Kommentar

Schluss mit dem Aussitzen

Ein lauter Aufschrei der Empörung hört sich anders an.

Immerhin hat es eine Woche gedauert, bis nach den Grünen im Kreistag, die als erstes ihre Ablehnung kundgetan hatten, sich jetzt die nächsten Kommunalpolitiker zu einem wichtigen und brisanten Thema zu Wort melden. Die SPD-Kreistagsfraktion kündigt ihren Widerstand gegen den möglichen Bau einer Hähnchenmastanlage für 84 000 Tiere in der Gemarkung Rullstorf an. Es ist lobenswert, dass Grüne und Genossen aus dem Kreistag Farbe bekennen. Sie sind gegen die Massentierhaltung im Landkreis Lüneburg und teilen das nun auch jedem mit.

Aber was ist mit den anderen Parteien? Warum ist von den unmittelbar Betroffenen vor Ort nichts zu hören? Kein Bürgermeister hat sich bislang gerührt. Alle scheinen abgetaucht zu sein und schweigen. Es entsteht der Eindruck, die Devise lautet, lieber nichts zu sagen, als sich eindeutig für oder gegen die Hähnchenmast in Rullstorf zu positionieren. Aussitzen heißt das Prinzip.

Damit muss Schluss sein. Bürgermeister, Gemeinderäte und deren Fraktionen sind den Bürgern gegenüber in der Pflicht. Die Menschen haben ein Recht darauf, zu wissen, wie ihre gewählten Vertreter über ein gesellschaftlich so bedeutsames Thema wie die Massentierhaltung denken. Schließlich könnte sie die weitere Entwicklung und das Leben in der Region nachhaltig beeinflussen. Wer weiter schweigt, wird die Quittung dafür vielleicht schon im kommenden Jahr erhalten. Dann werden die kommunalen Parlamente neu gewählt.