Wahlwerbung: Rundschau befragt Experten

Parteien rücken sich mit Plakat-Galerien ins rechte Licht

Wahlplakate und -aufsteller der großen Parteien zur kommenden Bundestagswahl in Stadt und Landkreis Lüneburg so weit das Auge reicht. An den großen und viel befahrenen Kreuzungen ist der Plakatwald besonders auffällig.

Lüneburg. Doch helfen die abgebildeten Köpfe, Informationen und Slogans wirklich bei der Entscheidung für eine Partei am Wahltag? Oder ist diese Art der Wahlwerbung inzwischen gar nicht mehr zeitgemäß? Die Rundschau hat bei Experten nachgefragt.

Egbert Kahle, Professor am Institut für Betriebswirtschaftslehre, Marketing, Kommunikation und interkulturelle Beziehungen an der Leuphana Universität: "Die Plakate sprechen mich überhaupt nicht an, denn die Köpfe sagen nichts aus. Scheinbar halten die Parteien das Plakatieren für notwendig, damit man sie nicht vergisst, ganz nach dem Motto: Sichtbar sein, sonst wird man nicht wahrgenommen. Dabei haben die Leute, wenn sie unterwegs sind, andere Sachen im Kopf, als auf die Plakate zu achten."

Philipp Pahl, Gründer und Geschäftsführer der "Toreros"-Werbeagentur in Lüneburg sieht das ähnlich: "Die Aussagen auf den Plakaten sind kaum differenziert und deshalb austauschbar. Außerdem animieren die häufig schief aufgestellten und teilweise schon zerstörten Pappplakate eher zum Wegsehen, als zum Nachdenken. Für die Parteien sind die Plakate allerdings ein gutes Medium um die Köpfe der Kandidaten bekannt zu machen. Aber um ein Image aufzubauen, sind sie nicht geeignet." Der Fokus solle eher auf Events gelegt werden, bei denen die Kandidaten wirklich erlebt werden können oder auf die neuen Medien, die vor allem junge Wähler ansprechen, so der 31 Jahre alte Werbefachmann.