Hansebund

"Die Hanse liegt voll im Zeitgeist"

Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe über die Bedeutung des Hansebundes für Tourismus und Integration. Hansetag 2014 in Lübek.

Lüneburg. Bernd Saxe (SPD) ist seit dem Jahr 2000 Bürgermeister der Stadt Lübeck und auch Vormann (Präsident) des 1980 wiedergegründeten Hansebundes. In dieser Eigenschaft besucht er selbstverständlich auch den Hansetag in Lüneburg. In der Regionalausgabe Lüneburg des Hamburger Abendblatts spricht er über die Tradition der Hanse und die Bedeutung des historischen Städtebundes für die Gegenwart.

Hamburger Abendblatt:

Herr Saxe, Sie sind nicht nur Lübecks gewählter Bürgermeister, sondern auch der sogenannte Vormann der Hanse, also Vorsitzender des Präsidiums der im Jahr 1980 wiedergegründeten Hanse. Welche Bedeutung hat Ihrer Ansicht nach die Hanse heute noch?

Bernd Saxe:

Natürlich geht es in der Hanse auch darum, das Wissen um diesen mittelalterlichen Städtebund wachzuhalten, die Traditionen zu pflegen und den Zusammenhalt zu stärken. Aber die Hanse ist auch ein früher Vorläufer der Europäischen Union und hat das Ziel, den Europagedanken zu fördern, die weitere Integration zu unterstützen.

Die Finanzen vieler Städte sind marode, auch in Lübeck ist die Haushaltslage angespannt. Da darf die Unterstützung der Hansestädte untereinander möglichst nicht viel kosten. Ist eine effektive Arbeit da überhaupt möglich?

Saxe:

Ja, durchaus. Denn für die Städte hat die Mitgliedschaft auch handfeste Vorteile. So freuen wir uns über einen seit Jahren wachsenden Hanse-Tourismus. Menschen aus Hansestädten machen sich auf den Weg, um zu sehen, wie es sich in anderen Hansestädten lebt, welche Spezialitäten es gibt, wie Städtebau und Architektur sich präsentieren, welche kulturellen Angebote bestehen. Und wenn man weiß, dass in den 177 Hansestädten in 14 europäischen Ländern heute circa 20 Millionen Menschen leben, dann sieht man einen riesigen touristischen Markt.

Im Hansebund sind alle Mitglieder in den Gremien grundsätzlich gleichberechtigt. Profitieren die kleinen, weniger leistungsstarken Kommunen aus Ihrer Sicht tatsächlich genauso stark von dem Netzwerk wie größere Städte?

Saxe:

Eher stärker. Großen Städten stehen alle Wege offen, kleine Städte haben oft Schwierigkeiten, zum Beispiel international präsent zu sein. Da ist die Hanse eine große Hilfe, eröffnet gerade ihren kleineren Mitgliedern neue Möglichkeiten.

Die Hanse will auch besonders junge Leute für die Traditionen des Bündnisses interessieren. Gelingt das bei der "Generation Internet" tatsächlich, oder ist das Interesse der Bürger nicht grundsätzlich auf die Großereignisse wie die Hansetage beschränkt?

Saxe:

Natürlich ist auch eine bis ins Mittelalter zurückreichende Organisation in der Lage, sich auf die Wünsche und Bedürfnisse der "Generation Internet" einzustellen - unsere Web-Site www.hanse.org erfreut sich jedenfalls guter Besucherzahlen. Und wenn man sieht, welchen Boom derzeit mittelalterliche Festivals erleben, dann liegt die gute, alte Hanse voll im Zeitgeist.

Tourismus und Wirtschaftsförderung sind zentrale Themen für die neugegründete Hanse. Gibt es in dem Bereich messbare Erfolge?

Saxe:

Es gibt eine Reihe von Reiseveranstaltern, die sich zum Beispiel im Segment Busreisen eine Programmpalette rund um die Hanse aufgebaut haben und damit gute Erfolge haben. Auch im Kreuzfahrer-Markt sieht man erste Angebote, die das Hanse-Thema aufgreifen.

Lübeck baut ein Hansemuseum und will 2014 Ausrichter des Hansetages sein. Werden diese umfassenden Vorbereitungen nach derzeitigem Stand pünktlich fertig sein?

Saxe:

Hoffen wir das Beste. Aber bei einem Bauvorhaben dieser Größe, noch dazu auf historischem Grund und zwischen lauter Baudenkmälern - da muss man mit allem rechnen. Zur Not feiern wir den Lübecker Hansetag 2014 als Baustellenparty.

Sie selbst sind kein Nordlicht, sondern in Westfalen geboren. Sie leben aber seit 1975 in Lübeck. Prägt die Tradition der Hanse Ihren Alltag als Bürger oder Politiker noch in irgendeiner Weise?

Saxe:

Die größte Zahl an Hansestädten gab es schon im Mittelalter übrigens in Westfalen, und die Westfälische Hanse ist mit 46 Mitgliedern auch heute noch die größte Regionalorganisation des Internationalen Hansebundes. Die Hanse spielt in meinem Alltag natürlich eine ziemliche Rolle. Nicht nur, weil der "Nebenjob" als Hanse-Vormann doch ganz wesentliche Teile meiner Arbeitszeit ausfüllt, sondern auch, weil ich nahezu wöchentlich Besuchergruppen im Rathaus begrüßen darf, die stets sehr interessiert sind an Fakten und Geschichten aus der Hanse-Geschichte.