Projekt: Gemälde statt kahler Brandmauern

Lüneburg wird zum Raum für moderne Kunst

35 internationale Künstler gestalten Gebäudeflächen in der Stadt. Einige Objekte sollen dauerhaft bleiben.

Lüneburg. Seinen ersten Redebeitrag in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses der Stadt lieferte Holm Keller bereits vor seinem eigentlichen Tagesordnungspunkt: Stadtbaurätin Heike Gundermann hatte gerade die Eröffnung des neuen Lüneburger Museums für Ende 2013 angekündigt, da meldete sich der Uni-Vize zu Wort: "Im Dezember 2013 wird wahrscheinlich auch das neue Zentralgebäude der Universität eröffnet." In dreieinhalb Jahren werde es also eine große Feier in der ganzen Stadt geben.

"Das ins Protokoll bitte", witzelte das ein oder andere Ausschussmitglied daraufhin - und die Politiker entschieden zunächst einmal einstimmig über einen 9,5 Millionen Euro teuren Anbau am Museum für das Fürstentum Lüneburg.

Anschließend kam Keller auch offiziell laut Tagesordnung zu Wort: Er erläuterte das von der Leuphana Universität geplante Kunstprojekt "Streetart". 35 internationale Künstler lassen in der ersten Oktoberwoche aus Hauswänden Leinwände werden und verwandeln schnöde getünchte Mauern in farbvolle Bilder von Riesenformat.

Die 1200 Studienanfänger sollen derweil kleine Filme vom Entstehen der Kunstwerke drehen, die rund 360 erwarteten Videoclips werden im Internet veröffentlicht - die Universität nutzt ihre bereits bestehende Zusammenarbeit mit dem Netz-Mogul "Google". Parallel zeigt eine Ausstellung im Rathaus Werke der Gegenwartskunst aus der Sammlung Reinking in Hamburg.

Neben verschiedenen Gebäuden der Universität an der Scharnhorststraße sowie im Roten Feld hat die Uni folgende Flächen für dauerhaft geplante Kunstwerke angefragt: Durchgang Musikschulhof, Jeans-Geschäft Rote Straße, Nebengebäude Pons, Große Bäckerstraße 20 und 21, Salzstraße 13/14, Hauptschule Stadtmitte, Kleine Bäckerstraße 1, Obere Schrangenstraße 18, Ritterstraße 12, Wandfärberstraße 3, Parkhaus Karstadt, Parkhaus am Wasserturm, Friedenstraße 9, Johannisstraße 22 sowie diverse Telefon- und Stromkästen. Von der Stadtverwaltung kam der Vorschlag Unterführung Reichenbachstraße, doch bislang hat sich laut Keller kein Künstler dafür gefunden.Temporäre Bilder sind geplant an der Karstadt-Marktfassade, in der Glockenstraße 19, am Baugerüst von St. Michaelis und am Wasserturm. Skulpturen sollen zeitweilig aufgestellt werden in der Fußgängerzone sowie vor St. Johannis, dem Fürstentummuseum und im Clamartpark - sie stehen später auf dem Campus.

Während sich außer Siegfried Körner (CDU), der seinen Geschmack in den vorgestellten Entwürfen zeitgenössischer Kunst nicht wiederfinden mochte, alle Mitglieder des Kulturausschusses voll des Lobs und der Vorfreude zeigten, musste Stadtbaurätin Heike Gundermann auch problematische Aspekte ansprechen: sogenannte Brand- also meist Seitenwände von Häusern, die unter Denkmalschutz stehen. Bei sechs Innenstadt-Objekten wird die Obere Denkmalschutzbehörde mitreden. Keller dazu sehr deutlich: "Die sechs großen Brandwände sind tragend für das Projekt in der Innenstadt. Wenn die wegfallen, werden wir es nur auf dem Campus machen."