Platz für Tausende Neubürger

Foto: Carolin George

Trotz Wirtschaftsflaute läuft der Grundstücksverkauf in Lüneburgs Neubaugebieten überwiegend problemlos

Lüneburg. Der Tiergartenkamp mit einmal geplanten 120 Wohneinheiten ist zwar vom Tisch. Trotzdem werden in den nächsten Jahren fast 1000 neue Häuser und Wohnungen in den Neubaugebieten der Stadt Lüneburg entstehen. Allein 650 davon sind auf alten Bundesflächen zwischen Bahnlinie und Ostumgehung nördlich der Bleckeder Landstraße angesiedelt.

Zwei Projekte sind es, die dort in unmittelbarer Nachbarschaft entstehen: neue Wohnungen und Gewerbeflächen auf dem Gelände der ehemaligen Standortverwaltung westlich des Meisterwegs sowie neue Häuser und Wohnungen auf dem Gelände der alten Schlieffen-Kaserne östlich der Straße.

Im neuen Hanse-Viertel gehen die Grundstücke rasant weg

Riesig ist das Interesse an dem größten Baugebiet der Stadt seit zehn Jahren, dem sogenannten Hanse-Viertel. "Ich könnte jedes Grundstück fünfmal verkaufen", sagt Lydia Brunke von der Sparkassen-Tochter Immobilien Development Beteiligungsgesellschaft (idb), die die ersten zwei Bauabschnitte östlich des Meisterwegs entwickelt.

150 bis 160 Euro pro Quadratmeter werden die Grundstücke kosten, ab Ende August werden sie vermarktet: 30 Teilflächen im ersten Bauabschnitt, 22 im zweiten. Die Baureife für Phase eins ist für Herbst dieses Jahres geplant, für Phase zwei ein Jahr später.

In Bauabschnitt eins gehen ein Drittel der Grundstücke an Privatkäufer, zwei Drittel an Bauträger. Entstehen werden 40 Wohneinheiten als Doppel- und Einfamilienhäuser. Deutlich mehr werden es im zweiten Bauabschnitt sein: Auf den 22 Grundstücken werden Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser gebaut.

Bei der alten Schlieffen-Kaserne geht es um die Frage, was im Boden ist

Mehr als Erde zu bewegen hat die idb für Bauabschnitt eins nicht, die Reste ehemaliger Kleingärten sind laut Lydia Brunke bereits beseitigt. Für weitere Schrebergärten laufe der Pachtvertrag länger, daher erfolge die Baureife für Bauabschnitt zwei erst ein Jahr später.

Zudem zieht sich der Kaufvertrag zwischen idb und Bund hin. Denn noch hat der Käufer kein Testat darüber, dass die ehemalige Kasernenfläche kampfmittelfrei ist. "Als verantwortungsvoller Bauträger wollen wir das aber sichergestellt wissen", sagt Lydia Brunke. Solange die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) das nicht schriftlich bestätige, unterschreibe die idb nicht.

Noch bis Ende Juli läuft die Ausschreibung der BIMA für den Rest der insgesamt 48 Hektar großen Fläche. Dort können hunderte weitere Häuser und Wohnungen entstehen, denn angelegt ist der Bebauungsplan Nr. 128 mit Namen Hanse-Viertel auf 450 bis 500 Wohneinheiten. Auch dafür hat sich die idb beworben. Dort liegen heute noch ehemalige Pferdeställe und Garagen sowie eine Sporthalle.

Vis-à-vis, auf dem Eckgrundstück der ehemaligen Standortverwaltung zwischen Rabensteinstraße und Meisterweg, hat die Vermarktung der geplanten Eigentumswohnungen bereits begonnen. So kostet eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit rund 70 Quadratmetern zum Beispiel rund 170 000 Euro, eine Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnung mit 100 Quadratmetern circa 208 000 Euro und ein Vier-Zimmer-Penthouse mit fast 130 Quadratmetern knapp 370 000 Euro.

Rund 148 Wohneinheiten sollen innerhalb der nächsten vier bis fünf Jahre dort entstehen, Investor ist die Shabani, Prehm und Esfandiary GbR. Die Umbauarbeiten des ersten Speichers neben der alten Bäckerei laufen bereits, sie sollen laut Armando Esfandiary im August dieses Jahres beendet sein. Ein Teil der Wohnungen sei bereits verkauft, die Gewerbeflächen seien noch nicht in der Vermarktung. Im Juni beginnt der Bau von zwei Appartementhäusern à 19 Wohnungen, die im Sommer/Herbst 2011 fertig gestellt sein sollen. "Alles weitere passiert nach und nach", sagt Esfandiary.

An der Rabensteinstraße entstehen zwei Appartementhäuser

Noch im Bauleitverfahren befinden sich die Bebauungspläne Auekamp und Pilgerpfad-Süd. "Die 23 Wohneinheiten am Auekamp sind auf absehbare Zeit noch nicht im Angebot", sagt Stadtsprecherin Suzanne Moenck, "für die 100 bis 140 Wohneinheiten am Pilgerpfad-Süd ist der Baubeginn frühestens im Januar 2011."

Komplett an Bauträger verkauft sind seit Herbst 2009 die 64 Grundstücke im Neubaugebiet Brockwinkler Weg am Kreideberg. "Das ging zügig innerhalb von anderthalb Jahren", sagt Peter-Henning Reinstorf von der Niedersächsischen Landgesellschaft, die das Gebiet mit 90 Wohneinheiten entwickelt hat. Lediglich eine Handvoll Reihen- und Doppelhäuser sind laut Reinstorf noch zu haben.

Nur in Oedeme verkaufen sich die Parzellen eher schleppend

Noch 84 Grundstücke zu kaufen gibt es in Oedeme im sogenannten Rosenkamp, dem ehemaligen Neubaugebiet Oedeme-Süd. Lydia Brunke von der Entwicklungsgesellschaft idb sagt: "Das Gebiet ist besonders beliebt bei Hamburgern." Trotzdem laufe der Verkauf "sehr schleppend, da alle 205 Grundstücke gemeinsam auf den Markt kamen. Das ist für Lüneburger Verhältnisse eine echte Masse."

Auch die in unmittelbarer Nähe stehenden Überlandleitungen können Käufer abgehalten haben. In seinem sechsten Jahr befindet sich das Neubaugebiet, 121 Grundstücke sind verkauft, 16 reserviert. Die Sparkasse hat zum Ankurbeln ein Förderprogramm aufgelegt: Bauherren erhalten für fünf Jahre ein zinsloses Darlehen in Höhe von 25 000 Euro. Die Quadratmeterpreise liegen bei 110 bis 125 Euro.

Vergleichsweise klein ist das Projekt ehemaliger Bauhof an der Hamburger Straße. Dort erstellt die Firma Kathmann Immobilien & Bauträger sieben Stadtvillen à vier Eigentumswohnungen. "Die Hälfte ist verkauft", sagt Jan Kathmann. Gebaut wird bereits, fertig gestellt sein soll alles Mitte 2011.