Wirtschaftliche Transparenz steht im Vordergrund

Ein Siegel für erkennbare Qualität

Der Johanniter-Pflegedienst ist TÜV-zertifiziert. Doch nicht alle können sich das auch leisten.

Lüneburg. Endlich hält Birgit Kuan die Zertifizierung durch den TÜV-Nord in Händen. Der Lüneburger Johanniter-Pflegedienst ist als erster Dienst der Johanniter im Landesverband Niedersachsen/Bremen erfolgreich nach DIN EN ISO 9001:2008 zertifiziert. Diese für viele unverständliche Formel legt die Anforderungen für ein Qualitätsmanagement fest.

Seit dem Herbst des vergangenen Jahres hat das Lüneburger Team darauf hin gearbeitet. "Die Zertifizierung ist ein Gütesiegel für die Qualität der Pflege", sagt Pflegedienstleiterin Birgit Kuan. Es gibt eine Vielfalt an Gütesiegeln, davon jedoch ist ein Zertifikat nach der DIN EN ISO als höchstes einzustufen.

Und was hat der Kunde davon? Birgit Kuan beschreibt die Sicherheit: Die Arbeitsabläufe seien gemeinsam erarbeitet und festgelegt. Das Krankenpflegerpersonal arbeite nach Standards und Richtlinien. "Trotz der einheitlichen Arbeitsweise haben wir auch weiterhin die Möglichkeit, im Bedarfsfall individuell entscheiden zu können." Für den Kunden wird eine lückenlose Dokumentation erstellt, um den Pflegeablauf zu beobachten zu können. Die Mitarbeiter werden ständig geschult und weitergebildet, so dass die Pflege immer auf dem neuesten Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse ist.

"Die Verbesserung muss bis zum letzten Mitarbeiter vordringen und verinnerlicht werden", so Pflegedienstleiterin Kuan. Das schließt Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, eine regelmäßige Mitarbeiter- und Kundenbefragung ein. Selbstverständlich erhalten auf Wunsch Angehörigen Einblick in die Pflegedokumentation.

Die Zertifizierung mit der Auflage einer jährlichen Kontrolle durch den TÜV, ersetzt nicht die unangemeldet durchgeführte Qualitätsprüfung ambulanter Pflegedienste durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK). Jedoch, so Birgit Kuan, "das Qualitätsmanagement ist Gold wert, diszipliniert Prozesse, lückenlose Dokumentation und bereitet auf den Besuch des MDK vor." Zertifizierung und deren Vorbereitung sind allerdings teuer. Rund 5000 Euro kosteten die Johanniter Schulungen, neue Software sowie die TÜV-Prüfung hin zum Erhalt des begehrten Gütesiegels. Die Kosten schulterte der Johanniter Dienst gGmbH (gemeinnützige GmbH) Lüneburg und der Landesverband. Diese Summe kann der Deutsche Rote Kreuz (DRK) Ortsverein Lüneburg-Stadt e.V. nicht aufbringen. "Wir sind zertifizierungsreif", sagt DRK-Geschäftsführerin Sabine Reckermann, "doch ist es uns augenblicklich zu teuer." Der kleine ambulante Pflegedienst mit nur zwölf Mitarbeitern muss den Betrag selbst erwirtschaften. "Zudem besteht nicht die Notwendigkeit, weil es gesetzlich nicht vorgeschrieben ist." Stattdessen lasse sich das DRK-Pflegeteam zweimal jährlich von Externen prüfen, bestätigt DRK-Pflegedienstleiterin und Qualitätsmanagementbeauftragte Martina Plohg. "Unser Qualitätsmanagement läuft täglich. Die DIN EN ISO 9001:2008 entspricht ursprünglich einer Zertifizierung für Wirtschaftunternehmen und hat mit den von uns zu pflegenden Kunden nichts zu tun. Die uns prüfenden Externen allerdings besuchen stichprobenartig Patienten und konfrontieren uns mit ihren Berichten."

Der zunehmend geforderten wirtschaftlichen Transparenz und den gleichzeitig steigenden Qualitätskontrollen müssen sich alle ambulanten Pflegedienste stellen. So genannte Heimnoten werden in Zukunft Pflegeheime wie ambulante Pflegeeinrichtungen bundesweit transparenter machen. Die Einrichtungen werden verpflichtet, die in Noten übersetzte Prüfungsberichte des MDK zu veröffentlichen. Darin wird eine Note für die Befragung der Kunden ausgewiesen sein. Nicht geplant sind Sanktionen bei schlechtem Durchschnitt.