Kommentar

Es bleibt ein Restrisiko

Die Wetterkapriolen am Oberlauf der Elbe wiederholen sich. Wie schon im August 2002 lassen erneut Wolkenbrüche in Sachsen und Tschechien die Elbe innerhalb weniger Stunden zu einem reißenden Fluss anschwellen.

Die Welle wird auch jetzt wieder in den Landkreis Lüneburg kommen. Doch die dramatischen Bilder bei der Deichverteidigung werden sich diesmal nicht wiederholen. Davon ist zumindest der Geschäftsführer des Artlenburger Deichverbandes, Norbert Thiemann, überzeugt.

Für seinen Optimismus spricht, dass die Flutwelle laut derzeitiger Prognose vermutlich nicht so hoch auflaufen wird wie 2002. Außerdem wurde aus den Fehlern und Versäumnissen der Vergangenheit gelernt. Viele Millionen Euro sind mittlerweile in den Hochwasserschutz geflossen, neue Deiche und Flutmauern wurden gebaut - wie im Amt Neuhaus, in Bleckede und Hitzacker. Einzig der Bleckeder Ortsteil Alt Garge ist in der Region noch ungeschützt.

Doch reichen die Verbesserungen im Hochwasserschutz wirklich aus? Es ist zu hoffen, dass das erwartete Hochwasser keine weiteren Gefahren für die Menschen an der Elbe ans Tageslicht bringt, die Lage tatsächlich so entspannt ist, wie sie vorhergesehen wird. Denn Restrisiken gibt es einige.

So werden Zweifel und Kritik am Hochwasserschutz laut, weil ein einheitliches und länderübergreifendes Konzept für die Elbe fehlt. Jedes Bundesland kocht sein eigenes Süppchen.

Brandenburg erhöht die Deiche erst kurz nachdem Niedersachsen neue gebaut hatte, die niedriger sind. Experten befürchten, dass deshalb die Pegelstände weiter flussabwärts ansteigen. Politiker und Naturschützer liegen im Dauerclinch darüber, ob die Verbuschung des Deichvorlandes für einen Anstieg des Hochwassers verantwortlich ist. Ein gemeinsames Konzept ist dringend notwendig.