Kommentar

Es geht um Lebensqualität

Das Vorhaben, den Tiergartenkamp nahe Kaltenmoor für Wohnzwecke zu erschließen, musste Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge vor einigen Monaten - vermutlich zähneknirschend - aufgeben.

Am breiten Widerstand von Anwohnern und Naturfreunden scheiterte die Ausweisung des neuen Wohngebietes am Waldfriedhof.

Mit der Bebauung den Freiflächen und Militärbrachen am Meisterweg, wo das neue Hanseviertel entsteht, und mit der Beplanung der ehemaligen Bahnanlagen an der Wittenberger Bahn nähert sich die Stadt nun einem Punkt, an dem es eng wird für Häuslebauer. Das Reservoir an verfügbaren größeren Freiflächen scheint nahezu ausgeschöpft, größere Neubauvorhaben stoßen allmählich an Kapazitäts- und Stadtgrenzen.

Nicht gar so dramatisch, wird mancher denken, schließlich steht der demographische Wandel unmittelbar bevor. Die Bevölkerungszahlen sind rückläufig, wozu braucht es da noch immer mehr Neubaugebiete? Doch gerade ältere Menschen, von denen wir in den nächsten Jahren anteilig in der Bevölkerung immer mehr haben werden, wollen derzeit zurück in die Städte, um die Infrastruktur dort zu nutzen. Auf dem Land findet sich oftmals keine geeignete Kulisse mehr, um als Senior einen entspannten Lebensabend in gewohnter Umgebung zu verbringen.

Es fehlt an Ärzten, Möglichkeiten zum Einkauf und - für die zunehmend aktiven älteren Menschen - an Freizeitangeboten auf dem Land. Es ist mithin absehbar, dass der Trend in die Stadt eher noch zunehmen als umgekehrt wird.

Die große Aufgabe wird es daher für Stadt- und Raumplaner in Zukunft mehr denn je sein, die sich abzeichnenden Unterschiede in der Lebensqualität zwischen Stadt und Land stärker als bisher zu relativieren. Anders wird man nicht verhindern können, dass unsere Städte aus den Nähten platzen, während die Region in der Fläche gleichzeitig verödet.