Der Weg ist frei für den Lunar

Foto: Carolin George

In Lüneburg gibt es ab Juli Regionalgeld. Die zweite Währung soll lokale Wirtschaft stärken

Lüneburg. Die Region bekommt eine zweite Währung. Drei Jahre nach seiner Gründung will der Verein Regio Lunar die Alternative zum Euro erstmals bei der Lüneburger Umweltmesse am ersten Juni-Wochenende vorstellen. Offizieller Start des regionalen Tauschmittels soll der 1. Juli sein.

Nach dem Vorbild ähnlicher Verrechnungsarten im Chiemgau und in Bremen hat der Verein das System für den Lunar entwickelt: Ein Lunar ist einen Euro wert, gedeckt ist der Lunar ebenfalls über den Euro. Der Unterschied zwischen den beiden Zahlungsmitteln: Ein Lunar ist nur ein halbes Jahr gültig. Wer ihn innerhalb der sechs Monate nicht ausgibt, macht Verlust.

Wer den Lunar nicht innerhalb von sechs Monaten ausgibt, macht Verlust

"Das Geld soll nicht gehortet werden, es soll sich schneller drehen", erklärt Horst Jäger (58), Geschäftsführer des Vereins Regio Lunar und Verleger der Zeitschrift "Haus und Hof". Zweiter Aspekt der Alternativwährung: "Das Geld soll in der Region bleiben, die hiesige Wirtschaft fördern und lokale Kreisläufe ankurbeln."

Der Verein hat einen Wirtschaftsring gegründet, für den laut Jäger 30 Anmeldungen vorliegen. Innerhalb des geschlossenen Kreislaufs nutzen die Mitglieder den Lunar als Tauschmittel, etwa wenn Firmen untereinander Leistungen in Anspruch nehmen oder voneinander Waren kaufen.

Die Regionalwährung ist vor allem als Tauschmittel für Firmen gedacht

Aber auch der Verbraucher kann mit Lunar bezahlen. Erreicht der Verein sein Ziel, soll das mit Start des Lunar am 1. Juli an 50 Stellen in Stadt und Landkreis Lüneburg möglich sein. Auf Jägers Liste stehen bislang unter anderem Dimkes Bauart, Weinfass Wabnitz, Kinderhaus Hollerbusch, Eine-Welt-Laden, Theater im e.novum, Copyshop, Elba-Rad, diverse Naturkostläden sowie die Restaurants Stadtgespräch und Ochi`s Barcelona.

Wer als Geschäftsmann im Wirtschaftsring einsteigt, zahlt einmalig 60 Euro. Wer als Verbraucher Lunar tauschen will, zahlt keinerlei Gebühren. Er bekommt für 100 Euro 100 Lunar, und zwar in einigen der teilnehmenden Geschäfte.

Verlust allerdings macht jeder, der seine Lunar nicht innerhalb eines halben Jahres ausgibt. Nach sechs Monaten verlieren die Scheine ihre Gültigkeit. Wer sie gegen neue Lunar tauschen will, zahlt zwei Prozent Gebühr. Und wer sie gegen Euro tauschen will, bekommt fünf Prozent weniger zurück.

Davon zahlt der Verein zum einen seine Verwaltungskosten, laut Jäger zwei Prozent. Drei Prozent gehen an gemeinnützige Institutionen. An welche, darf jeder Lunar-Nutzer selbst entscheiden. 95 Prozent der erhaltenen Euros legt der Verein bei einer Bank an, pleite gehen kann Regio Lunar e.V. nicht, sagt Jäger: "Wir handeln ja nicht mit Waren."

Seit fast vier Jahren arbeiten seine Mitstreiter und er an der Idee der Regionalwährung für Lüneburg. "Damals wurden wir noch als Spinner abgetan", erinnert sich der Kaufmann. "Mittlerweile haben wir eine unglaublich gute Resonanz bei den Geschäftsleuten." Verändert habe sich die Stimmung vor allem nach der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise. "Es wird wieder mehr in der Region gedacht", sagt Jäger.

Da der Lunar ein Tauschmittel innerhalb eines Wirtschaftsrings sei, taxiere das Finanzamt den Verein wie jeden anderen Verein oder andere Firmen. "Die Genehmigung einer Behörde brauchen wir nicht", sagt Jäger.

Starten will Regio Lunar mit 5000 Scheinen gestückelt auf ein, zwei, fünf, zehn und 20 Lunar. "Die Scheine sind fälschungssicher aus leinenstrukturiertem Papier, sie besitzen eine Prägung und sind durchnummeriert", sagt Jäger. "Bislang ist aber kein Fall von gefälschtem Regio-Geld in Deutschland bekannt." Finanziert wird der erste Lunar-Druck durch Sponsoren, die auf der jeweiligen Rückseite der Scheine Werbung machen.

Den Druck der Scheine finanzieren unterschiedliche Sponsoren

Erstmals mit dem Lunar bezahlen können Verbraucher die Snacks und Getränke bei der Lüneburger Umweltmesse am 5. und 6. Juni, richtig losgehen soll es mit der Zweitwährung am 1. Juli. Läuft es gut mit dem Lunar, hat der Verein für die nächsten Jahre große Pläne: Dann will Regio Lunar e.V. auch Mikrokredite bis 5000 Euro ausgeben.

Außerdem soll eine zweite Deckung des Tauschmittels eingeführt werden: die durch Leistung. "Das ist besonders interessant für Hartz-IV-Empfänger", sagt Horst Jäger. "Sie bekommen Lunar zum Beispiel fürs Rasenmähen oder Kinderhüten."

Wo der Lunar erhältlich sein wird und welche Geschäfte ihn annehmen, ist ab kommender Woche in Internet nachzulesen.

www.regio-lunar.de