Der Juli war ein Rekordmonat

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Reinhard Zakrzewskis Wetteranalyse. Die Großwetterlage für den August ist bislang wenig stabil

Lüneburg. Der Sommer kommt bislang im August nur widerwillig auf die Beine. Die Temperaturen zogen am Wochenende zwar vorübergehend in Richtung 25 Grad an, doch die Wolken konnten zwischen sonnigen Abschnitten immer noch nicht ganz dichthalten. Das wird sich voraussichtlich in dieser Woche ändern, wenn sich ein Fühler des Azorenhochs zögernd nach Mitteleuropa ausweitet.

Ab morgen könnte bei Temperaturen über 25 Grad dann wieder verstärkt der Besuch von Freibädern, Eisdielen und Biergärten eingeplant werden. Ob sich das brüchige Sommerwetter über die Wochenmitte hinaus stabilisieren kann, ist angesichts der in Umstellung begriffenen labilen Großwetterlage, ungewiss. Langfristig, also über die Monatsmitte hinaus, stehen die Signale eher auf eine Rückkehr des Hochsommers, als auf einen neuerlichen Rückfall in kühle und feuchte Zeiten.

Der Juli 2010 war in vieler Hinsicht ein extremer Monat. Durch seine sengende Hitze, die gleißende Sonne und die schon seit Juni ausbleibenden Niederschläge, breiteten sich im nordöstlichen Niedersachsen geradezu steppenartige Bedingungen aus und eine erhebliche Waldbrandgefahr. Gleich drei Hitzenwellen hatten wir zu überstehen. Einmalig in Intensität und Dauer war die vom 9. bis 12. Juli, bei der zwischen Aller und Elbe reihenweise die Dekaden- und Monatsrekorde purzelten. An drei der vier Tage (Ausnahme 11. Juli) erreichte das Quecksilber 36 Grad und mehr und am 10. Juli wurde mit 37,3 Grad ein neuer Dekadenrekord aufgestellt. Bemerkenswert: Dies war der dritthöchste jemals in Lüneburg gemessene Wert. Geringfügig heißer waren nur noch der 14. Juli 1923 (37,5 Grad) sowie der 20. Juli 2006 (37,4 Grad). Alle vier Tage dieser Hitzewelle waren zudem so genannte Tropentage (24-Stundenmittel mindestens 25 Grad).

Ein Meisterstück lieferte in dieser Hinsicht ebenfalls der 10. Juli ab, der mit dem sagenhaften Tagesdurchschnitt von 29,0 Grad in die Analen eingeht. Bis zum 21. Juli lagen sowohl der Sonnenschein als auch die Monatswärme auf Rekordkurs. Doch dann stellte sich die Wetterlage um: Statt der über uns hinweg nach Osten wandernden Hochdruckzellen, öffnete sich in der letzten Dekade zwischen dem Azorenhoch und der russischen Hitzemauer über Mitteleuropa eine Tiefdruckrinne, in die atlantische Tiefausläufer mit Schauern, Gewittern und frischer Meeresluft immer wieder hineinstießen. So kam der Hauptferienmonat auf der Zielgraden doch noch ins Straucheln. Trotzdem war er nach 2006 und 1994 der dritt wärmste aller Zeiten und mit verbreitet 280 Stunden einer der sonnigsten der Nachkriegszeit.

Die im letzten Monatsdrittel auflebende Niederschlagsneigung kam vor allem dem südlichen und westlichen Niedersachsen zu Gute. Kräftigere Gewittergüsse verirrten sich gerade noch bis in die Südheide, sodass hier die lange Trockenheit lokal gelindert werden konnte. Die geringsten Niederschläge hatten die Kreise Lüchow-Dannenberg, Uelzen und Lüneburg zu verkraften, wo vielfach nur zehn bis 15 Liter Regen pro Quadratmeter zusammenkamen.

Die Minusrekorde aus dem Jahr 1983 (Lüneburg 4, Lüchow 9 Liter/qm) hielten aber stand, sodass der Juli 2010 nun den zweiten Platz auf der ewigen Bestenliste einnimmt, die in Lüneburg seit dem März 1853 geführt wird. Nimmt man allerdings die Regensummen von Juni und Juli zusammen (32 Liter/qm), so war keine Dürreperiode so lang und so hart wie die vergangene. Das legendäre Dürrejahr 1959 bracht es in der Stadt immerhin noch auf 48 Liter, der Trockensommer 1983 auf 45 Liter/Quadratmeter.