Bildung

Größere Schulklassen - weniger Lehrer

Kaum hat das Kultusministerium die Entscheidung über das Turbo-Abi an den Integrierten Gesamtschulen (IGS) und die Abschaffung der Vollen Halbtagsschule durchgeboxt, sorgt ein weiterer Beschluss für Wirbel: Die Neuregelung der Klassenbildung.

Lüneburg. Sven Timm, Mitglied der Initiative Sinn e.V. erklärt: "Nach dem uns vorliegenden Schreiben können wir schon ab dem kommenden Schuljahr mit größeren Klassen rechnen." Bisher gilt: Einmal gebildete Klassen dürfen nur nach dem zweiten, vierten, sechsten und achten, und an Haupt und Förderschulen auch nach dem neunten Schuljahrgang verändert werden. Jetzt soll eine Anpassung nach jedem Schuljahr möglich sein.

Landeselternratsmitglied Dietmar May aus Melbeck ist empört: "Das macht pädagogisch gar keinen Sinn. Der Landeselternrat ist damit nicht einverstanden und wir werden das noch mal zur Anhörung bringen." Besonders heikel sei die Neubildung der Klassen in der Pubertät. May erklärt: "In der fünften Klasse werden die Schüler neu durchmischt. Wenn sich die Zusammensetzung nun jährlich ändern kann, bedeutet es für die Schüler zusätzlichen Stress." Das KM will durch die jährliche Anpassung die Herausforderung der Unterrichtsversorgung "unter Berücksichtigung der Auswirkung der Arbeitszeitkonten und nicht ausreichend vorhandener Bewerber" meistern, heißt es in dem Schreiben der Behörde.

Nachteilige finanzielle Auswirkungen auf den Landeshaushalt seien durch die Änderungen nicht zu erkennen. Im Gegenteil: Elternvertreter rechnen mit 190 eingesparten Stellen. Dazu Sven Timm: "Mir wird schlecht, wenn ich so etwas lese. Die Änderungen werden auf dem Rücken unserer Kinder ausgetragen." Letztlich gehe es nur darum, so viele Schüler wie möglich auf nur wenige Klassen zu verteilen. Denn, so Timm: "Eine Klasse, die es nicht gibt, muss ich auch nicht mit Lehrern besetzen."

Alle Schulen sind daher gezwungen, Veränderungen von Schülerzahlen, die eine Änderung der Klassenzahl zur Folge haben, der zuständigen Landesschulbehörde mitzuteilen. Sprecherin Susanne Strätz von der Behörde in Lüneburg sagt: "Wir versuchen immer die begrenzten Mittel und das Personal gleichmäßig zu verteilen. Leider reicht das nicht immer aus."