmitteln des Lüneburgischen Landschaftsverbandes und 2000 Euro von örtlichen Sponsoren, insgesamt 64 000 Euro. Damit soll nun Schluss sein. Künftig werden die Veranstalter mit drei Programmtagen und einem fast halbierten Budget von 35 000 Euro auskommen müssen.

Genaueres weiß Bleckedes Bürgermeister Jens Böther zu berichten: "Wir im Festival-Beirat haben bereits eine Idee, die allerdings noch nicht festgezurrt ist." Neben der Reduzierung auf einige hochkarätig besetzte Konzerte sollen das Mittsommer-Nachtfest, der Bereich des erfolgreichen Kindertheaters sowie der musikalische Wettbewerb der Schulen erhalten bleiben. "Wir wollen vor allem das heimische Publikum zurückgewinnen", so Böther.

Florian Fichtner teilt die Ansicht des Bürgermeisters: "Man sollte weniger den Fokus auf das gehobene Publikum aus dem Hamburger Speckgürtel legen, sondern regional wieder attraktiver werden. Vielleicht sind die Leute den klassischen Konzertcharakter auch leid."

Andererseits: Lockere Formen, an denen die Konzertbesucher es sich an Tischen und Bänken bequem machen, dabei essen und sich amüsieren, dass entspricht auch nicht den Intentionen des ernsthaften Komponisten.